Syrien-Konflikt TV-Schlacht zwischen Obama und Assad in den USA

Er hält eine Ansprache an die Nation, er gibt sechs TV-Interviews. US-Präsident Barack Obama will für einen Militärschlag gegen Syriens Regime werben. In der heißen Phase hält Baschar al-Assad im US-Sender CBS dagegen - und droht mit Vergeltung.

Baschar al-Assad in Damaskus (Archivbild): Interview im US-Fernsehen
AFP/ HO/ SANA

Baschar al-Assad in Damaskus (Archivbild): Interview im US-Fernsehen


Washington - Die Debatte über eine mögliche Intervention in Syrien wird auch von einem Kampf um die Deutungshoheit begleitet. Während US-Präsident Barack Obama versucht, seine Landsleute von der Notwendigkeit eines Militärschlags gegen das Assad-Regime zu überzeugen, hat nun ausgerechnet der syrische Machthaber dem US-Sender CBS ein Interview gegeben.

"Es gibt keine Beweise, dass ich Chemiewaffen gegen mein eigenes Volk eingesetzt habe", sagte Baschar al-Assad nach Angaben des US-Fernsehsenders. Es gebe keine gesicherten Hinweise, dass überhaupt ein derartiger Angriff stattgefunden habe.

Mit dieser Ansicht steht Assad jedoch ziemlich allein da. Internationalen Experten zufolge gilt es als gesichert, dass am 21. August östlich von Damaskus Chemiewaffen eingesetzt wurden. Und die meisten westlichen Nationen - allen voran die USA - machen die syrische Regierung dafür verantwortlich. Das Regime wiederum weist den Rebellen die Schuld zu.

Das Interview mit Assad fand laut CBS in Damaskus statt und soll am Montag ausgestrahlt werden. Es ist der nächste Schachzug in Syriens Propaganda-Offensive. In dem Gespräch deutet der syrische Machthaber an, dass es im Falle eines Angriffs zu einem Gegenschlag seiner Verbündeten kommen könnte.

An der Seite Assads kämpft unter anderem die Schiitenmiliz Hisbollah aus dem Libanon. Auch Iran hatte den USA anfangs massiv gedroht, inzwischen aber zurückhaltendere Töne angeschlagen.

Einzelgespräche mit Abgeordneten

Ein US-Militärschlag könne zudem sein Militär so schwächen, dass das Gleichgewicht im Bürgerkrieg kippen würde, sagte Assad - offenbar eine Anspielung auf die Ängste vieler Amerikaner, dass eine US-Intervention auch Islamisten und erklärte US-Feinde stärken könnte, die in den Reihen der syrischen Opposition kämpfen.

Laut dem Weißen Haus plant Obama am Montag Interviews mit sechs großen Fernsehsendern, ehe er sich am Dienstagabend in einer Rede an die Nation wenden will. Aktuellen Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der Bevölkerung einen Militärschlag derzeit ab. Der Präsident hofft auf die Zustimmung des US-Kongresses für sein Vorhaben. Ob er die bekommt, ist ungewiss. Wie er sich im Fall einer Ablehnung entscheiden werde, hat Obama bislang nicht bekanntgegeben.

In Einzelgesprächen versuchen Obama und sein Team, Kongressmitglieder zu überzeugen. Wie Außenminister John Kerry bestätigte, werden auch Videos genutzt, um den Schrecken des Chemiewaffeneinsatzes in Syrien zu zeigen. "Diese Aufnahmen machen deutlich, dass echte Menschen, Kinder und Eltern, auf eine Weise betroffen sind, die nirgendwo und von niemandem hingenommen werden darf", sagte Kerry.

hut/AFP/dpa/Reuters

insgesamt 154 Beiträge
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Mara Cash 08.09.2013
1. Assad ist ein verlogener Feigling
Dann soll er eben eingestehen, dass seine Generäle ohne sein Wissen Giftgas eingesetzt haben, Sein tiefstes Bedauern äußern und erstens versprechen, dass dies nie wieder vorkommen wird und zweitens versichern, dass die eigenwillig handelnden Generäle vors Kriegsgericht gestellt werden.
orangutanklaus77 08.09.2013
2. Fragen:
Ist es nicht eher eine Propagandaoffensive Ihrerseits, ständig von einer Propagandaoffensive Syriens zu sprechen, sobald dort überhaupt irgendetwas gesagt wird ? Und ist es nicht gleichzeitig eines sog. Journalisten unwürdig, den USA ständig bis zum Anschlag in den Allerwertesten zu kriechen und deren Äußerungen stets beste Absichten und absolute Glaubwürdigkeit zu unterstellen, trotz anderer Erfahrungen in den letzten 50 Jahren und wider besseren Wissens ?
derandersdenkende, 08.09.2013
3. Mit den Drohungen der Kriegsentwickler
Zitat von sysopAFP/ HO/ SANAEr hält eine Ansprache an die Nation, er gibt sechs TV-Interviews. US-Präsident Barack Obama will für einen Militärschlag gegen Syriens Regime werben. In der heißen Phase hält Baschar al-Assad im US-Sender CBS dagegen - und droht mit Vergeltung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-konflikt-assad-gibt-us-sender-cbs-ein-interview-a-921075.html
geht eine riesige Zensurwelle gegen die Kriegsgegner einher! Man will sich den "schönen" Krieg der viele Milliarden in die Kassen der Tötungsmittelproduzenten spülen soll, nicht schlechtreden lassen. Was aber, wenn es gar nicht um die Interessen der Syrer geht, sondern um die der Weltmachtstrategen, Ölmultis und Waffenhändler, was gleichzeitig als amerikanische Interessen, laut Obama, zu gelten hat? Wie kann man von einer TV-Schlacht sprechen, wenn Gegenstimmen permanent zensiert werden? Ich nenne sowas abgekartetes Spiel!
mickt 08.09.2013
4. Drohungen, Manipulationen und Drohnen
"Diese Aufnahmen machen deutlich, dass echte Menschen, Kinder und Eltern, auf eine Weise betroffen sind, die nirgendwo und von niemandem hingenommen werden darf" … Was Kerry hier sagt gilt auch für das eigene USA-Kriegsgetreibe im Irak und im Drohnenkrieg, nur dass dafür keiner einen Vergeltungsschlag gegen die USA plant. Hohle Begründungen für Gewalt gegen andere.
Werner655 08.09.2013
5. Wo bleiben die Beweise?
Zitat von sysopAFP/ HO/ SANAEr hält eine Ansprache an die Nation, er gibt sechs TV-Interviews. US-Präsident Barack Obama will für einen Militärschlag gegen Syriens Regime werben. In der heißen Phase hält Baschar al-Assad im US-Sender CBS dagegen - und droht mit Vergeltung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-konflikt-assad-gibt-us-sender-cbs-ein-interview-a-921075.html
Was will man da noch sagen? Beweise sind nach wie vor nicht geliefert, Assad startet in den USA eine Propaganda-Offensive, und Kerry spricht von echten Menschen, die gestorben sind. Wenn man dann noch unter dem Beitrag nachschaut, von wem dieser stammt, gibt`s kaum noch weitere Fragen. Die Agenturen haben die Regie übernommen. Außer der Frage hier vielleicht: Warum scheint es die gesamte Schar von Schreibern nach wie vor nicht zu interessieren, wo denn die groß angekündigten Beweise für die Schuld von Assad bleiben? Oder habe ich da was übersehen?
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