Mehr als 55 Tote in Syrien Doppelanschlag erschüttert Damaskus

Die Explosionen zerfetzten Autos und rissen tiefe Krater in die Straßen von Damaskus: Bei den schwersten Anschlägen seit Beginn des syrischen Aufstandes wurden mindestens 55 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt. Das Staatsfernsehen sprach von "Terroranschlägen".

REUTERS

Damaskus/Istanbul - Die Anschläge waren selbst für syrische Verhältnisse gewaltig: In Damaskus sind bei zwei Sprengstoffattentaten mindestens 55 Menschen getötet worden. Das staatliche Fernsehen zitierte den Gesundheitsminister des Landes. Dieser sprach von "terroristischen Bombenanschlägen". Laut dem Innenministerium hat es zudem 372 Verletzte gegeben.

Dagegen erklärte der Syrische Nationalrat als wichtigstes Oppositionsbündnis, das Regime von Präsident Assad wolle mit den Anschlägen die internationalen Beobachter der Waffenruhe einschüchtern. Zugleich nutze sie die Taten, um bewaffnete Gruppen und das Terrornetzwerk al-Qaida verantwortlich zu machen.

Die beiden Bomben seien während des morgendlichen Berufsverkehrs auf einer Schnellstraße im Süden der Hauptstadt explodiert, hieß es. Die Detonationen ereigneten sich kurz nacheinander gegen 7.50 Uhr. Noch in weit entfernten Stadtvierteln ließ die Wucht der Explosion die Fenster vibrieren.

Wie ein AFP-Journalist berichtete, wurden mehrere zivile Autos zerstört und die Fassaden der umliegenden Gebäude schwer beschädigt. Die Explosionen hinterließen einen Krater von drei Metern Tiefe, über dem Osten der Stadt stand dichter schwarzer Rauch.

Komplex des Geheimdienstes schwer beschädigt

In der betroffenen Gegend befindet sich auch ein Komplex des Militär-Geheimdienstes, der seit Monaten gegen die Proteste in dem Land vorgeht. Das Gebäude sei beschädigt worden. Allerdings lassen sich Berichte aus dem Land kaum unabhängig verifizieren.

Der TV-Sender al-Arabija meldete, der Leiter der Uno-Beobachtermission, Generalmajor Robert Mood habe darauf bestanden, den Tatort selbst in Augenschein zu nehmen.

Am Mittwoch wären die Uno-Mitarbeiter noch selbst beinahe Opfer einer Attacke geworden. Auf einer Straße von Damaskus Richtung Süden explodierte ein Sprengsatz, als ein syrisches Militärfahrzeug darüberfuhr. Zuvor hatten Uno-Autos die Stelle passiert. Die Regimesoldaten sollten den Konvoi in die Provinz Daraa begleiten. Sechs Soldaten wurden verletzt, die Beobachter der Vereinten Nationen blieben unversehrt.

jok/dpa/AFP



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fuchs008 10.05.2012
1. Terroristen
nach und nach verfestigt sich der Eindruck, dass hier vor allem Terroristen am Werk sind, die alles wollen, nur keinen Frieden. Ich habe mit der Diktatur in Syrien nichts am Hut, aber für eine zukünftige echte Demokratie ist ein langsamer Wandel bestimmt wertvoller als ein Bürgerkrieg, der das Land ersteinmal 100 Jahre zurückwirft. Man sollte sich immer Somalia und Libyen vor Augen halten und wie gut dort das Straatswesen funktioniert.
antiimperialist 10.05.2012
2. Danke für Ihren Beitrag....
Zitat von fuchs008nach und nach verfestigt sich der Eindruck, dass hier vor allem Terroristen am Werk sind, die alles wollen, nur keinen Frieden. Ich habe mit der Diktatur in Syrien nichts am Hut, aber für eine zukünftige echte Demokratie ist ein langsamer Wandel bestimmt wertvoller als ein Bürgerkrieg, der das Land ersteinmal 100 Jahre zurückwirft. Man sollte sich immer Somalia und Libyen vor Augen halten und wie gut dort das Straatswesen funktioniert.
Bin wohl nicht der einzige dieser Meinung
eurowun 10.05.2012
3. Westerwelle schweigt zur Gewalt von Terroristen
Man kann zu dem System in Syrien durchaus Distanz haben, muss dies sogar, wer unsere westlichen Maßstäbe ansetzt, soweit wir Bürger und unsere Akzeptanz der Menschenrechte betroffen sind. Dies gilt leider für unsere Politiker nicht. Von Westerwelle oder Merkel keine Reaktion. Offenbar ist das Morden in Syrien genauso anerkannt, wie einst die Verbrechen in Lybien, im Irak oder in Afghanistan. Was wird eigentlich alles unter Freiheit und Kampf für die Menschenrechte verpackt, wenn Westerwelle und Merkel mit ihrer Doppelmoral Verbrechen stillschweigend akzeptieren, sofern es den Interessen unsere Landes dient. Gabriel und Roth schweigen ohnehin bei derartigen Vorgängen. Deren Nichtmeinung ist bekannt iund manchmal scheint es gut zu sein, wenn beide einfach die Klappe halten.
TiloS 10.05.2012
4. andersherum
Dann ich wohl auch nicht. Mich regen langsam diese ständigen Fernsehberichte auf, in denen jedesmal Assad angeprangert wird, er würde Krieg gegen sein Volk führen. Für mich stellt sich das anderherum dar.
observatorius 10.05.2012
5. Der Terror der Golfmonarchen und der Applaudierende Westenn
Solangsam müssen sich die westlichen Unterstützer dieser sogenannten "Freien" Syrischen Opposition die Frage gefallen lassen, ob sie nicht längst zu Unterstützern von Terroristen geworden sind. Bei den Saudischen Monarchen steht die Terror-Connection längst ausser Frage, aber für unsere westlichen Regime wäre höchste Zeit für eine Kehrtwende. Andernfalls ist zu erwägen, mal einen Lackmustest unseres Rechtsstaats anzustrengen und unsere schönen Anti-terror paragraphen gegen jene Politiker ins Feld zu führen, die mit ihren Versprechungen "die Syrische Opposition zu unterstützen" mehr als ein bisschen über die Stränge schlagen.
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