US-Präsident Trump verteidigt Truppenabzug "Kämpfen, wo es uns nützt"

US-Präsident Donald Trump verteidigt den Truppenabzug aus dem Norden Syriens und will "endlich aus diesen lächerlichen endlosen Kriegen" herauskommen. Die einstigen kurdischen Verbündeten sprechen von einem "Dolchstoß".

Weißes Haus: Trump verteidigt seine Entscheidung zum Truppenrückzug in Syrien
Bill Chizek/ Getty Images

Weißes Haus: Trump verteidigt seine Entscheidung zum Truppenrückzug in Syrien


Die immer konkreter werdenden Drohungen der Türkei mit einer Militäroffensive im Norden Syriens haben international große Besorgnis hervorgerufen.

Die Bundesregierung, die Europäische Union und die Vereinten Nationen warnten vor den Folgen eines Einmarschs.

US-Präsident Donald Trump verteidigte indes die Entscheidung, das US-Militär aus der Region abzuziehen.

Trump schrieb am Montag auf Twitter, es sei Zeit für sein Land, "endlich aus diesen lächerlichen endlosen Kriegen herauszukommen". Die USA kämpften nur dort, wo es ihnen nütze. Es sei nun an der Türkei, Europa, Syrien, Iran, Irak, Russland und den Kurden, eine Lösung für den Konflikt zu finden.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Montag erklärt, ein Militäreinsatz "sowohl aus der Luft als auch mit Bodentruppen" könne unmittelbar bevorstehen. Die geplante Offensive richtet sich gegen die von der Kurdenmiliz YPG geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), die weite Teile des Gebiets an der nordsyrischen Grenze kontrollieren.

Zuvor hatten die USA nach einem Telefonat Erdogans mit Trump angekündigt, weder die kurdischen Milizen, die im Kampf gegen den "Islamischen Staat" ihre Verbündeten waren, noch das türkische Militär in dem Konflikt unterstützen zu wollen.

Die SDF-Rebellen bezeichneten das Verhalten der USA als "Dolchstoß". Es habe Zusicherungen der USA gegeben, dass sie keinen türkischen Angriff auf die Region zulassen würden, sagte ein SDF-Sprecher.

EU fordert Türkei auf, "ein Ende der Feindseligkeiten sicherzustellen"

Scharfe Warnungen vor einer Eskalation des Konflikts kamen von der EU. Eine Sprecherin warnte, bewaffnete Auseinandersetzungen im Norden des Landes würden "nicht nur das Leiden von Zivilisten verstärken und zu massiven Vertreibungen führen", sondern bedrohten auch laufende politische Bemühungen um eine Beilegung des Syrienkonflikts.

Die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini sagte, die Europäische Union erkenne zwar die "berechtigten Sicherheitsbedenken" der Türkei an, bleibe aber "der Einheit, Souveränität und territorialen Integrität des syrischen Staats verpflichtet".

"Jegliche nachhaltige Lösung" für den Syrienkonflikt könne aus Sicht der EU nicht durch militärische Mittel erreicht werden, sondern nur durch einen "echten politischen Übergang". Die EU-Außenminister wollen sich bei ihrem Treffen am kommenden Montag mit Syrien befassen.

Die EU fordere die Türkei zudem auf, in Syrien "ein Ende der Feindseligkeiten sicherzustellen" und "den Schutz von Zivilisten zu garantieren", sagte die Sprecherin. Für die EU sind demnach auch nicht die Voraussetzungen für den Plan Erdogans gegeben, nach der Offensive in einer "Sicherheitszone" im Norden des Bürgerkriegslands zurzeit noch in der Türkei lebende Syrienflüchtlinge anzusiedeln. "Das kann nur erfolgen, wenn die Bedingungen für eine freiwillige und würdevolle Rückkehr gegeben sind."

Bundesregierung warnt vor Eskalation - und zeigt Verständnis

Diese Pläne hatte zuletzt auch Bundesinnenminister Horst Seehofer kritisiert. Sein Sprecher Steve Alter sagte, Seehofer habe türkischen Regierungsvertretern in Ankara vergangene Woche deutlich gemacht, dass die Bundesregierung mit der Einrichtung einer "Sicherheitszone" für die Ansiedlung von Flüchtlingen in Syrien "ihre Probleme hat".

Die Bundesregierung teilte mit, sie nehme "die wiederholten Ankündigungen türkischer Politiker, eine einseitige Militäroperation in Nordsyrien zu starten, sehr ernst". "Ein solches militärisches Eingreifen würde zu einer weiteren Eskalation in Syrien führen", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer. Allerdings habe man auch Verständnis für die Sicherheitsinteressen der Türkei im Grenzgebiet.

Auch die Uno reagierte besorgt. "Wir hoffen auf das Beste, bereiten uns jedoch auf das Schlimmste vor", sagte Panos Moumtzis, der Leiter des Uno-Hilfseinsatzes in Syrien.

mes/dpa/AFP

insgesamt 150 Beiträge
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moeh1 07.10.2019
1. Türkei
Der US Truppenabzug ist ein Fehler und Verrat an den Kurden. Wir wissen allerdings schon lange dass auf Trump kein Verlass ist, Europa sollte deshalb nicht über die Amerikaner jammern sonder selbst eine aktive Rolle übernehmen !
bigroyaleddi 07.10.2019
2. Sich aus Kriegen zurückzuziehen
ist erstmal natürlich sehr positiv. Allerdings ist die Begründung des Herrn Trump natürlich wieder mal ganz typisch America first. Aber die Aussage " Es habe Zusicherungen der USA gegeben, dass sie keinen türkischen Angriff auf die Region zulassen würden" wird die USA als Bündnispartner zukünftig als unsicheren Kantonisten brandmarken. Müssen wir tatsächlich den Zerfall der Großmacht USA erwarten? Wundern tät es mich nicht.
El-Timba 07.10.2019
3. Wer sich heutzutage ...
... auf die USA verläßt, ist verlassen ....
portlana 07.10.2019
4.
egal welcher präsident und welcher amerikaner, es gibt einene grund warum auch unter trump drohnenangriffe/tote ständig zu nehmen, auch wenn leider eher unberichtet wird und warum es auch unsinnig trump als friendsliebend zu beschreiben ist (was ja viele trump fans so sehen, warum auch immer) weder obama noch viel mehr trump kann/konnte sich einen toten amerikaner leisten, wenn er gewählt werden will. daher klar ziehen die ab und auch sonst überall und machen das was vorher gemacht haben, eben mit drohnen statt menschen. interessiert ja auch scheinbar keinen alles andere ist blablabla
Hokuspokus 07.10.2019
5. Lächerliche endlose Kriege...
Naja, das ist mal Klartext von einem Staatsoberhaupt. Würden die anderen beteiligten Kriegsparteien das auch so handhaben, wäre wohl Ruhe und Frieden.
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