Desertion aus Assads Armee Syrischer General flieht in die Türkei

Hochrangige syrische Militärs sowie Dutzende Soldaten sind ins Nachbarland Türkei desertiert. Nahe Damaskus eskaliert die Gewalt, die Menschen flüchten in Massen. Die EU verschärft die Sanktionen gegen das Assad-Regime.


Ankara - Aus der syrischen Armee setzen sich offenbar immer mehr ranghohe Militärs ab. Nach Angaben des türkischen Staatsfernsehens sind am Montag ein syrischer General, zwei Oberste, zwei Majore und ein Leutnant in die Türkei geflohen. Mit ihnen seien 33 weitere Soldaten übergelaufen. Der türkische Privatsender CNN Türk berichtete zudem, die ranghohen Militärs hätten ihre Familien aus Syrien mitgebracht. Es handle sich daher um insgesamt 224 Flüchtlinge.

Aus den syrischen Streitkräften sind bereits Tausende Soldaten desertiert, die meisten von ihnen sind allerdings Angehörige niedriger Ränge. Die Freie Syrische Armee - ein Zusammenschluss von Rebellentruppen - setzt sich überwiegend aus Deserteuren zusammen. Am Donnerstag war erstmals seit Beginn der Kämpfe ein syrischer Kampfpilot mit seiner Militärmaschine desertiert und ins Nachbarland Jordanien geflogen.

Eine weitere Eskalation der Gewalt wird aus der Damaszener Vorstadt Duma gemeldet: Nach Angaben von Aktivisten hat dort der anhaltende Beschuss der syrischen Regierungstruppen eine Fluchtwelle ausgelöst. Die Oppositionellen veröffentlichten am Montag Bilder im Internet, auf denen schwer beladene Kleinbusse und Autos beim Verlassen des Ortes zu sehen sind. Duma ist eine der Hochburgen des Widerstands gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad.

Heftiger Artilleriebeschuss wurde auch aus Homs und aus Deir al-Sor im Nordosten des Landes gemeldet. Nach Angaben des Lokalen Koordinationskomitees der Opposition wurden allein am Sonntag in Syrien bei Kämpfen und Belagerungen durch Regimetruppen 90 Menschen getötet. Die meisten Opfer gab es demnach in der Provinz Deir al-Sor.

EU verurteilt Abschuss von türkischem Kampfjet

Seit Beginn des Aufstands gegen den syrischen Präsidenten Assad im März 2011 sind nach Uno-Angaben mehr als 10.000 Menschen getötet worden.

Große Sorge herrscht außerdem seit dem Abschuss eines türkischen Kampfjets durch die syrische Armee - die Beziehungen zwischen Ankara und Damaskus sind äußerst gespannt. Die EU-Außenminister verurteilten den Vorfall, riefen aber gleichzeitig die Türkei zur Besonnenheit auf. "Wir sind sehr besorgt über das, was geschehen ist", sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in Luxemburg. Brüssel werde sich aber darum bemühen, dass die Türkei weiter zurückhaltend reagiere.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte, der Abschuss ohne Vorwarnung sei völlig unverhältnismäßig. Doch jetzt komme es auf Deeskalation an. "Wir haben alle ein Interesse daran, dass diese Situation sich nicht weiter zuspitzt", betonte er.

Das Flugzeug war nach Darstellung der Türkei unbewaffnet auf einem Übungsflug. Die Türkei rief die Nato zu einer Beratung auf, weil ihre Sicherheit bedroht sei. Auch will die Regierung in Ankara den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einschalten.

Ministerpräsident Tayyip Erdogan hatte entschlossene Schritte als Reaktion auf den Abschuss angekündigt, sobald alle Fakten bekannt seien. International stieß der Abschuss auf harsche Kritik. Der Zwischenfall könnte die ohnehin angespannten Beziehungen beider Staaten weiter verschlechtern. Das Nato-Mitglied Türkei gehört zu den schärfsten Kritikern des syrischen Präsidenten Assad, seit dieser mit militärischer Gewalt gegen die Opposition in seinem Land vorgeht.

Die EU versucht derweil, Syrien mit verschärften Sanktionen zum Ende der Gewalt zu zwingen. Die EU-Außenminister beschlossen in Luxemburg, eine weitere Führungsperson des Assad-Regimes sowie sechs Organisationen wie Firmen und Verwaltungsbehörden auf die Sanktionsliste zu setzen.

Außenminister Westerwelle kündigte zugleich an, die Suche nach einer politischen Lösung zu verstärken. So werde weiter an einer Uno-Resolution gearbeitet, um den internationalen Druck auf Assad zu erhöhen. Die EU will insbesondere erreichen, dass der Friedensplan des Uno-Sondergesandten Kofi Annan endlich umgesetzt wird. Eine militärische Intervention dafür wurde in Luxemburg aber weiter ausgeschlossen. Das stehe "außer Frage", sagte der niederländische Außenminister Uri Rosenthal.

anr/Reuters/dpa

insgesamt 41 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spon-facebook-1580792693 25.06.2012
1. Super einfache Lösung: Berichterstattung
Die Berichterstattung hier ist sehr einseitig. Es werden offizielle Meldungen der Syrischen Regierung nicht genannt. Auch werden die von russischen Medien gesendeten Meldungen ignoriert. Es kommt mir so vor als würden alle Verbrechen der Türkischen Regierung an Kurden ignoriert. Es reicht jedoch nicht aus gegen eine Militärisches Eingreifen zu stimmen. Es muss zunächst gestoppt werden das Söldner angeheuert werden, die für die Unruhen nachweislich verantwortlich sind. Dann muss aufgeklärt werden wer der Geldgebern dieser Söldner ist. Auch muss die Berichterstattung über Flüchtlinge aus Syrien klar dargestellt werden. Normalerweise kann man Flüchtlinge In Lagern sehen. Ebenso kann man Flüchlinge befragen. Ebenso kann Journalisten nach Damaskus senden, die Regierung dort wünscht das sogar.
Beat Adler 25.06.2012
2. So, so die Soeldner sind Schuld
Zitat von spon-facebook-1580792693Die Berichterstattung hier ist sehr einseitig. Es werden offizielle Meldungen der Syrischen Regierung nicht genannt. Auch werden die von russischen Medien gesendeten Meldungen ignoriert. Es kommt mir so vor als würden alle Verbrechen der Türkischen Regierung an Kurden ignoriert. Es reicht jedoch nicht aus gegen eine Militärisches Eingreifen zu stimmen. Es muss zunächst gestoppt werden das Söldner angeheuert werden, die für die Unruhen nachweislich verantwortlich sind. Dann muss aufgeklärt werden wer der Geldgebern dieser Söldner ist. Auch muss die Berichterstattung über Flüchtlinge aus Syrien klar dargestellt werden. Normalerweise kann man Flüchtlinge In Lagern sehen. Ebenso kann man Flüchlinge befragen. Ebenso kann Journalisten nach Damaskus senden, die Regierung dort wünscht das sogar.
So, so die Soeldner sind Schuld an den Unruhen, sogar nachweislich. Nur gibt es keine solchen Nachweise. Wie bloed aber auch.
canizmirli 25.06.2012
3.
Zitat von spon-facebook-1580792693Die Berichterstattung hier ist sehr einseitig. Es werden offizielle Meldungen der Syrischen Regierung nicht genannt. Auch werden die von russischen Medien gesendeten Meldungen ignoriert. Es kommt mir so vor als würden alle Verbrechen der Türkischen Regierung an Kurden ignoriert. Es reicht jedoch nicht aus gegen eine Militärisches Eingreifen zu stimmen. Es muss zunächst gestoppt werden das Söldner angeheuert werden, die für die Unruhen nachweislich verantwortlich sind. Dann muss aufgeklärt werden wer der Geldgebern dieser Söldner ist. Auch muss die Berichterstattung über Flüchtlinge aus Syrien klar dargestellt werden. Normalerweise kann man Flüchtlinge In Lagern sehen. Ebenso kann man Flüchlinge befragen. Ebenso kann Journalisten nach Damaskus senden, die Regierung dort wünscht das sogar.
Halten sie mal den Ball flach. Was soll das? Sind sie auch einer der für Recht und Ordnung sorgen möchte ohne genaueres zu wissen? Hauptsache gegen Türkei wettern!
pikeaway 25.06.2012
4. Qatar lockt erfolgreich mit Begrüssungsgeld???
Zitat von spon-facebook-1580792693Die Berichterstattung hier ist sehr einseitig. Es werden offizielle Meldungen der Syrischen Regierung nicht genannt. Auch werden die von russischen Medien gesendeten Meldungen ignoriert. Es kommt mir so vor als würden alle Verbrechen der Türkischen Regierung an Kurden ignoriert. Es reicht jedoch nicht aus gegen eine Militärisches Eingreifen zu stimmen. Es muss zunächst gestoppt werden das Söldner angeheuert werden, die für die Unruhen nachweislich verantwortlich sind. Dann muss aufgeklärt werden wer der Geldgebern dieser Söldner ist. Auch muss die Berichterstattung über Flüchtlinge aus Syrien klar dargestellt werden. Normalerweise kann man Flüchtlinge In Lagern sehen. Ebenso kann man Flüchlinge befragen. Ebenso kann Journalisten nach Damaskus senden, die Regierung dort wünscht das sogar.
Wenn es denn stimmen sollte: die friedensstiftende Aktion von Qatar wirkt. Wie hoch ist das Begrüsungsgeld eigentlich? Ist es auf den Dienstrang des Deserteurs angemessen angepasst? Fragen über Fragen. Gestatten Sie aber noch eine Letzte Frage: Wer berichtete in der letzten Woche über Kofi Annans Friedensplan? Meines Wissens waren es im deutschsprachigen Raum nur die Schweizer: "Annan wirbt für Syrien-Konferenz in Genf Der Syrien-Sondergesandte der Uno und der Arabischen Liga, Kofi Annan, hat am Freitag in Genf für ein Treffen der Syrien-Kontaktgruppe auf Ministerebene geworben. An einer gemeinsamen Pressekonferenz.....General Mood, erklärte Annan, dass es für die Staatengemeinschaft höchste Zeit sei, sich vereint für die Umsetzung des Sechspunkteplans einzusetzen, um das Leiden der Zivilbevölkerung zu stoppen und eine Ausweitung der Gewalt auf die Region zu verhindern. "Es könne nicht angehen, dass Staaten, die dem Plan offiziell zugestimmt hätten, dessen Ziele untergrüben. .." Neue Zürcher Zeitung - NZZ.ch...
deepray 25.06.2012
5.
Zitat von spon-facebook-1580792693Die Berichterstattung hier ist sehr einseitig. Es werden offizielle Meldungen der Syrischen Regierung nicht genannt. Auch werden die von russischen Medien gesendeten Meldungen ignoriert. Es kommt mir so vor als würden alle Verbrechen der Türkischen Regierung an Kurden ignoriert. Es reicht jedoch nicht aus gegen eine Militärisches Eingreifen zu stimmen. Es muss zunächst gestoppt werden das Söldner angeheuert werden, die für die Unruhen nachweislich verantwortlich sind. Dann muss aufgeklärt werden wer der Geldgebern dieser Söldner ist. Auch muss die Berichterstattung über Flüchtlinge aus Syrien klar dargestellt werden. Normalerweise kann man Flüchtlinge In Lagern sehen. Ebenso kann man Flüchlinge befragen. Ebenso kann Journalisten nach Damaskus senden, die Regierung dort wünscht das sogar.
Ironischerweise scheint es als würden Sie selbst eine viel getöntere Brille tragen als jene die Sie einer einseitigen Berichterstattung bezichtigen. Schauen Sie meinetwegen Al Jazeera, wo selbst dort soche Verschwörungstheorien keine Basis finden. Desweiteren gibt es gute Gründe warum man Flüchlinge anonymisieren will und nicht in Aufanglagern zur Schau stellt. Wenn Sie nicht nachvollziehen können warum, erübrigt sich eigentlich jede andere Diskussion. Außerdem, was hat dieses Thema mit dem Kurdenkonflikt zu tun? Auch dies scheint aus dem Zauberhut gezogen zu sein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.