Waffenruhe für Syrien Lawrow und Kerry einigen sich auf Fortsetzung der Gespräche

Russlands Außenminister Lawrow und sein US-amerikanischer Amtskollege Kerry haben in Lausanne über eine erneute Feuerpause in Syrien verhandelt. Ergebnis: Man will weiter reden.

Sergej Lawrow und John Kerry in Lausanne
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Sergej Lawrow und John Kerry in Lausanne


Erstmals seit Beginn der jüngsten russischen Militäroffensive in Syrien haben sich Russlands Außenminister Sergej Lawrow und sein US-amerikanischer Amtskollege John Kerry getroffen. Gemeinsam mit weiteren Außenministern aus den Staaten der Krisenregion sprachen sie in der Schweiz über eine Rückkehr zur Waffenruhe in dem Bürgerkriegsland.

Nach den Gesprächen äußerte sich Russlands Außenminister Sergej Lawrow nur sehr zurückhaltend: "Wir haben uns dafür ausgesprochen, dass der politische Prozess so bald wie möglich beginnen soll", sagte er russischen Agenturen zufolge. Man sei überein gekommen, die Kontakte fortsetzen. "Es gab einige Ideen, die heute besprochen worden sind und von Länder vorgebracht wurden, die wirklich Einfluss auf die Situation haben", teilte Lawrow mit.

Kerry sprach im Anschluss von "offenen" Gesprächen, bei denen einige neue Vorschläge auf den Tisch gekommen seien. Alle Parteien seien sich darin einig gewesen, dass es dringend notwendig sei, gemeinsam einen Weg zum Waffenstillstand zu finden. "Es gab einige schwierige Momente, es gab Spannungen, aber alle waren konstruktiv", sagte Kerry. Er sprach von "ersten Diskussionen". Vertreter beider Seiten sollen bereits am Montag Kontakt aufnehmen und eine neue Agenda erstellen, so Kerry weiter.

Bereits Mitte September hatten Kerry und Lawrow eine landesweite Feuerpause zwischen Rebellen und Regierungstruppen ausgehandelt, doch diese war nach nur wenigen Tagen wieder zerbrochen. Am 22. September starteten die syrischen Regierungstruppen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe eine neue Offensive in Aleppo, um die seit Jahren geteilte Großstadt wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Seither wurden im Osten der Stadt laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mehr als 370 Menschen durch syrische und russische Luftangriffe getötet.

Treffen ohne europäische Beteiligung

In Lausanne hoffe Washington nun zumindest für Aleppo "irgendeine Art Feuerpause oder wenigstens eine erhebliche Reduzierung der Gewalt zu erreichen", sagte der US-Außenministeriumssprecher Mark Toner vor Beginn der Gespräche.

Lawrow sagte im Vorfeld des Treffens, er wolle keine neuen Initiativen zur Beilegung des Konflikts präsentieren, sondern auf die Umsetzung vorheriger Uno-Resolutionen sowie der letzten Vereinbarung mit den USA für eine Waffenruhe dringen.

Neben Kerry und Lawrow nahmen die Außenminister der Türkei, Saudi-Arabiens, Katars, Ägyptens, Jordaniens, des Irak und Irans sowie der Uno-Syriengesandte Staffan de Mistura an den Verhandlungen am Genfer See teil. Europäische Staaten waren nicht beteiligt. Über den Verlauf und eventuelle Ergebnisse der Gespräche in der Schweiz will Kerry an diesem Sonntag in London die Außenminister Großbritanniens, Frankreichs und Deutschland informieren.

Dem seit fünf Jahren andauernden Syrienkonflikt sind nach Schätzungen bereits mehr als 400.000 Menschenleben zum Opfer gefallen. Beinahe fünf Millionen Syrer sind vor dem Krieg ins Ausland geflohen.

Offensive gegen den IS im Norden

Derweil starteten syrische Rebellen mit türkischer Unterstützung eine Offensive gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" in dem Ort Dabik im Norden des Bürgerkriegslandes. Die Islamisten dort bereiteten sich auf eine "apokalyptische Schlacht" vor, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Türkei beteiligt sich mit Panzern und Kampfjets am Vorstoß gegen den IS.

Auch der russische Flugzeugträger "Admiral Kusnezow" ist mitterweile auf den Weg ins Mittelmeer. Wie das Verteidigungsministerium in Moskau mitteilte, wird er begleitet von mehreren großen Kriegsschiffen. Demnach soll der einzige Flugzeugträger Russlands, der noch aus Sowjetzeiten stammt und sonst in Murmansk stationiert ist, auf "moderne Bedrohungen wie Piraterie und den internationalen Terrorismus" reagieren.

asc/dpa/AFP

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