Syrien-Krieg Hollande attackiert Assad und seine Unterstützer

François Hollande hat sich vor der Uno in den Syrien-Konflikt eingeschaltet. Diktator Assad sei für das Scheitern der Waffenruhe verantwortlich, kritisierte Frankreichs Staatschef.

Hollande vor der Uno
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Hollande vor der Uno


Frankreichs Präsident François Hollande hat die Uno im Syrien-Konflikt zum Handeln aufgefordert. Der Sicherheitsrat müsse dringend handeln, sagte er vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York. "Er darf kein Kasperletheater sein."

Scharf kritisierte Hollande das syrische Regime und seine internationalen Unterstützer. Machthaber Baschar al-Assad und sein Regime seien für das Scheitern der jüngsten Waffenruhe verantwortlich. "Und zu seinen Unterstützern im Ausland will ich sagen, dass sie seine Hand zum Frieden lenken sollen. Wenn nicht, tragen sie auch die Verantwortung für Spaltung und Chaos in Syrien."

Die Waffenruhe müsse sofort wieder eingehalten werden, forderte Hollande. Dann müsse humanitäre Hilfe an die Betroffenen geliefert, die politischen Gespräche für eine Lösung des Konflikts wieder aufgenommen und schließlich die Verantwortlichen für den Einsatz chemischer Waffen in dem Krieg bestraft werden.

"Ich habe eine Sache zu sagen: Es reicht", sagte Hollande. "Die syrische Tragödie wird in die Geschichte als Schande für die internationale Gemeinschaft eingehen, wenn wir sie nicht bald beenden."

Ban Ki Moon: "Widerwärtige und barbarische Tat"

Mit einem Appell zur Beendigung der Gewalt in Syrien hatte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon die Generaldebatte eröffnet. Er rufe alle einflussreichen Kräfte in dem Bürgerkriegsland auf, "die Kämpfe einzustellen und Gespräche aufzunehmen". Den Luftangriff auf einen humanitären Hilfskonvoi nahe Aleppo verurteilte er als "widerwärtige, barbarische und offensichtlich vorsätzliche" Tat. Die Uno hat nach dem Angriff alle ihre Hilfslieferungen in Syrien eingestellt. Bei der Attacke waren nach Angaben des Roten Kreuzes etwa 20 Menschen getötet worden. Wer für den Beschuss verantwortlich war, blieb zunächst unklar.

Die Vereinten Nationen haben derweil ihre Wortwahl zu der Zerstörung von Hilfslieferungen in Syrien geändert. Sie sprechen nun allgemein von einem "Angriff" und nicht mehr von einem "Luftangriff". "Wir sind nicht in der Lage festzustellen, ob es sich tatsächlich um einen Luftangriff gehandelt hat", sagte ein Uno-Sprecher am Dienstag.

Entsprechende Formulierungen in Erklärungen der Uno gingen vermutlich auf einen Fehler bei der Erstellung des Entwurfs zurück. Auch die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte erklärt, der Angriff auf einen Konvoi am Montagabend in der Nähe von Aleppo sei entweder von den syrischen oder den russischen Streitkräften geflogen worden. Beide Staaten wiesen die Vorwürfe zurück.

Die syrische Armee hatte die von Russland und den USA mühsam ausgehandelte Waffenruhe in Syrien am Montag aufgekündigt und ihre Angriffe sofort wieder aufgenommen. Parallel zur Eröffnung der Uno-Generaldebatte fand in New York ein Treffen der internationalen Unterstützergruppe statt, in dem die Chancen ausgelotet werden sollten, die Waffenruhe wiederherzustellen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der an dem Treffen der Gruppe teilnahm, zeigte sich zuvor allerdings skeptisch, dass eine Rückkehr zu der Waffenruhe möglich sei. Er sei sich nicht sicher, dass eine Deeskalation der Lage gelingen werde, sagte er.

als/Reuters/dpa/AFP



insgesamt 5 Beiträge
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Stäffelesrutscher 20.09.2016
1.
Angesichts dessen, was Frankreich in Libyen angerichtet hat, sollte Monsieur Holland ganz, ganz leise sein.
puqio 20.09.2016
2. Auslöser war doch aber der
Da kann ich trotz aller Differenzen die Reaktion Syriens verstehen. Immerhin verteidigt Syrien sein Land gegen zahlreiche islamistische Milizengruppen, die von den USA, Saudi Arabien und anderen mit Waffen beliefert werden. Und wenn solche Terroristengruppen direkt von den USA unterstützt werden, kann Syrien gar nicht anders handeln als die eigenen militärischen Interessen zu schützen.
thequickeningishappening 20.09.2016
3. Herr Hollande warnt vor einem
"Kasperletheater"? Jeder Franzose,der etwas Humor hat, bekommt jetzt einen Lachkoller und Frau Le Pen nochmal 5%!
ach 20.09.2016
4. na klar
Wenn es nicht so läuft mit den Umfragen, dann kann man auch mal versuchen, mit außenpolitischen Themen zu punkten. Und an die EU mit ihrer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik kann man sich ja wieder erinnern, wenn irgendwo das Geld fehlt....
pansatyr 20.09.2016
5. @2
diese ewig wiedergekäute Mär wird langsam langweilig. Abgesehen davon wird Russland ja, wie gewohnt, zu allen humanitären Resolutionsentwürfen sein Veto einlegen
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