Schlacht um Aleppo Assads Kampfjets fliegen Angriff um Angriff

Die Verhandlungen über eine neue Waffenruhe in Syrien kommen nicht voran, Assad schafft Fakten: Die Luftwaffe des Machthabers nimmt Rebellengebiete in Aleppo unter Dauerfeuer.

Rebellengebiet in Aleppo
REUTERS

Rebellengebiet in Aleppo


Das syrische Regime hatte die Offensive zur Rückeroberung von Aleppo am Donnerstagabend angekündigt, wenige Stunden später begannen die Angriffe: Kampfflugzeuge des Machthabers Baschar al-Assad bombardierten Rebellengebiete im Osten der Stadt. Dies berichteten Mitarbeiter von Hilfsorganisationen am Freitagmorgen.

Bewohner sollten sich von den Positionen der terroristischen Gruppen fernhalten, hieß es in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur Sana verbreiteten Erklärung des Regimes. Die syrische Führung bezeichnet ihre Gegner als Terroristen. Es würden Fluchtkorridore offengelassen, die auch die Aufständischen nutzen könnten. Ob zu der aktuellen Offensive ein Angriff mit Bodentruppen gehört, wurde zunächst nicht bekannt.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von mindestens 50 Bombenattacken seit drei Uhr Ortszeit. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien, deren Angaben nicht unmittelbar unabhängig überprüft werden können.

Zerstörtes Gebäude in Aleppo
AFP

Zerstörtes Gebäude in Aleppo

Die Gebiete, in denen noch mindestens 250.000 Menschen leben, waren bereits am Donnerstag Ziel schwerer Angriffe des syrischen Militärsgewesen, das von Russland unterstützt wird. Aktivisten beschrieben die Bombardements als "umfassende Bodenoffensive mit russischer Luftunterstützung". Ein AFP-Mitarbeiter berichtete aus Ost-Aleppo, dort hätten Dutzende Familien die Flucht ergriffen.

Keine neue Waffenruhe in Sicht

Die Offensive der Regierung erschwert die Bemühungen um eine neue Feuerpause. Auf diplomatischer Ebene kommen die Bemühungen um eine Wiederherstellung der Waffenruhe weiterhin nicht voran. Die USA und Russland konnten sich bei einem Treffen der sogenannten Syrien-Unterstützergruppe am Rande der Uno-Vollversammlung in New York nicht einigen.

US-Außenminister John Kerry machte nach dem gut zweistündigen Runde der Syrien-Unterstützergruppe aus seiner Unzufriedenheit keinen Hehl. "Ich bin nicht weniger entschlossen als gestern, aber natürlich frustrierter." Aus dem State Department verlautete nach dem Treffen, die Frustration im Raum sei spürbar gewesen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow antwortete auf die Frage, ob es eine Vereinbarung gebe, sehr knapp: "Nichts ist passiert."

Die Gespräche sollen am Freitag und im Laufe der kommenden Tage fortgesetzt werden. Dabei geht es entscheidend auch um die Frage, ob sich Russland auf den amerikanischen Vorschlag einlässt, auf den Einsatz von Militärjets über syrischen Gebieten mehrere Tage lang zu verzichten. Bislang lehnen die Russen dies ab. Lawrow kündigte nach Angaben von Teilnehmern jedoch an, mit Moskau Rücksprache zu halten. Kerry sagte, die USA seien für Vorschläge der russischen Seite offen.

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als/Reuters/dpa

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