Syrischer Botschafter zu Toten von Aleppo He, he, he

Die US-Regierung nennt das Video "gruselig": Der Uno-Botschafter Syriens wird zu bombardierten Krankenhäusern befragt - und antwortet mit einem zynischen Lachen. Der Clip verbreitet sich rasant im Netz.

Bashar Jaafari (Archivbild)
DPA

Bashar Jaafari (Archivbild)


Sind dem syrischen Regime von Machthaber Baschar al-Assad die Hunderten toten Zivilisten von Aleppo so egal? Eine Videosequenz, die der Sender Al Jazeera verbreitet hat, lässt diesen Schluss zu.

Die Szene dauert nur wenige Sekunden. Ein Reporter des Senders steht am Fuß einer Treppe im New Yorker Uno-Hauptquartier. Er fragt Bashar Jaafari, den syrischen Uno-Botschafter, nach Angriffen auf zwei Kliniken im Rebellengebiet von Ost-Aleppo: "Botschafter, haben Sie die beiden Krankenhäuser in Aleppo bombardiert?" Eine Antwort bleibt der Spitzendiplomat von Machthaber Baschar al-Assad schuldig. Er lacht nur kehlig, eilt weiter - und sorgt damit im Netz für viel Empörung.

Die Uno-Botschafterin der USA, Samantha Power, nannte das Lachen ihres Kollegen "gruselig" - und stellte eine direkte Verbindung zu Russlands Beteiligung am Syrienkrieg auf der Seite des Assad-Regimes her. Die Tausenden hingemetzelten Toten seien offenbar egal, so Power in ihrem Statement. Und Powers Pressesprecher fügte hinzu, Jaafari sei gerade auf dem Weg zu einer Sicherheitsratssitzung zum Thema "Gesundheitsversorgung in Kriegsgebieten" gewesen, als er mit Gelächter auf die Frage reagierte.

Die Sicherheitsratssitzung in der Nacht, bei der es um eine Resolution für den besseren Schutz von medizinischen Einrichtungen in den Konfliktgebieten Syrien, Jemen und Afghanistan gehen sollte, brachte kein Ergebnis.

Die Vorsitzende der Organisation Ärzte ohne Grenzen, Joanne Liu, kritisierte nach der Sitzung, es fehle "der politische Wille - bei den Uno-Mitgliedern, die sich in den Kriegskoalitionen befinden, und bei denen, die sie unterstützen". Angriffe auf Krankenhäuser würden als "Fehler abgetan". Das sei aber der falsche Begriff, so Liu. Vielmehr versagten die Staaten dabei, solche Angriffe auszuschließen.

Im Jemen kämpft eine Koalition aus zehn Staaten, geführt von Saudi-Arabien und unterstützt von den USA, gegen Rebellen, die im Sommer 2014 die jemenitische Regierung ins Exil drängten. Wie in Syrien werden auch im Jemen beinahe regelmäßig Märkte, Hospitäler und andere, eindeutig zivile Einrichtungen, bombardiert, Tausende Zivilisten sind gestorben.

In Syrien kämpft Russland seit einem Jahr an der Seite von Baschar al-Assads Truppen und fliegt beinahe täglich Bombenangriffe auf Anti-Assad-Rebellen in Syrien. Frankreich, die USA und Großbritannien bombardieren Einheiten der Terrormiliz des "Islamischen Staats" und unterstützen Rebellengruppen, die Assad stürzen wollen.

Drohnenvideo zeigt Zerstörung in Aleppo:

REUTERS

Am Dienstag hatte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon die Angriffe auf zivile Ziele in Aleppo verurteilt und Russland und Syrien indirekt scharf kritisiert. Er sagte, in einem "Schlachthaus" gehe es "humaner zu". Zwei Kliniken im von Rebellen gehaltenen Ostteil Aleppos hatten nach den Angriffen ihren Betrieb einstellen müssen. Insgesamt sind im dortigen Rebellengebiet bis zu 300.000 Menschen eingeschlossen, es fehlen Nahrungsmittel, Trinkwasser und medizinische Versorgung.

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