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Luftangriffe in Syrien Krankenhaus in Aleppo bombardiert

Für die Bevölkerung von Aleppo gibt es Berichten zufolge kaum noch medizinische Versorgung. Eines der letzten Krankenhäuser soll bombardiert worden sein - und Russland schickt weitere Kampfflugzeuge.

Erst im März hatte Russlands Präsident Wladimir Putin viele Su-25-Kampfjets aus Syrien abziehen lassen. Jetzt sollen die schwer bewaffneten Militärjets in das Bürgerkriegsland zurückgeschickt werden. Einem Bericht der russischen Zeitung "Iswestija " zufolge werden zahlreiche Flugzeuge der Typen Su-24, Su-34 und Su-25 auf den Flugplatz Hmeymim nahe der syrischen Mittelmeerküste verlegt.

Als einen der Vorteile der Su-25 bezeichnet das Blatt, dass die Maschine einfach zu warten und leicht zu fliegen sei. Zudem stünden für jedes der Flugzeuge mehrere Piloten bereit. So sollen die Jets zu bis zu zehn Einsätzen pro Tag ausrücken können. Die wesentlich größeren Su-34 hingegen würden aufgrund ihrer Größe und Komplexität maximal zweimal pro Tag aufsteigen.

Während das russische Militär also offenbar eine Stärkung seiner Präsenz in Syrien plant, meldet eine medizinische Hilfsorganisation einen erneuten Luftangriff auf ein Krankenhaus im hart umkämpften Aleppo. Mindestens zwei Fassbomben seien am Samstag in das Krankenhaus M10 im von den Rebellen kontrollierten Ostteil der Stadt eingeschlagen, berichtet die in den USA ansässige Syrian American Medical Society .

Helfer im Rebellengebiet von Aleppo

Helfer im Rebellengebiet von Aleppo

Foto: THAER MOHAMMED/ AFP

Das unterirdisch arbeitende Krankenhaus M10 und die ebenfalls von der Hilfsorganisation unterstützte Klinik M2 waren bereits am Mittwoch bombardiert worden und sind seither außer Betrieb. Die Angriffe hatten für große Empörung gesorgt, Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon stufte sie als Kriegsverbrechen ein.

Wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, wurde am Samstag auch ein kleineres Feldlazarett im Stadtviertel Sachur bombardiert. Dabei sei mindestens ein Mensch getötet worden, erklärte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Auch das Lazarett musste seinen Betrieb demnach einstellen. Die Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle, die sich auf Informanten vor Ort beruft, sind von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

30 Ärzte für 300.000 Menschen

Aleppo steht unter Dauerbeschuss, seit eine von den USA und Russland ausgehandelte Waffenruhe am 19. September nach nur einer Woche gebrochen wurde. Die syrischen Regierungstruppen starteten mit Unterstützung Russlands eine Offensive auf Aleppo, um die seit vier Jahren zwischen Regierung und Rebellen geteilte Großstadt wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Besonders der von Rebellen gehaltene Ostteil der Stadt wird heftig bombardiert.

Durch die Angriffe spitzte sich die humanitäre Krise dort weiter zu. Auch in der Nacht zum Samstag stand die Stadt wieder stundenlang unter heftigem Artilleriebeschuss, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Im Stadtviertel Suleiman al-Halabi, das zwischen Regierung und Rebellen geteilt ist, und im Viertel Bustan al-Bascha sei die ganze Nacht über Gefechtslärm zu hören gewesen.

Insgesamt sind bis zu 300.000 Menschen in Aleppo eingeschlossen. Wegen der Blockade fehlt es ihnen akut an Nahrungsmitteln, Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Laut Unicef steht das Gesundheitssystem am Rand des Zusammenbruchs. Nur rund 30 Ärzte seien verblieben, es gebe so gut wie keine Ausrüstung oder Medizin.

Wie verzweifelt auch die Ersthelfer sind, lesen Sie hier. Wie zynisch der syrische Uno-Botschafter Bashar Jaafari auf Fragen zur Bombardierung von Krankenhäuser reagiert hat, sehen Sie hier.

mak/afp