Öffentliche Enthauptungen IS-Terroristen ermorden Assad-Getreue in Palmyra

In der syrischen Stadt Palmyra herrscht jetzt die Terrormiliz "Islamischer Staat". Systematisch werden Anhänger von Diktator Assad aufgespürt und ermordet. Im Ort gilt eine Ausgangssperre, Frauen müssen sich verhüllen.
Palmyra: Die syrische Stadt ist jetzt in der Gewalt des IS

Palmyra: Die syrische Stadt ist jetzt in der Gewalt des IS

Foto: AP/ SANA

Seit Mittwoch herrscht der "Islamische Staat" (IS) in Palmyra - nun werden Details aus der besetzten syrischen Stadt bekannt. Wie die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf Aktivisten meldet, machen die IS-Kämpfer Jagd auf Soldaten und Getreue von Diktator Baschar al-Assad. Es soll zu zahlreichen Morden gekommen sein, von bis zu 280 Toten ist die Rede.

Meldungen aus Syrien sind derzeit nicht unabhängig zu verifizieren. Journalisten können in dem Bürgerkriegsland kaum arbeiten, die meisten Berichte basieren daher auf Eindrücken von Augenzeugen.

Laut der AP-Meldung verlässt sich die Miliz bei ihrer Fahndung auf Informanten in der Bevölkerung, die gezielt Menschen mit Assad-Verbindungen denunzieren. Es soll zu Erschießungen und Enthauptungen gekommen sein, hieß es weiter.

Der IS verfolgte schon bei Eroberungen in der Vergangenheit eine ähnliche Strategie. Die grausamen Tötungen werden als Warnung an die Bevölkerung eingesetzt und teilweise auch über die PR-Kanäle der Terroristengruppe weiterverbreitet.

Per Lautsprecher wurden die Menschen in Palmyra davor gewarnt, Assad-Anhänger zu verstecken. Von 17 Uhr bis Sonnenaufgang gilt eine Ausgangssperre, zudem wurden Frauen angewiesen, ihre Gesichter zu verschleiern. Verstöße würden brutal geahndet.

Gebietsverteilung in Syrien (Stand 21. Mai 2015)

Gebietsverteilung in Syrien (Stand 21. Mai 2015)

Foto: SPIEGEL ONLINE

Die Menschen in Palmyra haben in den vergangenen vier Jahren unter den Folgen den Bürgerkriegs und der harten Hand von Machthaber Assad gelitten. Nach dem Einmarsch spielen sich die Mitglieder der Terrormiliz nun als Befreier auf. So haben sie laut einem Aktivisten vor Ort bereits versprochen, die Strom- und Wasserversorgung in Palmyra wiederherzustellen - sobald die Stadt von den Assad-Anhängern "gesäubert" sei.

Auch der Uno-Sicherheitsrat hat sich besorgt über das Schicksal Tausender Bewohner in Palmyra gezeigt. Vor allem die Lage von Frauen und Kindern sei alarmierend, hieß es am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung der 15 Mitglieder des Sicherheitsrats. Fliehenden Zivilisten müsse Sicherheit gewährt werden, so die Uno weiter. Es sei vor allem Aufgabe der syrischen Behörden, die Bevölkerung zu schützen.

Seit der Eroberung von Palmyra herrscht der IS über mehr als 50 Prozent des syrischen Staatsgebiets. Auch wenn es sich dabei zum großen Teil um Wüste handelt, geht von dieser Zahl eine erhebliche Symbolwirkung aus (mehr zur Strategie des IS lesen Sie hier im neuen SPIEGEL).

Schwarze Flagge über antiken Bauten

Von der Situation der Menschen einmal abgesehen, herrscht auch Sorge um die antiken Stätten in Palmyra. Diese sind rund 2000 Jahre alt, sehr gut erhalten und zählen deshalb zum Welterbe der Unesco (alle Infos zur Bedeutung von Palmyra finden Sie hier). In der Vergangenheit hatten Kämpfer des IS wiederholt Kulturschätze zerstört, etwa die jahrtausendealten Ruinen in der irakischen Stadt Hatra.

Zwar sind mit dem Rest der Stadt auch die archäologischen Stätten in die Hände des "Islamischen Staates" gefallen. Aus Palmyra gibt es allerdings noch keine Meldungen über Zerstörungen. Vorerst belassen es die Extremisten offenbar bei symbolischen Aktionen: Über den antiken Stätten haben sie ihre schwarze Fahne gehisst.

jok/AP/dpa
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