Konferenz in Wien Iran beteiligt sich an Syrien-Gesprächen

Neuer Kurs in der internationalen Syrien-Politik: Erstmals beteiligt sich Iran an den länderübergreifenden Beratungen. Teheran schickt seinen Außenminister zur Konferenz nach Wien.
Außenminister Sarif: Teilnahme an Syrien-Konferenz in Wien

Außenminister Sarif: Teilnahme an Syrien-Konferenz in Wien

Foto: Ebrahim Noroozi/ AP/dpa

Die Syrien-Konferenz in Wien wird zum großen Treffen zahlreicher Außenminister und Landesvertreter. Neben US-Außenminister John Kerry kündigten auch Vertreter Saudi-Arabiens, der Türkei, des Irak und Ägyptens ihre Teilnahme an. Zum ersten Mal wurde auch Iran in die diplomatischen Bemühungen um eine politische Lösung des Bürgerkriegs eingebunden. Außenminister Mohammad Jawad Zarif werde nach Wien reisen, berichtete die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Isna.

Iran dürfte in den Verhandlungen eine wichtige Rolle zukommen, weil die Regierung in Teheran zusammen mit Russland der wichtigste Verbündete des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad ist. So kämpfen Iraner in Syrien gegen Aufständische. Die russische Luftwaffe fliegt seit Ende September Luftangriffe gegen Rebellen.

Russland nimmt ebenfalls an der Konferenz in Wien teil, ebenso wie Deutschland, Frankreich und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Ob auch Einladungen an die syrische Regierung und die Opposition verschickt wurden, ist noch unklar.

Die syrische Auslandsopposition äußerte sich über die geplante Teilnahme Irans skeptisch. Das einzige Ziel der Islamischen Republik sei, Assad im Amt zu halten, sagte der Vizepräsident der Nationalen Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte, Hischam Marwa. Seine Gruppe hat aber nur geringen Einfluss auf die Rebellen im Land, bei denen es sich in vielen Fällen um radikale Sunniten handelt. Kritiker werfen ihnen vor, von Saudi-Arabien und Katar gesteuert zu werden.

Kehrtwende in Washington und Riad

Assad gehört der Minderheit der Alawiten an, einer schiitischen Glaubensrichtung. Dies ist ein Grund, warum ihn schiitisch geführte Regierungen in Bagdad und Teheran unterstützen. Dagegen verlangt das streng sunnitische Saudi-Arabien den Rücktritt Assads.

Angesichts der Flüchtlingskrise sucht die internationale Gemeinschaft intensiver denn je nach einer Lösung im Syrienkonflikt. Der Krisengipfel in Wien folgt auf Vierergespräche am vergangenen Freitag, an denen Russlands Außenminister Sergej Lawrow, US-Außenminister John Kerry, der türkische Ressortchef Feridun Sinirlioglu und Saudi-Arabiens Außenminister Adel bin Ahmed Al-Jubeir teilgenommen hatten. Das Treffen war ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen.

Am Donnerstagabend kommen die vier Minister erneut in Wien zusammen. Am Freitag soll dann in größerer Runde beraten werden.

Die USA und Saudi-Arabien hatten sich lange gegen eine Beteiligung Teherans gesperrt. Auch bei den Syrien-Konferenzen in Genf 2012 und 2014 saß kein iranischer Vertreter mit am Tisch. Russland fordert schon seit Langem, Iran in die Verhandlungen einzubeziehen. Am Dienstag vollzogen die USA dann eine Kehrtwende und zeigten sich offen für eine Beteiligung Teherans.

ler/dpa/Reuters/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.