Syrien-Konflikt Arabische Liga zerstritten über US-Militärschlag

Die Arabische Liga ist über einen Militärschlag gegen Syrien tief gespalten. Bei einer Konferenz der Liga-Außenminister lehnten Staaten wie Ägypten und Algerien eine Intervention der USA klar ab. Saudi Arabien kann sich einen amerikanischen Einsatz hingegen vorstellen.

Leerer Sitz des syrischen Außenministers: Arabische Liga uneins
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Leerer Sitz des syrischen Außenministers: Arabische Liga uneins


Kairo - Tagelang hatten US-Diplomaten auf die arabischen Staatschefs eingewirkt, um für eine mögliche militärische Aktion zu werben. Bei der Konferenz der arabischen Außenminister Sonntagabend in Kairo war der Syrien-Konflikt wichtigstes Thema - und die 22 arabischen Staaten zeigten sich uneins.

Die Außenminister Ägyptens und Algeriens forderten, eine Militärintervention in Syrien dürfe es nur mit einem Mandat der Vereinten Nationen geben. Sie appellierten zudem an die USA, den Bericht der Chemiewaffen-Experten abzuwarten, die den Einsatz von Giftgas im Umland von Damaskus untersucht hatten.

Zwar verabschiedeten die Liga-Außenminister eine gemeinsame Erklärung, die den Einsatz von Chemiewaffen im syrischen Bürgerkrieg scharf verurteilten. Welche Konsequenzen daraus zu ziehen seien, blieb in der Abschlusserklärung des Treffens jedoch unklar.

Die Minister appellierten lediglich an die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft, dieses Verbrechen nicht ungesühnt zu lassen, "für das das syrische Regime die Verantwortung trägt". Die Schuldigen sollten sich vor einem internationalen Gericht verantworten müssen. Eine neue arabische Friedensinitiative sei nicht geplant, hatte der ägyptische Außenminister Nabil Fahmi zuvor erklärt.

Die Minister entsprachen nicht dem Wunsch des Vorsitzenden des Bündnisses der syrischen Opposition, Ahmed al-Dscharba, die Pläne der USA für ein militärisches Eingreifen zu unterstützen. Al-Dscharba erklärte, es sei falsch, diese Pläne mit Verweis auf die angeblich dadurch verletzte Souveränität Syriens abzulehnen. Schließlich habe Präsident Baschar al-Assad der Einmischung von Außen längst Tür und Tor geöffnet, indem er sich Unterstützung beim Iran geholt habe, bei der libanesischen Hisbollah-Miliz und bei extremistischen Milizen aus dem Irak.

Saudischer Außenminister verteidigt geplanten US-Militärschlag

Der saudische Außenminister zeigte sich gegenüber einem militärischen Einsatz der USA deutlich weniger ablehnend. Prinz Saud al-Faisal betonte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz, der von US-Präsident Barack Obama geplante Militärschlag gegen das syrische Regime sei nicht mit den Interventionen im Irak oder in Afghanistan zu vergleichen. "Es wird diesmal keine Bodentruppen geben, sondern nur Raketenangriffe", so der Prinz. Saudi-Arabien werde "alles unterstützen, was der Wille des syrischen Volkes ist".

Der Uno-Sicherheitsrat ist in der Syrien-Frage gespalten. Mehrere Entwürfe für Resolutionen gegen Syrien waren durch das Veto Russlands und Chinas zu Fall gebracht worden. Am Samstag hatten die Uno-Experten Syrien verlassen, die nahe Damaskus nach Beweisen für den Einsatz von Chemiewaffen gesucht haben.

lei/dpa

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yournightmare 01.09.2013
1.
Ägypten scheint Russland und China mehr zu vertrauen als USA. Deswegen auch der Aufruf nichts ohne UNO-Mandat zu unternehmen. Die zählen auf die einzigen zwei verbliebenen Veto-Mächte, die immer noch Verantwortung übernehmen. Die anderen drei scheinen nicht zu wissen, was Verantwortung überhaupt bedeutet.
Atheist_Crusader 01.09.2013
2.
Zitat von sysopDPADie Arabische Liga ist über einen Militärschlag gegen Syrien tief gespalten. Bei einer Konferenz der Liga-Außenminister lehnten Staaten wie Ägypten und Algerien eine Intervention der USA klar ab. Saudi Arabien kann sich einen amerikanischen Einsatz hingegen vorstellen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-konflikt-arabische-liga-uneins-ueber-militaerschlag-a-919779.html
Wenig überraschend. Die Saudis tragen eine wesentliche Schuld an der Eskalation des Krieges. Ob sie tatsächlich mit angestoßen haben, ist fraglich, dass sie ihn schamlos für ihre Zwecke mißbrauchen hingegen nicht. Der Iran ist ihr Feind, nicht nur konfessionell, sondern auch machtpolitisch. Und es wundert auch nicht, dass die Nordafrikaner das etwas anders sehen. Die sind zwar auch mehrheitlich Sunniten, aber die blicken sicher auch nicht gern in eine Zukunft, in der die Saudis die arabische Halbinsel ohne ernsthafte Opposition kontrollieren. Dann können sie ihre eigene Unabhängigkeit langfristig nämlich auch in den Wind schreiben. So wie Saudi-Arabien dem Willen seines eigenen Volks gehorcht. Dass das Volk zu blöd ist die richtigen Dinge zu wollen - dafür können die al-Sauds ja nun auch nichts.
kölschejung72 01.09.2013
3. Vor Tagen
berichtete SPON noch, dass die Arabische Liga für einen Militärschlag sei. Da sollte Meinung gemacht werden. Jetzt zeigt sich, dass auch der Bericht über die Zustimmung der arabischen Liga gelogen war.
Stauss2 01.09.2013
4. Die Taktgeber der
"Tagelang hatten US-Diplomaten auf die arabischen Staatschefs eingewirkt, um für eine mögliche militärische Aktion zu werben." Die Hofhunde der USA treffen sich zum gemeinsamen Gebell. Wenn sie brav sind, gibt´s ein Fresschen.
kuac 01.09.2013
5.
Zitat von sysopDPADie Arabische Liga ist über einen Militärschlag gegen Syrien tief gespalten. Bei einer Konferenz der Liga-Außenminister lehnten Staaten wie Ägypten und Algerien eine Intervention der USA klar ab. Saudi Arabien kann sich einen amerikanischen Einsatz hingegen vorstellen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-konflikt-arabische-liga-uneins-ueber-militaerschlag-a-919779.html
ist SA nicht selbst ein Terrorstaat? Menschen steinigen, Hände abhacken und keine Demokratie. Hinzukommt Export und Finanzierung von Islamischen Fundamentalismus. Sie USA sollten erstmal in SA Demokratie einführen.
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