Krieg in Syrien Kinder bei Fassbomben-Angriff auf Aleppo getötet

Die syrische Armee attackiert den Osten Aleppos mit Raketen, Fassbomben und Artilleriefeuer. Am Wochenende kamen Dutzende Menschen ums Leben. Einen Vorschlag der Uno zur Schlichtung lehnte das Regime ab.

REUTERS

Bei den schweren Kämpfen in der syrischen Stadt Aleppo sind am Wochenende mindestens elf Kinder ums Leben gekommen. Sieben von ihnen starben durch Granaten, die von Aufständischen am Sonntag abgefeuert wurden und eine Schule trafen, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

In der Nacht seien sechs Mitglieder einer Familie getötet worden, als Regime-Helikopter Fassbomben über dem von Rebellen gehaltenen Ostteil der Stadt abwarfen - dort kamen vier Kinder ums Leben. Auch die Weißhelme in Syrien berichten von Gasangriffen, denen Kinder zum Opfer gefallen sind.

Seit Dienstag geht das syrische Regime unter Hilfe von Russland mit massiven Luftschlägen gegen die Rebellen im Ostteil Aleppos vor. Die syrische Armee attackiert den Osten der Stadt dabei mit Raketen, Fassbomben und Artilleriefeuer. Laut einer ersten Bilanz der Beobachtungsstelle mit Sitz in Großbritannien, die sich auf ein dichtes Netzwerk von Informanten in Syrien stützt, wurden seitdem mindestens 103 Zivilisten getötet.

Allein am Samstag waren bei den Bombardements nach Angaben von Aktivisten mindestens 27 Menschen ums Leben gekommen. Zudem wurden mehrere Krankenhäuser getroffen, die einzige Kinderklinik musste nach Angaben der Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen wegen der Beschädigungen ihren Betrieb einstellen. Das Vorgehen des Regimes sorgte international für Wut und Entsetzen.

Für die etwa 250.000 Menschen, die in Aleppo eingekesselt sind, wird die Situation nicht nur wegen der Granateneinschläge immer gefährlicher. Nach Berichten der Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen gibt es nicht mehr ausreichend Hilfslieferungen mit Nahrungsmitteln; auch die Versorgung mit sauberem Wasser und Medizin kann kaum aufrechterhalten werden.

Länger als 20 Tage würden die Menschen dort so nicht mehr überleben können, sie drohten zu verhungern, heißt es in einem drastischen Bericht in der "Washington Post". Etwa 100.000 der eingeschlossenen Zivilisten sind Kinder.

Weißhelme retten ein Kind aus Trümmern in Aleppo
DPA

Weißhelme retten ein Kind aus Trümmern in Aleppo

Am Sonntag traf der Uno-Sondergesandte Staffan de Mistura in der syrischen Hauptstadt Damaskus ein. Um die Lage in Aleppo zu beruhigen, plädiert de Mistura dafür, dass sich die extremistischen Kämpfer der ehemaligen al-Nusra-Front aus dem Ostteil der Stadt zurückziehen sollen. Die gemäßigte Opposition soll die Viertel demnach weiter kontrollieren, die syrische Armee im Gegenzug nicht einmarschieren und ihre Angriffe stoppen.

Dem Vorschlag hat der syrische Außenminister Walid al-Moalem eine deutliche Abfuhr erteilt. "Das greift unsere Souveränität an", sagte Moalem in einer Videokonferenz mit Mistura.

Mistura bei seiner Ankunft in Damaskus
AFP

Mistura bei seiner Ankunft in Damaskus

vks/Reuters/dpa



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