Untersuchung der Giftgasattacke Uno-Inspektoren haben Syrien verlassen

Das Uno-Team, das den Giftgasangriff nahe Damaskus untersuchen soll, hat Syrien verlassen. Die Inspektoren bringen die Proben nun in unabhängige Labors und erstellen einen Bericht. Doch schon ab jetzt könnte ein Militärschlag der USA erfolgen.
Untersuchung der Giftgasattacke: Uno-Inspektoren haben Syrien verlassen

Untersuchung der Giftgasattacke: Uno-Inspektoren haben Syrien verlassen

Foto: ANWAR AMRO/ AFP

Hamburg - Die Fakten sind für die USA eindeutig, auch ohne die Ergebnisse der Untersuchungen von Uno-Experten: Präsident Barack Obama erwägt einen "begrenzten" und "eingeschränkten" Einsatz gegen das Regime des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Denn nach Angaben von US-Außenminister John Kerry hat die US-Regierung "klare und schlüssige" Beweise, dass das syrische Regime am 21. August chemische Waffen gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt habe.

Nach dem Abschluss ihrer Untersuchungen haben die Uno-Chemiewaffenexperten Damaskus inzwischen verlassen. Ein Sprecher der Vereinten Nationen in Syrien bestätigte, dass die Inspektoren abgereist seien. Nach Augenzeugenberichten fuhr das Team in einem Autokonvoi in Richtung der syrisch-libanesischen Grenze. Es traf am frühen Morgen im Libanon ein, wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Reuters meldete unter Berufung auf Augenzeugen, das Team habe den internationalen Flughafen in Beirut erreicht.

Wann der Bericht der Experten vorgelegt werden könne, sei noch unklar, sagte ein Uno-Sprecher in New York. Nun müssen erst einmal die Proben an unabhängige Labors weitergereicht werden. Aus westlichen Diplomatenkreisen hieß es, es werde mindestens zehn Tage dauern, bis die Ergebnisse vorliegen könnten. Die Uno-Experten sollten ihrem Mandat zufolge lediglich herausfinden, ob Chemiewaffen eingesetzt wurden, nicht aber, durch wen.

Aus arabischen Diplomatenkreisen verlautete nach Angaben der kuwaitischen Zeitung "Al-Kabas" derweil, dass mit Militärschlägen spätestens an diesem Sonntag gerechnet werde. Nach der Abreise der Inspektoren gehe es nun lediglich noch um Stunden, berichtete das Blatt. Die Intervention werde von verschiedenen Stützpunkten aus gelenkt werden - unter anderem in der Türkei, Jordanien, Griechenland und Zypern, hieß es in der Zeitung weiter.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warf Russland und China wegen ihrer Haltung im Syrien-Konflikt eine Schwächung der Uno vor. Der "Augsburger Allgemeinen" sagte sie, "ein Tabubruch wie der Einsatz von Giftgas mit Hunderten von Toten" dürfe "nicht ohne Folgen bleiben". Die Regierungen in Moskau und Peking verweigerten aber eine gemeinsame Haltung im Uno-Sicherheitsrat.

Scharfe Kritik aus Russland

Russland kritisierte die Aussagen Obamas scharf. "Diese Drohungen sind unannehmbar", teilte das Außenministerium in Moskau mit. Sogar enge Verbündete der USA würden sich für ein ruhiges Abwägen der weiteren Schritte aussprechen. "Das einseitige Anwenden von Gewalt unter Umgehung des Weltsicherheitsrats bedeutet einen Verstoß gegen internationales Recht, erschwert eine politische Lösung und bringt nur weitere Opfer", sagte Ministeriumssprecher Alexander Lukaschewitsch. Russland ist ein enger Verbündeter Syriens.

Das syrische Regime wies die Vorwürfe der USA wegen eines Giftgaseinsatzes gegen Zivilisten nahe Damaskus als haltlose Lügen zurück. Diese basierten auf erfundenen Berichten von Rebellen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf das Außenministerium. Kerrys Äußerungen seien der "verzweifelte Versuch", einen Militärschlag zu rechtfertigen.

Frankreichs Präsident François Hollande stützt die Analyse der USA über den Chemiewaffeneinsatz. In einem Telefongespräch mit Obama habe Hollande an Frankreichs große Entschlossenheit erinnert. "Die internationale Gemeinschaft kann den Einsatz von Chemiewaffen nicht tolerieren, sie muss das syrische Regime dafür verantwortlich machen und eine starke Botschaft senden, um den Einsatz anzuprangern", hieß es in einer Erklärung Hollandes.

Angesichts des möglichen Militärschlags hat die US-Marine ein weiteres Schiff ins östliche Mittelmeer geschickt. Das Kriegsschiff der San-Antonio-Klasse habe den Suezkanal durchfahren und sei zu den fünf Zerstörern gestoßen, die sich bereits im Mittelmeer aufhalten, sagte eine Pentagon-Sprecherin. Die "USS San Antonio" habe aber keine spezifischen Anweisungen erhalten. Die Fahrt sei Teil von "Vorsichtsmaßnahmen" für den Fall, dass in der Region Unterstützung benötigt würde.

Das mit Flugabwehrraketen ausgestattete Schiff kann für den Katastrophenschutz oder medizinische Hilfe eingesetzt werden, aber auch Kriegsgerät, Panzer oder Hubschrauber befördern. Zusammen mit der Besatzung der fünf Zerstörer befinden sich derzeit nach Pentagon-Angaben rund 1700 US-Militärs im Mittelmeer. Was auch immer die USA unternähmen, es sei keine "große Operation", sagte Obama. "Ein unbefristetes Engagement ziehen wir nicht in Erwägung." Es würden auch keine Bodentruppen eingesetzt.

wit/Reuters/AP/AFP/dpa
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