Satellitenbilder Was der Krieg von Syrien übrig lässt

Riesige Flüchtlingslager in der Wüste, Straßensperren in Aleppo, geplünderte Ruinenstädte: Der Bürgerkrieg hat Syrien zerstört. Vorher-nachher Fotos zeigen das Ausmaß.

Von


Im Syrien-Krieg sind mehr als 200.000 Menschen getötet und Millionen heimatlos gemacht worden. Für Journalisten ist es oft schwer, sich ein umfassendes und genaues Bild von der Lage zu machen. Doch Satellitenaufnahmen erlauben es, die Entwicklungen in Syrien und den Nachbarländern wenigstens aus der Ferne zu verfolgen und einzuschätzen.

Der Blick aus dem All verdeutlicht zum Beispiel das Ausmaß des Flüchtlingsdramas. Im Juli 2012 öffnete in der jordanischen Wüste das erste Lager, in dem Syrer Unterschlupf fanden. Seither ist das Camp Saatari beständig gewachsen. Im September 2012 beherbergte das Lager etwa 30.000 Menschen. Im Dezember 2012 waren es schon etwa 50.000 Flüchtlinge.

Flüchtlinglager Zaatari 2012

Stück für Stück hat das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR das Lager ausgebaut. Die Flüchtlinge leben in Zelten und Containern, Schatten gibt es kaum. Im Januar 2013 registrierten die Vereinten Nationen ungefähr 65.000 Kriegsflüchtlinge, Ende Februar 2013 stieg die Zahl der Bewohner von Saatari auf über 100.000.

Flüchtlinglager Zaatari 2013

Inzwischen ist das Lager die viertgrößte Stadt in Jordanien. Es gibt einen Markt und Schischa-Cafés, in denen die Flüchtlinge Wasserpfeife rauchen können. Doch diese scheinbare Idylle täuscht nicht darüber hinweg, dass in Saatari mehr als hunderttausend Menschen unter schwierigsten Bedingungen leben. Die Behausungen sind beengt, es gibt keine Arbeit, viele Bewohner sind wegen des Krieges traumatisiert. Manche Frauen prostituieren sich, um an Geld zu kommen, viele Flüchtlinge ertragen das Leben nur noch mit Drogen.

Der Krieg macht einen geregelten Alltag in Syrien unmöglich

Die Zahl der tatsächlichen Einwohner in Saatari schwankt mittlerweile stark. Manche Syrer sind inzwischen in andere Flüchtlingslager in Jordanien gezogen, andere versuchen sich in Amman und anderen Orten selbst durchzuschlagen. Einige sind sogar nach Syrien zurückgekehrt, weil ihnen das Leben im Krieg erträglicher schien als das auf der Flucht.

Dabei ist in Syrien ein normaler Alltag kaum noch möglich. Das verdeutlicht ein Blick auf Aleppo, die zweitgrößte Stadt des Landes. Überall in der Metropole haben Regime und Rebellen Straßensperren errichtet. Diese Satellitenbilder zeigen einmal die Lage im September 2012 und einmal im Mai 2013. Zu diesem Zeitpunkt zählten Wissenschaftler der American Association for the Advancement of Science 1171 Straßensperren in Aleppo.

Straßensperren in Aleppo

Um ihr Überleben zu sichern, haben manche Syrer begonnen, die antiken Stätten im Land zu plündern. Besonders deutlich wird das am Beispiel von Dura Europos. Diese griechische Stadt in der Nähe des Euphrat wurde um 300 vor Christus gegründet und war über sechs Jahrhunderte ein Wirtschaftszentrum im Nahen Osten.

Der Vergleich von Satellitenbildern aus dem Juni 2012 und dem April 2014 zeigt, dass Plünderer tausende Löcher in der Ruinenstadt gegraben haben. Weil das trockene Wüstenklima dort das Material vor dem Verfall bewahrt hat, durften sie auf lukrative Funde hoffe - etwa antike Helme und Schilde.

Dura Europos

Das genaue Ausmaß der Schäden in Dura Europos ist wohl erst in Jahren absehbar. Denn der Abschnitt des Euphrat-Tals, in dem die antike Stadt liegt, ist seit Monaten fest in der Hand des "Islamischen Staats".

insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hdwinkel 15.10.2014
1. Bürgerkrieg
Soetwas kommt dabei heraus, wenn der Wunsch die Realität ausblendet. Ja, es gab eine Reihe progressive Kräfte, die den arab. Frühling anfangs vorangetrieben haben. Aber leider waren diese ganz offenbar in der Minderheit. Zum einen wurde die Protestbewegung von Anfang an durch Islamisten mindestens infiltriert, wenn nicht dominiert, zum anderen hatte (und hat) Assad jede menge Unterstützer. Der entscheidende Fehler war letztendlich der Versuch, Assad gewaltsam zu vertreiben. Vielleicht durch die Ereignisse in Libyen geblendet, wo der Westen den Regime-Change erledigte, war dieses Unterfangen gegen eine hochgerüstete Armee aussichtslos und brachte genau das Ergebnis: Hunderttausende Tote, Verletzte, ein zerstörtes Land, ohne Hoffnung auf Besserung. Besonders ärgerlich: Der Westen hat sich vor den Karren der lokalen Mächte zur Durchsetzung derer zweifelhafter Interessen in der Region spannen lassen: Saudi-Arabien, Katar, Türkei. Und hat sich so mitschuldig an der Situation gemacht, bis heute.
w.schuler 16.10.2014
2. Der Rest von Syrien
Das Etikett Bürgerkrieg ist eine Desinformation. Es war von Anfang an ein lange und sorgfältig geplanter Angriff von außen. Man beachte das Timing. Als Libyen ziemlich erledigt wurden die Terrortruppen samt Waffen nach Syrien verlegt. Siehe auch Yinon Plan, der einst in der Wikipedia stand, später aber entfernt wurde??? Der heutige SPON Artikel ist insofern bemerkenswert, da er nicht die übliche Assad Leier, Giftgas, Fassbomben etc. herunterbetet. Aber die tiefere Wahrheit fehlt. Und diese lautet: ISIS ist wie Al Kaida, so amerikanisch wie Coca Cola.
w.schuler 16.10.2014
3.
Zitat von hdwinkelSoetwas kommt dabei heraus, wenn der Wunsch die Realität ausblendet. Ja, es gab eine Reihe progressive Kräfte, die den arab. Frühling anfangs vorangetrieben haben. Aber leider waren diese ganz offenbar in der Minderheit. Zum einen wurde die Protestbewegung von Anfang an durch Islamisten mindestens infiltriert, wenn nicht dominiert, zum anderen hatte (und hat) Assad jede menge Unterstützer. Der entscheidende Fehler war letztendlich der Versuch, Assad gewaltsam zu vertreiben. Vielleicht durch die Ereignisse in Libyen geblendet, wo der Westen den Regime-Change erledigte, war dieses Unterfangen gegen eine hochgerüstete Armee aussichtslos und brachte genau das Ergebnis: Hunderttausende Tote, Verletzte, ein zerstörtes Land, ohne Hoffnung auf Besserung. Besonders ärgerlich: Der Westen hat sich vor den Karren der lokalen Mächte zur Durchsetzung derer zweifelhafter Interessen in der Region spannen lassen: Saudi-Arabien, Katar, Türkei. Und hat sich so mitschuldig an der Situation gemacht, bis heute.
Mitschuldig ist nicht zutreffend. Die einzige Antwort kann nur lauten: Voll und ursächlich schuldig. Die USA haben das alles lange geplant. Dafür gibt es Beweise genug. Und wenn Obama Erdogan verboten hätte, ISIS zu unterstützen, hätte der gekuscht. Genauso wie die Scheichs am Golf. Als Gauck, der Zonen Jesus, in der Türkei war, hat er ein wenig rum genölt und wollte dafür noch Lob einheimsen. Von ISIS sprach unser kriegssüchtiger Militärpfarrer aber wohlweislich nicht. Das zeigt doch, dass er nur eine Fassade darstellt. Innen ist er hohl wie eine 10 Jahre alte Cocosnuß. So viel nur zu den Berliner Friedens-bemühungen. Und besonders die Grünen in Gestalt eines Kretins namen Ferhat Amas, haben sich mit einem schon pathologischen Kriegsgeschrei als Faschisten geoutet. Kleiner Schwenk: Wie hießen frühere US Aktionen "Iraqi Freedom", "Enduring Freedom". Dass hört sich heute wie Satire an, was es eventuell sogar von Anfang an war.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.