Krieg in Syrien Dutzende Tote bei Luftangriffen in Idlib und Aleppo

Ab Montag soll in Syrien ein Waffenstillstand herrschen. Doch bisher deutet wenig darauf hin, dass dieser eingehalten wird. Bei Bombardierungen durch Kampfflugzeuge in Idlib und Aleppo starben Dutzende Zivilisten.


Kurz vor einer geplanten Waffenruhe sind bei Luftangriffen in Syrien erneut Dutzende Menschen getötet worden. Ziele der Angriffe am Samstag waren nach Angaben von Aktivisten die Städte Idlib und Aleppo. Bei den Syrien-Gesprächen in Genf hatten sich die USA und Russland zuvor auf die Waffenruhe für das Bürgerkriegsland verständigt.

Bei den Angriffen auf einen Markt in Idlib und mehrere Wohnviertel wurden mindestens 58 Menschen getötet, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Mindestens 90 weitere Menschen seien verletzt worden. Unter den Toten seien 13 Kinder.

Die Beobachtungsstelle konnte zunächst nicht sagen, wie viele Zivilisten insgesamt unter den Opfern waren. Unklar war zunächst auch, wessen Luftwaffe die Angriffe flog. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bezieht ihre Angaben aus einem Netzwerk von Informanten in Syrien. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Auch in Aleppo wurden bei Luftangriffen laut Beobachtungsstelle mindestens zwölf Zivilisten getötet, in der gleichnamigen Provinz starben weitere 18 Menschen. In dem seit Frühjahr 2011 andauernden syrischen Bürgerkrieg wurden mehr als 290.000 Menschen getötet und die Hälfte der Bevölkerung in die Flucht getrieben.

Laut dem Sender CNN Turk haben türkische Luftstreitkräfte am Samstag 20 Kämpfer des "Islamisches Staats" (IS) in Syrien getötet. Ziel der Angriffe seien drei Gebäude, ein Auto und ein Motorrad in der Stadt Tel al-Haua gewesen. Das türkische Militär geht in dem Land sowohl gegen die Islamisten als auch gegen eine Kurdenmiliz vor.

Waffenstillstand wurde bisher nie eingehalten

US-Außenminister John Kerry und sein russischer Kollege Sergej Lawrow hatten sich am Freitagabend nach langen Verhandlungen auf eine Waffenruhe für das Bürgerkriegsland verständigt. Diese soll am Montag in Kraft treten, zum Beginn des muslimischen Opferfests.

Die USA und Russland unterstützen in Syrien entgegengesetzte Seiten. Während Moskau ein enger Verbündeter von Präsident Baschar al-Assad ist, unterstützt Washington bewaffnete Assad-Gegner. Ein Waffenstillstand, den die Konfliktparteien im Februar auf Vermittlung der USA und Russlands vereinbart hatten, war nie vollständig eingehalten worden.

Die syrische Regierung will die Waffenruhe angeblich billigen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete. In der umkämpften Großstadt Aleppo würden die Kampfhandlungen "aus humanitären Gründen" eingestellt, hieß es.

Das Hohe Verhandlungskomitee (HNC) der Opposition erklärte am Samstag auf seiner Internetseite, es habe den "offiziellen Text" der Vereinbarung noch nicht erhalten. Sobald dieser vorliege, würden die Einzelheiten geprüft. Die HNC-Sprecherin Bassma Kodmani hatte sich zuvor vorsichtig optimistisch geäußert. Die Einigung sei hoffentlich "der Anfang vom Ende des Leidenswegs der Zivilisten".

Lawrow kündigt gemeinsame Einsatzzentrale an

Der Vereinbarung zufolge müssen sich die Regierungstruppen rund um Aleppo zurückziehen und humanitären Helfern Zugang gewähren. Russland muss Assads Truppen zudem davon überzeugen, die Rebellengebiete nicht länger zu bombardieren. Dschihadistengruppen wie der IS oder die Dschabhat Fatah al-Scham, die frühere Nusra-Front, sollen allerdings weiterhin bekämpft werden. Im Gegenzug müssen die USA die mit ihnen verbündeten Rebellengruppen dazu bringen, nicht mehr mit der Dschabhat Fatah al-Scham zu kooperieren.

Wird die Vereinbarung eine Woche lang " in vollem Umfang" eingehalten, wollen die USA mit dem russischen Militär kooperieren, wie Kerry ankündigte. Lawrow sagte, beide Seiten würden künftig ihre Luftangriffe auf "Terroristen" koordinieren. Er kündigte dazu die Einrichtung einer gemeinsamen Einsatzzentrale an.

cte/AFP/Reuters



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