Kampf gegen Terrormiliz IS verliert Großteil seiner letzten Bastion in Ostsyrien

Bis auf wenige Meter haben Truppen der Anti-IS-Koalition die Terroristenmiliz "Islamischer Staat" im Osten Syriens zurückgedrängt. Der IS schickt Selbstmordattentäter in den Kampf.
Baghus, Ostsyrien

Baghus, Ostsyrien

Foto: Uncredited/ dpa

Wenige Tage nach Beginn einer Offensive haben Truppen unter kurdischer Führung den größten Teil der letzten IS-Bastion in Syrien eingenommen. Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) verschanzten sich in dem Ort Baghus noch in Lagern, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Der IS stehe kurz vor dem Zusammenbruch. Die Extremisten versuchten nun, sich unter Zivilisten zu verstecken.

Es gebe heftige Gefechte und die in Tunneln verschanzte Extremistengruppe setze Selbstmordattentäter ein, darunter auch Frauen, sagte ein Sprecher der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Die SDF kämpfen mit Unterstützung der internationalen Anti-IS-Koalition seit Samstag in einer "finalen Offensive" gegen die Terrormiliz.

Truppen kämpfen gegen starken Widerstand

"Es gibt starken Widerstand", sagte der SDF-Sprecher Adnan Afrin. Die letzten IS-Kämpfer kontrollierten noch einen Quadratkilometer Häuser sowie ein Lager im Süden von Baghus. Sie gingen noch von rund tausend Kämpfern und Kämpferinnen aus, die in dem Dorf am Euphrat verschanzt seien, sagte der Sprecher des kurdisch-arabischen Bündnisses.

"Es gibt viele Tunnel in Baghus. Daher verzögert sich der Einsatz", erklärte er. Auch würden viele Selbstmordattentäter die SDF-Kräfte mit Fahrzeugen und Motorrädern angreifen, die mit Sprengstoff präpariert seien. Allein am Dienstag hätten sich zwei Frauen in die Luft gesprengt. In Baghus seien vor allem noch ausländische Dschihadisten, wobei Iraker das Kommando führten.

Zehntausende Menschen sind seit Beginn der SDF-Offensive im September aus der letzten IS-Bastion im Euphrattal geflohen, darunter mehrere Tausend Kämpfer. In den vergangenen Tagen ergaben sich zahlreiche, oft ausgehungerte IS-Kämpfer mit ihren Familien, doch gab es auch wiederholt Gegenangriffe, welche die SDF-Truppen zurückwarfen. Bei den Angriffen kamen auch mehrere Zivilisten ums Leben, wie Aktivisten im Gebiet berichteten.

Der IS hatte 2014 den Höhepunkt seiner Macht erreicht. Damals kontrollierten die Dschihadisten ein Gebiet, das sich über große Teile Syriens und des Iraks erstreckte. Mittlerweile sind IS-Anhänger auch in anderen Ländern aktiv, etwa Libyen oder Afghanistan.

Von der Leyen: "Wir wissen, dass der IS nicht geschlagen ist"

Der amerikanische Präsident Donald Trump hält den Kampf für fast beendet - und begründet damit seinen geplanten Truppenabzug. Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht das anders: "Wir wissen, dass der IS nicht geschlagen ist, aber dass er sein Gesicht, seine Vorgehensweise verändert", sagte die CDU-Politikerin vor der Münchner Sicherheitskonferenz.

mfh/AFP/dpa
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