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27. Oktober 2014, 16:47 Uhr

Syrien-Flüchtlinge

Der Winter kommt

Für Millionen Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak wird sich die Lage in den kommenden Monaten dramatisch verschärfen. Unicef warnt vor einer Jahrhundertkatastrophe.

Berlin - Der Winter rückt näher - und für Millionen Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak wird sich ihre ohnehin schon dramatische Situation weiter verschärfen. Darauf haben das Uno-Kinderhilfswerk Unicef und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) in Berlin hingewiesen. "Wir haben es hier mit einer Jahrhundertkatastrophe zu tun", warnte Müller und forderte mit Blick auf die bevorstehende Flüchtlingskonferenz in Berlin zusätzliche Unterstützung. "Es wird gestorben werden, wenn nicht sofort und entschieden und entschlossen zusätzlich geholfen wird." Christian Schneider, der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, sprach von einem Wettlauf gegen die Zeit.

An diesem Dienstag kommen in Berlin die Vertreter von 40 Staaten und Organisationen zusammen, um über den weiteren Umgang mit den Syrien-Flüchtlingen zu beraten. Müller sieht vor allem die Arabische Liga und die Europäische Union in der Pflicht. So machte sich der CSU-Politiker dafür stark, aus bestehenden EU-Töpfen kurzfristig eine Milliarde Euro bereitzustellen. "Das Geld ist da - man muss nur neue Prioritäten setzen."

Deutschland wird nach Müllers Worten gemeinsam mit Unicef zusätzliche Flüchtlingsunterkünfte im Nordirak errichten. In dem Land seien für den Winter 26 zusätzliche Camps notwendig, von denen aber erst zehn fertig seien. Nach Unicef-Angaben sind mittlerweile sieben Millionen Kinder und Jugendliche auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in Syrien und vor der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

Kurdische Kämpfer wehren weiteren IS-Angriff in Kobane ab

Mehr als 50 Nichtregierungsorganisationen haben in einem gemeinsamen Appell unter anderem eine Verdoppelung der humanitären Finanzhilfen für die Flüchtlinge gefordert. Die westlichen Staaten müssten außerdem mindestens 180.000 weitere Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen. Die Kapazitäten der Nachbarländer seien weitgehend erschöpft.

Im Norden Syriens gehen die Gefechte um die Stadt Kobane derweil unvermindert weiter: Nach eigenen Angaben haben die kurdischen Kämpfer einen weiteren Angriff der IS-Terrormiliz abgewehrt. Die Extremisten hätten den nördlichen Stadtrand von Kobane attackiert, sagte Kurdensprecher Idriss Nassan am Montag. Die USA und ihre Verbündeten hätten ihre Luftangriffe gegen den IS verstärkt, sagte Nassan.

Offenbar können die kurdischen Kämpfer in Kobane sehr bald mit Unterstützung von Peschmerga-Kämpfern aus dem Nordirak rechnen. Nach einem Bericht des kurdischen Portals Rudaw könnte die Verlegung der 150 Kämpfer an diesem Montag stattfinden: Die Kämpfer seien einsatzbereit und mit "den besten neuen amerikanischen Waffen" ausgerüstet, hieß es unter Berufung auf einen Peschmerga-Offizier.

Mehr als 800 Tote bei Kampf um Kobane

Der IS steht den Angaben zufolge nur knapp 700 Meter von dem Grenzübergang zur Türkei entfernt. Sollten die Islamisten den Übergang erobern, könnten weder die Peschmerga-Kämpfer noch Hilfsmittel in die umzingelte Stadt gelangen.

Die Türkei hatte den Peschmerga aus dem Nordirak die Durchquerung der Türkei erlaubt, um den syrischen Kurden beim Verteidigen von Kobane zu helfen. Nach Angaben des von Rudaw zitierten Offiziers stünden nur noch einige technische Fragen dem baldigen Transit der Kämpfer durch die Türkei im Weg.

Die kurdische Enklave Kobane (Arabisch: Ain al-Arab) wird seit Mitte September von den IS-Dschihadisten belagert, nachdem diese zuvor mehrere hundert kurdische Dörfer im Umland erobert hatten. Bei den nunmehr 40-tägigen Kämpfen sind nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle bereits mehr als 800 Menschen getötet worden, 481 Angreifer der IS-Miliz, 302 kurdische Kämpfer, elf Unterstützer der Kurden sowie 21 Zivilisten.

anr/dpa

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