Syrien Frankreich und Großbritannien schließen Militäreinsatz nicht aus

Wird eine westliche Intervention in Syrien wahrscheinlicher? Während der Bürgerkrieg weiter eskaliert, haben sich die Außenminister Frankreichs und Großbritanniens zu Wort gemeldet - und wollen einen Militäreinsatz nicht mehr ausschließen.

Außenminister Hague (GB) und Fabius (F): "Wir schließen keine Option aus"
AFP

Außenminister Hague (GB) und Fabius (F): "Wir schließen keine Option aus"


New York - Die Gewalt in Syrien nimmt Tag für Tag zu, die Kämpfe werden immer blutiger, Zivilisten geraten zwischen die Fronten und werden schwer verletzt oder sterben. Nun schlagen mehr westliche Länder neue Töne gegen den syrischen Diktator an: Frankreich und Großbritannien schließen keine Option aus - auch nicht die einer militärisch erzwungenen Flugverbotszone zum Schutz der Zivilbevölkerung.

Die von der Türkei geforderte Einrichtung von Schutzzonen für Flüchtlinge sei ohne militärisches Eingreifen nicht durchsetzbar und werde daher im Uno-Sicherheitsrat derzeit keine Unterstützung finden, sagte der britische Außenminister William Hague am Donnerstag vor einer Sitzung des Gremiums in New York. "Aber für die Zukunft schließen wir keine Option aus", fügte er hinzu. Sein französischer Kollege Laurent Fabius erklärte, London und Paris seien sich in diesem Punkt "ganz und gar einig".

"Wenn die Kämpfe weitergehen, wird die Zahl der Flüchtlinge unsere Möglichkeiten überschreiten", sagte der stellvertretende Uno-Generalsekretär Jan Eliasson am Donnerstag im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York. "Inzwischen brauchen schon 2,5 Millionen Menschen in Syrien unsere Hilfe. Damit hat sich die Zahl seit März verdoppelt."

Frankreich und Großbritannien forderten deshalb die Weltgemeinschaft zu Spenden für die Menschen in Syrien auf. "Die Situation ist ernst und sie wird immer schlimmer", sagte Fabius bei den Vereinten Nationen. "25.000 Menschen sind tot, 300.000 in die Nachbarländer geflohen, mehr als eine Million im eigenen Land auf der Flucht. Diese Menschen brauchen unsere Hilfe."

Sein britischer Kollege Hague kündigte an, dass Großbritannien drei Millionen Pfund (3,8 Millionen Euro) zusätzlich für die Flüchtlinge Zur Verfügung stellen werde. Zwei Millionen davon sollten der Uno, das letzte Drittel Hilfsorganisationen zugutekommen. Damit erhöhe sich der britische Beitrag auf 30,5 Millionen Pfund.

"Es darf keine Straflosigkeit für die Unterdrückung des eigenen Volkes geben"

Beide Minister warfen dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad erneut vor, für die tödliche Gewalt verantwortlich zu sein. "Assad und seine Helfer müssen sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof verantworten", forderte Fabius. "Ihm und der Welt muss gezeigt werden, dass es keine Straflosigkeit für die Unterdrückung des eigenen Volkes geben darf."

In Teheran meldete sich der neue ägyptische Präsident Mohammed Mursi zu Wort und schlug sich auf die Seite der Aufständischen. Die Unterstützung der Revolution in Syrien sei "eine moralische Pflicht sowie eine politische und strategische Notwendigkeit", sagte Mursi am Donnerstag beim Gipfel der Blockfreien in Teheran.

Den syrischen Machthaber Baschar al-Assad bezeichnete er als Anführer eines Unterdrückerregimes, das jede Legitimität verloren habe. Mursi lobte die "beeindruckende Tapferkeit" der Aufständischen und verglich den Aufstand in Syrien mit der "ägyptischen Revolution" und der Auflehnung der Palästinenser gegen die israelische Besatzung.

Syrische Rebellen hatten am Donnerstag nach eigenen Angaben in der Nähe des Militärflughafens Abu Zhuhur in der Provinz Idlib einen Kampfjet abgeschossen. Eine Videoaufnahme zeigte eine Rauchwolke und dann einen Mann, der an einem Fallschirm zu Boden sinkt. Später wurden dann Bilder von einem am Boden liegenden Piloten mit Fallschirmausrüstung veröffentlicht. Der Pilot wurde offensichtlich nach dem Absprung getötet. Neben ihm waren mehrere Rebellen in Uniform zu sehen. Einige Meter entfernt lag ein zweiter Fallschirm.

cib/dapd/dpa

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Seite 1
topodoro 30.08.2012
1. Wenn Großbritannien und Frankreich Syrien angreifen...
Zitat von sysopAFPWird eine westliche Intervention in Syrien wahrscheinlicher? Während der Bürgerkrieg weiter eskaliert, haben sich die Außenminister Frankreichs und Großbritanniens zu Wort gemeldet - und wollen einen Militäreinsatz nicht mehr ausschließen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853065,00.html
stellt sich die Frage, ob Deutschland dann noch mit diesen Staaten eine militärische Gemeinschaft bilden kann. Ein Angriff Großbritanniens und Frankreich auf Syrien kann das Ende der NATO bedeuten. Deutsche werden sich an diesem Angriffs-Krieg nicht beteiligen. Schon die Vorbereitung und die Unterstützung dazu ist in Deutschland strafbar. Statt die "Aktivisten" der FSA, z. B. wegen der Journalisten Morde zu kritisieren, soll diesen eine "Schutzzone" eingerichtet werden, der als Brückenkopf für Waffenlieferungen dienen soll.
sprechkäs 30.08.2012
2.
Zitat von sysopAFPWird eine westliche Intervention in Syrien wahrscheinlicher? Während der Bürgerkrieg weiter eskaliert, haben sich die Außenminister Frankreichs und Großbritanniens zu Wort gemeldet - und wollen einen Militäreinsatz nicht mehr ausschließen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853065,00.html
Was soll diese ganze Kriegstreiberei? Interessieren uns jetzt wirklich Menschenleben? Wieso handeln oder reden dann nicht genauso in anderen Ländern? Vielleicht weil es vielleicht Schwarze sind? Oder hoffen wir, dass sich das "Problem der Überbevölkerung" dort dann schon von alleine erledigt?
topodoro 30.08.2012
3. Eine von Großbritannien und Frankreich militärisch erzwungenen Flugverbotszone...
Zitat von sysopAFPWird eine westliche Intervention in Syrien wahrscheinlicher? Während der Bürgerkrieg weiter eskaliert, haben sich die Außenminister Frankreichs und Großbritanniens zu Wort gemeldet - und wollen einen Militäreinsatz nicht mehr ausschließen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853065,00.html
in Syrien, ohne UN Sicherheitsratzustimmung, ist ein Angriffskrieg. Das "S300P2" Luftverteidungssystem Syriens ist auf den neuesten Stand, es wird allgemein als besonders "robust" bezeichnet. Das Bedienungspersonal ist russisch. Trotzdem hat die Nato schon am Montag, den 27. August, bei einem Treffen in Brüssel, den Angriff auf Syrien als machbar bezeichnet. Was sagt unser Verteidigungsminister dazu ? Oder wurde er dazu nicht gehört ? Soll Deutschland bei diesem Angriffskrieg mitmachen ?
thinkrice 30.08.2012
4.
Zitat von sysopAFPWird eine westliche Intervention in Syrien wahrscheinlicher? Während der Bürgerkrieg weiter eskaliert, haben sich die Außenminister Frankreichs und Großbritanniens zu Wort gemeldet - und wollen einen Militäreinsatz nicht mehr ausschließen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853065,00.html
Das Frankreich und Großbritannien als ehemalige Kolonial- und Ordnungsmächte im Nahen Osten hoffen mit ihrem Engagement an vergangene glorreiche Zeiten anzuknüpfen scheint nachvollziehbar. Auch die scharfen Worte von Mursi sind nachvollziehbar. Als Kopf der sunnitisch extremistischen Muslimbruderschaft in Ägypten ist es verständlich, dass er den hauptsächlich von der sunnitischen Unterschicht getragenen Aufstand unterstützt und der syrischen Regierung die Legitimation abspricht. Betrachtet man noch die Ursprünge der syrischen Revolution in Hama und Homs, Hochburgen der Muslimbruderschaft, und die Niederschlagung der Muslimbruderschaftsaufständen ~1980 weiß man sofort auf welcher Seite Mursi steht. Seine deutlichen Worte kamen zwar für mich überraschend sind aber verständlich und nachvollziehbar. Ein Beschluss des UN Sicherheitsrates für eine Schutzzone wird es wohl nicht geben. Ob man gegen den Willen von Russland und China intervenieren sollte ist mehr als fraglich. Beide Mächte haben aus Libyen gelernt und werden sich sicherlich nicht noch einmal auf der Nase rumtanzen lassen.
eseelig 31.08.2012
5.
Zitat von sysopAFPWird eine westliche Intervention in Syrien wahrscheinlicher? Während der Bürgerkrieg weiter eskaliert, haben sich die Außenminister Frankreichs und Großbritanniens zu Wort gemeldet - und wollen einen Militäreinsatz nicht mehr ausschließen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853065,00.html
militäreinsatz die gleichen oberscharfmacher wie in libyen gb und frankreich. warum wird mein kommentar immer abgelehnt, ist das wahre so schmerzhaft? "das ganze ist das wahre und das wahre ist werden" hegel.
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