Syrienkrise Kreml verspottet Twitter-Trump

"Die Raketen werden kommen": So bereitete Donald Trump Russland per Twitter auf einen Militärschlag gegen Syrien vor. Passiert ist aber noch nichts - stattdessen macht sich der Kreml über den US-Präsidenten lustig.
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Russlands Führung verspottet Donald Trump: "Die internationalen Beziehungen sollten nicht von der Stimmung einer Person abhängig sein, wenn diese morgens aufsteht", sagte Vizeministerpräsident Arkadi Dworkowitsch. Der Spitzenpolitiker spielte damit auf die Tweets des US-Präsidenten in der Syrien-Krise an. Eigenen Aussagen zufolge twittert Trump auch schon mal vom Bett aus.

Russlands Vizepremier Arkadi Dworkowitsch

Russlands Vizepremier Arkadi Dworkowitsch

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So twitterte er am Mittwoch, 6.57 Uhr US-Ostküstenzeit, offenbar als Reaktion auf eine Drohung des russischen Botschafters im Libanon, Alexander Zasypkin, Russland werde alle Richtung Syrien fliegenden Raketen abschießen. "Sie werden kommen", so Trump, offenbar vom Bett aus, "nett und neu und 'smart'." Damit hatte Trump die Russen als Syriens Schutzmacht auf einen Militärschlag der USA gegen das Regime von Baschar al-Assad vorbereitet.

Video zu möglichem US-Angriff: Trumps Syrien-Chaos

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Die USA und auch Frankreich machen Syriens Regime für den mutmaßlichen Giftgaseinsatz in der Stadt Duma verantwortlich. Bei dem Angriff auf die von Rebellen kontrollierte Stadt sollen nach unterschiedlichen Angaben zwischen 42 und 85 Menschen getötet worden sein.

Nach Einschätzung des früheren US-Botschafters in Deutschland, John Kornblum, wird Trump wegen seiner Drohungen mit einem Militärschlag kaum noch anders können, als in Syrien anzugreifen. "Nach der massiven Warnung wird Trump nicht mehr hinter seine Drohungen zurück können", sagte Kornblum den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Jetzt gar nichts zu machen, käme einem Gesichtsverlust gleich. Ich gehe davon aus, dass es eine US-Militäraktion in der einen oder anderen Form geben wird."

Trump telefonierte mit May

Die USA und seine Verbündeten arbeiten derweil weiter an einer gemeinsamen Strategie für den Angriff. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, hieß es aus dem Weißen Haus. "Wir werten weiter Geheimdiensterkenntnisse aus und sind in engen Abstimmungen mit unseren Partnern und Alliierten", sagte Sprecherin Sarah Sanders.

Als Option für eine Reaktion gelten gezielte Raketenangriffe auf ein Objekt oder mehrere ausgewählte Ziele. Sehr heikel daran wäre, dass in Syrien stationierte russische Truppen getroffen werden könnten. Syriens Schutzmacht Russland weist die Vorwürfe gegen Damaskus zurück.

Trump telefonierte noch in der Nacht zum Freitag mit der britischen Premierministerin Theresa May. In einer Mitteilung der Downing Street hieß es, Trump und May seien sich einig, dass der Einsatz von Chemiewaffen durch das syrische Militär "nicht unbeantwortet" bleiben könne und dass ein weiterer Einsatz von Chemiewaffen durch das Assad-Regime verhindert werden müsse. Über ein geplantes Telefonat Trumps mit dem französischen Staatschef Emmanuel Macron lag zunächst keine offizielle Erklärung vor.

Video: US-Militärschlag wäre "nur noch ein Akt der Bestrafung"

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als/Reuters/dpa