Syrische Stadt Duma Raketen schlagen auf Markt ein - Dutzende Tote

Die syrische Stadt Duma gilt als Rebellenhochburg und ist immer wieder Ziel schwerer Luftangriffe. Nun soll die syrische Luftwaffe einen Markt bombardiert haben. Aktivisten zufolge starben dabei mindestens 45 Menschen.


Die Stadt Duma liegt in einer der am härtesten umkämpften Regionen Syriens. Der Vorort von Damaskus ist ein Rückzugsort für die Rebellen, seit Jahren versucht die Armee von Machthaber Baschar al-Assad die Kontrolle über das Gebiet zurückzugewinnen. Am Freitag nun schlugen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zwölf Raketen auf einem Marktplatz ein - mindestens 45 Menschen starben, weitere 100 wurden verletzt.

Duma und die Region Ost-Ghuta waren in der Vergangenheit immer wieder Ziel von schweren Luftangriffen der syrischen Armee. Im August kamen mindestens 80 Menschen bei Attacken ums Leben. 2013 wurde dort den Vereinten Nationen zufolge sogar Giftgas eingesetzt. Bis zu 1400 Menschen starben.

Die Angaben der in London ansässigen Beobachtungsstelle lassen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen. Sie haben sich in der Vergangenheit jedoch oft als korrekt herausgestellt.

Duma liegt rund 15 Kilometer nordöstlich der syrischen Hauptstadt. Damaskus ist neben der Küstenregion Latakia, aus der Assads Familie stammt, sowie der nördlichen Großstadt Aleppo für die Regierung von oberster strategischer Bedeutung.

Karte Syrien Situation Stand 15.10.2015
SPIEGEL ONLINE

Karte Syrien Situation Stand 15.10.2015

Der im März 2011 begonnene Aufstand gegen Präsident Assad hat Schätzungen zufolge bislang mehr als 250.000 Menschen das Leben gekostet. Der Bürgerkrieg zwang mehr als die Hälfte der rund 22 Millionen Syrer zur Flucht. Ein Großteil von ihnen befindet sich nach wie vor in Syrien. Die Nachbarländer nahmen nach Angaben des Uno-Flüchtlingswerk UNHCR etwa vier Millionen Kriegsflüchtlinge auf. Hunderttausende haben sich mangels Aussicht auf ein Ende der Gewalt zudem auf den Weg nach Europa gemacht.

Der Angriff auf Duma wurde gemeldet, während in Wien die Außenminister mehrerer Staaten versammelt waren, um über eine politische Lösung des blutigen Bürgerkriegs zu beraten. Erstmals nimmt an den Gesprächen auch Assads Verbündeter Iran teil. Insgesamt sind Vertreter aus 17 Ländern an den Verhandlungen dabei, darunter auch die Uno-Vetomächte USA, China, Frankreich, Großbritannien und Russland.

Auch Russland fliegt seit Ende September Luftangriffe in Syrien. Offiziell richten sich die Attacken gegen terroristische Gruppen, vor allem gegen den "Islamischen Staat" (IS). Immer wieder wurden jedoch Gegenden bombardiert, in denen sich die Terrormiliz gar nicht aufhält.

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Syrische Stadt Duma: Schutt und Asche
Zahlreiche Hinweise sprechen dafür, dass die Regierung in Moskau vor allem Rebellen der Opposition im Visier hat, um so ihren Verbündeten Baschar al-Assad zu stärken. Nach Angaben der Menschenrechtler starben in den ersten vier Wochen bis zu 600 Menschen, darunter 185 Zivilisten.

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brk/dpa/AFP

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