Hisbollah-Einsatz in Syrien Die Kesselschlacht von Kusair

Assads Truppen bekommen verstärkt Hilfe von der Hisbollah. Offensiv wie nie zuvor greift die libanesische Schiitenmiliz in den Bürgerkrieg ein. Nun haben israelische Kampfjets einen Waffentransport in Syrien angegriffen - der offenbar an die Hisbollah im Libanon gehen sollte.

Aus Kasar berichtet


Im Frühling ist das Örtchen Kasar im libanesischen Bekaa-Tal ein ländliches Idyll: Vor den Häusern der Bauern spenden alte Weinstöcke Schatten. Rosen gedeihen in der trockenen Hitze des Hochtals prächtig, die Fahrt mit offenen Autofenstern führt durch immer neue Duftwolken. Kasar wäre ein herrliches Ausflugsziel - wäre da nicht der syrische Bürgerkrieg, der das direkt an der Grenze gelegene libanesische Dorf erfasst hat.

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Heft 18/2013
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Alle paar Tage gehen in Kasar Raketensalven aus Syrien nieder, zuletzt kam dabei der 23-jährige Ali Hassan Katai ums Leben. Seine Freunde erklären sich gerne bereit, Besuchern die Spuren des tödlichen Einschlags zeigen. Sie fahren im Geländewagen mit dunkel getönten Scheiben vor. Als einer der Männer den Kofferraum öffnet, zeigt sich, was der Sichtschutz verbergen sollen: Im Heck des SUVs stehen Munitionskisten.

Katais Freunde haben Walkie-Talkies am Gürtel, sie tragen Tarnfleck: Das Dorf Kasar ist fest in Hisbollah-Hand. Die sogenannten Volkskomitees, zu denen sich die jungen Männer hier zusammengetan haben, nehmen ihre Befehle direkt von der Schiitenmiliz entgegen. Die "Partei Gottes" ist es auch, bei der Journalisten, die vor Ort recherchieren wollen, um die entsprechende Erlaubnis bitten müssen. Immerhin verläuft eine der Fronten des syrischen Bürgerkriegs quer durch diesen libanesischen Marktflecken.

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Syrisch-libanesische Grenze: Stadt zwischen den Fronten
Grund dafür, dass der Krieg nach Kasar gekommen ist, ist der etwa 15 Kilometer jenseits der Grenze gelegen syrische Ort Kusair. Nachdem die Truppen des syrischen Regimes Homs und andere aufständische Städte im Westen Syriens zurückerobert haben, ist Kusair die einzige verbliebene Rebellenhochburg nahe der libanesischen Grenze.

Derzeit treibt Damaskus eine Offensive voran, mit der Kusair und die an der libanesischen Grenze gelegenen Bauerndörfer zurückerobert werden sollen. Die Schlinge um den Ort soll langsam zugezogen werden: Vom Norden aus rückt die syrische Armee vor, von Süden bauen Hisbollah-Trupps wie die aus Kasar Druck auf und schneiden die Versorgungslinien ab. Die Rebellen wehren sich, indem sie Kasar bombardieren.

Assads Fall wäre für die Hisbollah eine Katastrophe

Dass Männer der Hisbollah im Kampf um Kusair auf Seiten des syrischen Regimes kämpfen, hatte deren Chef Hassan Nasrallah jetzt in einer am Dienstag ausgestrahlten Fernsehansprache erstmals zugegeben. Es sei "normal", der syrischen Armee jede mögliche und notwendige Hilfe bei ihrem Kampf gegen die "Terroristen" anzubieten, so Nasrallah. Vorgeschobener Grund ist, dass in den syrischen Dörfern rund um Kusair viele Libanesen lebten.

Die Geheimniskrämerei, mit der die libanesische Miliz ihre Verwicklung in den syrischen Konflikt bislang zu vertuschen suchte, ist damit vorbei. Jetzt ist es amtlich, dass die Hisbollah den Sturz des Assad-Regimes auch mit Waffengewalt zu verhindern sucht. Der Fall Assads wäre für die Hisbollah eine Katastrophe, würde sie von Waffenlieferungen abschneiden und ihr politisches Gewicht beschädigen.

Die enge Verbindung zwischen dem Assad-Regime und der Hisbollah sorgt Israel - womöglich könnten auch chemische Kampfstoffe in die Hände von israelfeindlichen Islamisten fallen. Das will die israelische Regierung mit aller Macht unterbinden. Zum zweiten Mal in diesem Jahr flog die Luftwaffe nun einen Angriff, um einen Waffentransport zu verhindern. "Wir werden alles Nötige tun, um die Lieferung von Waffen von Syrien an terroristische Organisationen zu stoppen", zitierte CNN am Samstag einen israelischen Offiziellen. Man habe dies in der Vergangenheit getan und werde es, wenn nötig, auch künftig tun.

Der Hisbollah-Bürgermeister von Kasar macht kein Geheimnis daraus, dass die jungen Männer aus seinem Dorf in Syrien mitmischen. Zwar seien die meisten Kämpfer, die die Miliz nach Syrien schicke, aus dem Südlibanon, aber auch seine Gemeinde habe schon Blutopfer gebracht. "Das Dorf Kouech hat schon drei Märtyrer begraben", sagt Hassan Saitar, der mit Kieferchirurgie sein Geld gemacht hat und vor drei Jahren auf der Hisbollah-Liste zum Bürgermeister von Kasar gewählt wurde. Während er spricht, gehen im Nachbarort sechs Raketen herunter, eine Frau wird verletzt.

"Wir haben diese Front nicht geschaffen, die Front ist zu uns gekommen", sagt Saitar über die Kampfhandlungen zwischen Kasar und Kusair. Tatsächlich ist im Norden des Bekaa-Tals oft gar nicht zu erkennen, wo noch libanesisches, wo schon syrisches Gebiet ist. Eine kleine Brücke über einen Bach, und schon ist man im Bürgerkriegsland.

Am Kiosk in Kasar fährt gerade ein mit Trinkwasserkanistern vollgeladener Pick-up ab. Im Führerhäuschen sitzen syrische Soldaten, die im Libanon Nachschub gekauft haben nun wieder rüberfahren - in einen Krieg, der längst jenseits und diesseits der Grenze stattfindet.

insgesamt 175 Beiträge
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Seite 1
Stabhalter 04.05.2013
1. ja ja
Zitat von sysopAFPAssads Truppen bekommen verstärkt Hilfe von der Hisbollah. Offensiv wie nie zuvor greift die libanesische Schiitenmiliz in den Bürgerkrieg ein. Nun haben israelische Kampfjets einen Waffentransport in Syrien angegriffen - der offenbar an die Hisbollah im Libanon gehen sollte. Syrien: Hisbollah bestätigt Kampf an der Seite von Assad - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-hisbollah-bestaetigt-kampf-an-der-seite-von-assad-a-897756.html)
bin mal gespannt wann der Hosenazug mit den drei Knöpfen aus der Uckermark Truppen nach Syrien schickt.
mehrlicht 04.05.2013
2. Terroristen gegen Terroristen
Zitat von sysopAFPAssads Truppen bekommen verstärkt Hilfe von der Hisbollah. Offensiv wie nie zuvor greift die libanesische Schiitenmiliz in den Bürgerkrieg ein. Nun haben israelische Kampfjets einen Waffentransport in Syrien angegriffen - der offenbar an die Hisbollah im Libanon gehen sollte. Syrien: Hisbollah bestätigt Kampf an der Seite von Assad - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-hisbollah-bestaetigt-kampf-an-der-seite-von-assad-a-897756.html)
Wenn nicht die Zivilbevölkerung leiden würde müsste man es ja begrüssen, wenn Terroristen sich gegenseitig eliminieren. Man sieht wie gefährlich eine Einmischung des Westen in einen religiösen Konflikt vergleichbar mit dem 30-jährigen Krieg ist. Und wir liefern noch Panzer an Saudi-Arabien für den dann bevorstehneden Krieg gegen den Iran.
ein anderer 04.05.2013
3.
Zitat von sysopAFPAssads Truppen bekommen verstärkt Hilfe von der Hisbollah. Offensiv wie nie zuvor greift die libanesische Schiitenmiliz in den Bürgerkrieg ein. Nun haben israelische Kampfjets einen Waffentransport in Syrien angegriffen - der offenbar an die Hisbollah im Libanon gehen sollte. Syrien: Hisbollah bestätigt Kampf an der Seite von Assad - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-hisbollah-bestaetigt-kampf-an-der-seite-von-assad-a-897756.html)
Eine Interessante Wortwahl wenn auf Zivilisten geschossen wird.
stanislaus2 04.05.2013
4. Was denn nun?
"ein mit Trinkwasserkanistern vollgeladener Pick-up ab. Im Führerhäuschen sitzen syrische Soldaten, die im Libanon Nachschub gekauft haben" Offensichtlich haben die Trinkwasser geholt und keinen Nachschub. Aber man sollte beides nicht glauben, bei der aus Syrien gewohnten "Qualität" von Nachrichten.
coz 04.05.2013
5.
Bei den inzwischen schon traditionell eklatanten Fehleinschätzungen deutscher Medien in Sachen arabischer Raum / Nahost (Arabischer "Frühling", Twitter-Facebook-Revolution), die an Naivität, Wunschdenken und Unkenntnis nicht zu überbieten sind, erscheint mir ein Sieg Assads das kleinere Übel, wenn die Hisbollah dabei behilflich ist, auch gut.
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