Nordwesten Syriens Hisbollah und Rebellen handeln Feuerpause aus

Die Islamistengruppe Ahrar al-Scham und die Schiitenmiliz Hisbollah lassen im Nordwesten Syriens offenbar die Waffen ruhen. Die Konfliktparteien haben sich laut Aktivisten auf eine 48-stündige Feuerpause für mehrere umkämpfte Städte geeinigt.

Suche nach Überlebenden in Ost-Ghuta (Archivbild): Amnesty wirft regierungstreuen Truppen Kriegsverbrechen vor
REUTERS

Suche nach Überlebenden in Ost-Ghuta (Archivbild): Amnesty wirft regierungstreuen Truppen Kriegsverbrechen vor


48 Stunden Ruhe für mehrere umkämpfte Städte im Nordwesten Syriens: Islamistische Aufständische und regierungstreue Truppen haben sich nach Angaben von Aktivisten eine Feuerpause vereinbart. Sie soll bereits gelten und habe am Mittwochmorgen um 6 Uhr Ortszeit (5 Uhr MESZ) begonnen. Das meldet der Chef der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Berichte von al-Manar, dem TV-Sender der Hisbollah, bestätigen das.

Demnach gilt die Waffenruhe für die Stadt Sabadani und die Ortschaften Fuaa und Kafraja. Verhandelt haben die mächtige Islamistengruppe Ahrar al-Scham und örtliche Rebellen sowie die Schiitenmiliz Hisbollah, die den syrischen Staatschef Baschar al-Assad unterstützt.

Die Hisbollah hatte im Juli mit Regierungstruppen eine heftige Offensive gestartet, um Sabadani zurückzuerobern. Die schiitischen Dörfer Fuaa und Kafraja in der Provinz Idlib zählen zu den letzten Orten der Region unter der Kontrolle der syrischen Regierung. Als Reaktion auf die Offensive gegen Sabadani wurden sie von dem Rebellenbündnis Armee der Eroberung belagert.

Wie die Beobachtungsstelle berichtet, verhandeln die beiden Konfliktlager derzeit über einen Rückzug der Rebellen aus den Städten. Die Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk von Ärzten und Aktivisten in Syrien. Für Medien sind ihre Angaben kaum zu überprüfen, sie haben sich in der Vergangenheit jedoch als zuverlässig herausgestellt.

Hunger als Kriegswaffe

Amnesty International warf regierungstreuen Truppen derweil Kriegsverbrechen in Ost-Ghuta vor. In der von ihnen belagerten Region unweit der Hauptstadt Damaskus kämpften 163.000 Menschen ums Überleben, erklärte die Menschenrechtsorganisation. Sie litten unter dem Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten sowie regelmäßigen Bombardements. Hunger werde hier als Kriegswaffe eingesetzt.

Amnesty hat nach eigenen Angaben Beweise für Kriegsverbrechen der Regierung in der Region sowie für Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Form von willkürlichen Hinrichtungen. Die Menschenrechtsgruppe warf aber auch der Rebellengruppe Armee des Islam Vergehen vor. Bewohner von Ost-Ghuta hätten berichtet, dass die Aufständischen Lebensmittel horteten und für Entführungen und willkürliche Festnahmen verantwortlich seien.

Ost-Ghuta wird bereits seit zwei Jahren von regierungstreuen Truppen belagert. Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien im März 2011 wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle mehr als 240.000 Menschen getötet.

Karte Syrien (Stand: 07.08.2015)
SPIEGEL ONLINE

Karte Syrien (Stand: 07.08.2015)

vek/AFP/Reuters



insgesamt 16 Beiträge
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redbayer 12.08.2015
1. Seltsame Meldungen
in SPON: "Waffenstillstand" um ein paar Dörfer? In Wirklichkeit geht es um die Besetzung des nördlichen Teils von Syrien durch die Türkei, mit massiver Unterstützung der USA (u.a. Waffen, Ausbilder an Milizen und Luftschläge aus der Türkei).
pandur1234567@yahoo.com 12.08.2015
2.
Vermutlich gäbe es viel weniger Opfer wenn man nicht die Oposition gegen Assad unterstützen würde. Wenn Assad dann verliert wird es zu richtig vielen Exekutionen gegen Alawiten u Christen in der Region kommen. Und der Krieg zwischen den Opositionsgruppen geht weiter. Gut gemacht USA.
Palmstroem 12.08.2015
3. Hizbollah - Iran´s Truppen in Syrien
Assad wäre schon lange Geschichte, hätte der Iran nicht mit der Hizbollah militärisch eingegriffen. Seltsamerweise gibt es daran in deutschen Medien kaum Kritik. Egal ob Irak, Syrien, Libanon, Gaza oder Yemen - wo immer auch der Iran militärisch aktiv ist - man ist auf diesem Auge blind!
ant-ipod 12.08.2015
4. Lieber Pandur1234567
Vermutlich hast Du keine Nachrichten gesehen und das kann ja mal vorkommen. Derzeit werden durch das Regime seit über 4 Jahren so viele Menschen exekutiert, dass selbst vier Kriege Israels mit Syrien (oder umgekehrt) nicht so viele Opfer gefordert und so viele Flüchtlinge produziert haben. Vornehmlich Alawiten (in Form der Schabiha und der Luftwaffe) morden ihre Mitbürger in weitaus verheerenderem Maße - wenn man von nüchternen Zahlen ausgeht - als die Opposition und die Spinner vom IS zusammen. Insofern ist Ihre Befürchtung keine Verschlimmerung der Lage, sondern bestenfalls eine Verschiebung der Opferrolle. Folglich kann ein Erhalt des Massenmörder-Regimes der Assads auch keine Lösung sein, was sicher nicht vorgeschlagen wird, oder? Die USA seien daran schuld? Sind es die USA, die Assad dazu bewegen, seinen politiklosen Machtwillen um jeden Preis mit der Waffe durchzusetzen? Oder helfen ihm Russland und der Iran und China dabei? Exportieren die USA wahabitische Religionsauslegung zu den Spinnern vom IS, oder ist das Saudi-Barbarien... oder (Achtung: Verschwörungstheorie) haben die USA das KSA etwa dazu veranlasst, ihre Religionsauslegung zu exportieren? Immer auf die "bösen USA" zu verweisen, erscheint mir doch viel zu einfach. Es wird Zeit, die Lösung ganzheitlich zu suchen und mit allen Beteiligten an den Verhandlungstisch zu treten, sowie die Verweigerung von Verhandlungen militärisch "teuer" zu machen - vorausgesetzt, man hat ein Interesse am Ende der Gewalt. Hat dies jemand?
Beat Adler 12.08.2015
5. Unterstuetzung Assad
Zitat von pandur1234567@yahoo.comVermutlich gäbe es viel weniger Opfer wenn man nicht die Oposition gegen Assad unterstützen würde. Wenn Assad dann verliert wird es zu richtig vielen Exekutionen gegen Alawiten u Christen in der Region kommen. Und der Krieg zwischen den Opositionsgruppen geht weiter. Gut gemacht USA.
Unterstuetzung der Erbdikatur Assad durch Russland. Warum duerfen die Russen in Syrien keine Luftwaffenbasis benuetzen, um ihrem Schuetzling Assad mit ihrer glorreichen Luftwaffe unter die Arme zu greifen und die Feinde Assads bombardieren? Warum muss das die Anti-IS-Koalition unter Fuehrung der USA tun? mfG Beat
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