Bomben auf Moschee Menschenrechtler werfen USA Fehler bei Luftangriff in Syrien vor

Bei der Bombardierung eines Dorfes nahe Aleppo wurden im März rund 40 Menschen getötet. Die USA hätten den Tod von Zivilisten vermeiden können, kritisieren nun Wissenschaftler und Aktivisten.

Das umstrittene Angriffsziel nahe Aleppo
AFP/ US Department of Defense

Das umstrittene Angriffsziel nahe Aleppo


Die USA haben bei einem Angriff auf die syrische Ortschaft Al-Dschinnah Mitte März nicht die nötigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um zivile Opfer ausschließen zu können. Zu diesem Schluss kommt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) in einem Bericht.

Bei dem Luftschlag wurde ein Gebäude getroffen, in dem Gläubige zum Abendgebet zusammengekommen waren. Es starben rund 40 Menschen. Das Bombardement hatte nach offiziellen Angaben al-Qaida-Kämpfer zum Ziel. Die USA erklärten damals, es habe sich um einen "präzisen Angriff" auf ein zum Teil fertig gebautes Gemeindezentrum gehandelt, in dessen Nähe sich eine Moschee befand.

Human Rights Watch kritisiert nun, die Armee habe ignoriert, dass das Zielgebäude nicht nur als Gemeindetreffpunkt, sondern auch als Moschee genutzt worden sei und dort zum Zeitpunkt des Luftschlags Religionsunterricht stattgefunden habe. Außerdem hat die Menschenrechtsorganisation keine Hinweise darauf gefunden, dass sich Anhänger von al-Qaida oder anderer Terrorgruppen in dem Gotteshaus befunden hätten.

Bei diesem Angriff seien fundamentale Fehler gemacht worden, und "Dutzende Zivilisten haben dafür den Preis gezahlt", sagte der stellvertretende HRW-Direktor für Kriseneinsätze, Ole Solvang. "Die US-Behörden müssen herausfinden, was schiefgelaufen ist", sagte Solvang. Außerdem müsse sichergestellt werden, "dass so etwas nicht wieder passiert".

Der 16-seitige Untersuchungsbericht basiert auf 14 Telefoninterviews mit Zeugen, von denen zur Zeit des Angriffs vier in der Moschee gewesen waren. Darüber hinaus verwendete die Menschenrechtsorganisation Material des Recherchekollektivs Bellingcat und der Forschergruppe Forensic Architecture der Londonder Goldsmith University, die jeweils unabhängig voneinander den Angriff untersuchten.

dop

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