Syrien-Konferenz Kriegsparteien schweigen bei erstem Zusammentreffen

Am Samstag haben sich Unterhändler der syrischen Bürgerkriegsparteien am Rande der Uno-Friedenskonferenz in Genf getroffen. Angesichts der blutigen Kämpfe in Syrien werten Beobachter die Zusammenkunft bereits als Erfolg - obwohl sich die Parteien eisern anschwiegen.

Außenminister al-Muallim, Delegierte der Opposition: Treffen im selben Raum
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Außenminister al-Muallim, Delegierte der Opposition: Treffen im selben Raum


Genf - Bei der Friedenskonferenz in Syrien hat es am Samstag ein erstes direktes Treffen der Konfliktparteien gegeben. Vertreter der beiden syrischen Delegationen seien mit dem internationalen Sondergesandten Lakhdar Brahimi zusammengekommen, sagte Brahimis Sprecherin Corinne Momal Vanian. Das Treffen in einem Saal am Uno-Sitz in Genf fand hinter verschlossenen Türen statt. Allerdings berichteten Vertreter beider Seiten anschließend übereinstimmend, bei dem Treffen habe nur Uno-Vermittler Lakhdar Brahimi das Wort ergriffen. Dagegen hätten die Delegierten von Regierung und Opposition eine halbe Stunde lang nur eisig geschwiegen.

Brahimi betonte nach Angaben aus Delegationskreisen, Ziel der Verhandlungen sei es, den seit fast drei Jahren andauernden blutigen Konflikt in Syrien zu beenden. Außerdem wies Brahimi erneut darauf hin, dass die sogenannte Genf-1-Vereinbarung die Grundlage der Gespräche sein wird. Diese Vereinbarung vom Juni 2012 sieht auch die Bildung einer Übergangsregierung unter Beteiligung der Opposition vor.

Eine Waffenruhe in Homs soll das erste Thema sein, über das konkret verhandelt wird. Das Mitglied der Oppositionsdelegation Anas al-Abde sagte, der Vorschlag der Opposition zu Homs beinhalte eine ein bis zwei Wochen lange Waffenruhe in der Stadt. Während dieser Zeit soll die Bevölkerung Hilfslieferungen erhalten. Sollte alles gut laufen, könnte die Waffenruhe später auf die komplette Provinz Homs ausgeweitet werden, fügte der Oppositionspolitiker hinzu.

Brahimi hatte am Freitag nach getrennten Gesprächen mit beiden Seiten angekündigt, "dass wir uns morgen im selben Raum treffen".

Direkte Verhandlungen von Vertretern des syrischen Machthabers Baschar al-Assad und des Oppositionsbündnisses Nationale Koalition können als erster Teilerfolg für die am Mittwoch in der Schweiz gestartete Friedenskonferenz betrachtet werden. Ein Treffen im selben Raum war ursprünglich bereits für Freitag geplant gewesen, musste aber in letzter Minute verschoben werden.

Die oppositionelle Nationale Koalition hatte verlangt, dass die Regierungsvertreter zuvor die Bildung einer Übergangsregierung ohne Assad akzeptieren. Außenminister Walid al-Muallim drohte daraufhin mit dem Rückzug von den Friedensgesprächen. Ob die Opposition ihre Vorbedingung nun fallenließ, blieb unklar.

Ziel der Konferenz ist es, einen Ausweg aus dem Bürgerkrieg in Syrien aufzuzeigen. In dem seit Frühjahr 2011 tobenden Bürgerkrieg wurden bisher mehr als 130.000 Menschen getötet. Mehrere Millionen Menschen wurden aus ihren Wohnorten vertrieben. Seit einigen Wochen liefern sich auch rivalisierende Rebellengruppen heftige Gefechte, bei denen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte seit dem 3. Januar fast 1400 Kämpfer getötet wurden.

mik/afp/dpa

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Seite 1
redbayer 25.01.2014
1. Das Schweigen
der Kriegsparteien lässt sich gut nach nachvollziehen. Was soll man auch sagen zu dem üblichen "Schwachsinn" der dort beteiligten Vermittler. Interessant wäre, die angereisten Syrer gleich zu verhaften und an das Kriegsverbrecher Tribunal zu überstellen. Das wird man aber jetzt noch nicht wollen, solange Assad nicht bei der Delegation ist.
topodoro 25.01.2014
2. Welche der angereisten Syrer wollen Sie denn verhaften lassen ?
Welche der angereisten Syrer wollen Sie denn verhaften lassen ? Die Delegation der "Freunden Syriens" oder die Delegation der syrischen Regierung ? Und wer soll sie verhaften ? Und warum sollen sie verhaftet werden ? Wer wurde wo angeklagt ? Sollen Menschen ohne Anklage verhaftet werden ? So wie die Menschen in Guantanamo ? Ist das Ihre Vision ? Stehen Sie noch auf dem Boden unserer Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung ?
karlomari 25.01.2014
3. Das sind ja nicht mal Syrier
Zitat von redbayerder Kriegsparteien lässt sich gut nach nachvollziehen. Was soll man auch sagen zu dem üblichen "Schwachsinn" der dort beteiligten Vermittler. Interessant wäre, die angereisten Syrer gleich zu verhaften und an das Kriegsverbrecher Tribunal zu überstellen. Das wird man aber jetzt noch nicht wollen, solange Assad nicht bei der Delegation ist.
Meinen Sie den im Artikel erwähnten Anas Al Abde vielleicht? "Anas Al Abda was born in Damascus 1967. He studied Geology at the University of Yarmouk, Jordan. He has an MA in Geophysics. He, later on, moved to Britain and worked in IT Management. Mr Abda founded Justice and Building Movement in the UK, which is an opposition movement against Assad's regime. He was head of Damascus Declaration Group in the diaspora." Der Mann kennt Syrien nur vom Hörensagen. Und er ist keine Einzelfall beim NSC, http://www.etilaf.org/en/ Aber im Prinzip haben Sie Recht. Jeder der Terroristen unterstützt sollte vor Gericht. Und davon sitzen noch so einige dort in Genf auch noch aus anderen Ländern. Es gab mal eine Proklamation vom US Kongress aus dem Jahre 2001 zum Thema Terror und der beinhaltet: "Wir werden die Staaten verfolgen, die dem Terrorismus Hilfe zur Verfügung stellen oder ihm einen sicheren Hafen bieten. Jedes Land in jeder Region muss sich jetzt entscheiden" komischerweise aber gilt das nicht für den Partner Saudi Arabien, der sogar selbst von den USA als "Geldmaschine des sunnitischen Terrorismus" eingestuft wurde. Eine Einstufung, welche die explosionsartige Ausbreitung sunnitischer Terrororganisationen in der Welt erklärt.
recepcik 25.01.2014
4. Kriegsverbrecher sind die Unterstützer der Terroristen
eine Partei in Holland hat sogar die Türkei dort schon angezeigt. Die haben ja auch zwei Tage vor der Konferenz drei LKW mit Waffen in Begleitung von Geheimdienst MIT losgeschickt.
Ernst August 25.01.2014
5.
Zitat von topodoroWelche der angereisten Syrer wollen Sie denn verhaften lassen ? Die Delegation der "Freunden Syriens" oder die Delegation der syrischen Regierung ? Und wer soll sie verhaften ? Und warum sollen sie verhaftet werden ? Wer wurde wo angeklagt ? Sollen Menschen ohne Anklage verhaftet werden ? So wie die Menschen in Guantanamo ? Ist das Ihre Vision ? Stehen Sie noch auf dem Boden unserer Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung ?
Er ist doch ein Bayer - haben sie das nicht bemerkt?
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