Syrien-Krieg Briten finden angeblich Beweise für Chemiewaffen-Einsatz

Die Spuren sollen aus einer Bodenprobe stammen, die nahe Damaskus entnommen wurde: Laut der britischen "Times" liegen erstmals Belege für den Einsatz von Chemiewaffen im Syrien-Krieg vor. Eine offizielle Bestätigung gibt es jedoch nicht.

Raketen vor syrischer Armee-Basis (Symbolbild): Erste Beweise für C-Waffen?
REUTERS

Raketen vor syrischer Armee-Basis (Symbolbild): Erste Beweise für C-Waffen?


Damaskus - Den Verdacht gibt es schon lange, doch nun könnten zum ersten Mal handfeste Beweise für die Verwendung von chemischen Waffen in Syrien vorliegen. Wie die "Times" berichtet, prüfte das britische Verteidigungsministerium eine Bodenprobe aus dem Bürgerkriegsland, die mit einem nicht näher bezeichneten chemischen Kampfstoff belastet sein soll.

Die Details sind bisher noch spärlich: Durchgesickert ist, dass die Probe aus der Gegend von Damaskus stammen soll, wo sich das Assad-Regime seit vielen Monaten Gefechte mit den Aufständischen im Land liefert. Wie die namentlich nicht genannte Quelle der "Times" im Ministerium weiter berichtet, handelt es sich eindeutig um einen Kampfstoff. Verwechslungen etwa mit Tränengas oder ähnlichen Mitteln hätten die Analysten des Verteidigungsministeriums ausgeschlossen. Offiziell sind die Ergebnisse bisher nicht bestätigt.

Die Bodenprobe war in einer Geheimaktion über die Grenze und nach Großbritannien geschmuggelt worden. Offen bleibt, wer für das Abfeuern des Kampfstoffes verantwortlich ist. Sowohl die Kämpfer von Präsident Baschar al-Assad als auch die Aufständischen kämen hierfür in Frage, hieß es in dem "Times"-Bericht. Unklar ist auch, ob es sich bei dem Fund um einen isolierten Fall handelt, oder ob er auf eine großflächige Verwendung von chemischen Kampfstoffen hindeutet.

Die Veröffentlichung kommt zu einem sensiblen Zeitpunkt. Auf Zypern wartet derzeit ein Team der Vereinten Nationen auf seine Einreise nach Syrien. Die Uno-Beobachter sollen feststellen, ob es in dem Land zum Einsatz von Chemiewaffen gekommen ist.

USA nun in der Pflicht?

Auch auf die US-Regierung könnte sich nun der Druck erhöhen. Präsident Barack Obama hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, dass die Verwendung von C-Waffen eine "rote Linie" darstelle. Doch was heißt das genau? Noch lässt die Regierung in Washington offen, was genau die rote Linie wäre - und welche Konsequenzen bei einem Überschreiten folgen würden. Obama warnte Assad lediglich davor, "einen schweren Fehler" zu begehen.

Bisher weigern sich die USA, zusammen mit ihren Verbündeten, in den seit zwei Jahren wütenden Konflikt einzugreifen. Sie ignorieren dabei immer wieder die Appelle von Hilfsorganisationen, die auf die mehr als 70.000 Toten und Millionen Vertriebenen verweisen.

Experten fürchten, Assad könne schrittweise versuchen, Obamas rote Linie auszuloten, etwa durch einen lokal begrenzten Einsatz mit geringen Mengen Chemikalien. Ein erster Fund solcher Mittel - lokal eingesetzt - könnte nun auf eine solche Testaktion hindeuten.

Warnung vor vorschnellen Gegenschlägen

Die Quellen in dem "Times"-Bericht warnen jedoch vor vorschnellen Schlüssen. Da noch nicht klar ist, wer hier wann was abgefeuert hat, sei es noch zu früh für mögliche Gegenmaßnahmen. Ein Vergleich etwa zu dem Giftgaseinsatz des irakischen Diktators Saddam Hussein gegen die Kurden im eigenen Land im Jahr 1988 lasse sich nicht so einfach ziehen.

Dass das syrische Regime über Massenvernichtungswaffen verfügt, ist unstrittig. Assad hat dies selbst zugegeben, als er im Sommer 2012 sagte: "Syrien wird keine chemischen oder anderen unkonventionellen Waffen gegen seine Bürger verwenden, sondern nur im Falle einer externen Aggression einsetzen." Vor allem soll es sich dabei um die tödlichen Gase Sarin, Senfgas und VX handeln.

jok



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