SPIEGEL ONLINE

Neue Aufnahmen Video zeigt Abwurf von Fassbomben aus syrischem Helikopter

Ein Video aus dem Inneren eines syrischen Militärhubschraubers ist aufgetaucht. Die Aufnahmen zeigen, was das Regime immer wieder vehement abstreitet.

Lautstark rattern über dem Piloten die Rotoren des alten Helikopters. Neben ihm im Cockpit hält der Co-Pilot zwischen den Knien ein Tablet. Auf diesem verfolgt er den Flugverlauf - Hightech ist anders. Mit seinem Handy filmt der Co-Pilot die Szene. Durch das Cockpitfenster sind unter ihnen Ortschaften zu erkennen. Der Helikopter nähert sich seinem Ziel.

Die Handy-Kamera schwenkt ins Hintere des Hubschraubers. Dort sitzen zwei Soldaten mit Metallfässern. "Los geht's!", ruft ihnen einer der beiden Piloten zu. Die Soldaten machen sich daran, die Fässer durch die Heckklappe des Helikopters hinauszurollen und werfen sie dann ab. Der Co-Pilot filmt alles.

Das Video zeigt offenbar den Abwurf der in Syrien berüchtigten Fassbomben: Das Militär von Diktator Baschar al-Assad wirft aus Helikoptern mit Sprengstoff und Metallstücken gefüllte Fässer auf Gegenden, die nicht mehr unter der Kontrolle des Regimes stehen.

Einige Male sind solche Videos aus dem Inneren syrischer Helikopter zwar bereits aufgetaucht: zum Beispiel im Herbst 2012  oder im Januar 2013 . Die Aufnahmen wurden von einem der Soldaten an Bord weitergereicht und fanden ihren Weg ins Netz.

Die Helikoptercrew wurde von Rebellen festgenommen

Dieses Mal soll das Video jedoch nicht geleakt worden sein. Die syrische "Medienkommission", eine Gruppe von Bürgerjournalisten, die das Video veröffentlicht hat, behauptet, der Helikopter sei am 22. März über Dschabal al-Sawija im Nordwesten Syriens von Rebellen abgeschossen worden. So seien ihnen die Aufnahmen in die Hände gefallen.

Nichts spricht gegen die Authentizität der Videoaufnahmen. Ob sich die Ereignisse allerdings tatsächlich genauso zugetragen haben, wie von den Bürgerjournalisten angegeben, lässt sich schwer überprüfen. Allerdings decken sich ihre Angaben mit anderen Berichten.

Am 22. März hatte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Großbritannien berichtet, dass ein Helikopter über Dschabal al-Sawija getroffen worden sei. Mindestens vier Crewmitglieder seien von der radikalislamistischen Nusra-Front festgenommen worden. Sie hatten den Absturz überlebt. Die Informationen der Beobachtungsstelle haben sich als sehr zuverlässig erwiesen.

Auch das syrische Staatsfernsehen bestätigte den Verlust eines Hubschraubers am 22. März über Dschabal al-Sawija. Der Sender berichtete allerdings, der Helikopter sei nicht abgeschossen worden, sondern habe nach technischen Problemen in dem Rebellengebiet notlanden müssen.

Bomben sind die Hauptursache für zivile Opfer in Syrien

Assad hat immer wieder behauptet, sein Militär würde keine Fassbomben abwerfen. Allerdings haben internationale Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International sowie die unabhängige Uno-Kommission für Menschenrechtsverletzungen in Syrien den Einsatz durch die Luftwaffe des Diktators immer wieder dokumentiert.

Paulo Sérgio Pinheiro, Chef der Uno-Untersuchungskommission, sagte im März, dass die wahllosen und unverhältnismäßigen Bombardierungen durch das syrische Regime seit 2012 die Hauptursache seien für zivile Opfer und Vertreibungen in Syrien - nicht der Islamische Staat.

Die selbstgebauten Bomben sind besonders perfide: Wenn sie aufschlagen, explodieren sie in einem Feuerball. Die Metallstücke im Inneren werden in alle Richtungen geschleudert und verursachen schwere Verletzungen. Häufig sterben die Verwundeten sofort, manchmal auch erst nach Tagen. Denn in den Behelfskrankenhäusern in den von der Opposition kontrollierten Gebieten fehlt es oft am Nötigsten.

Dschabal al-Sawija liegt westlich von Aleppo im von den Rebellen kontrollierten Gebiet (grün)

Dschabal al-Sawija liegt westlich von Aleppo im von den Rebellen kontrollierten Gebiet (grün)

Foto: SPIEGEL ONLINE
ras