Syrienkrieg Uno-Sonderbeauftragter prangert Einsatz von Brandbomben an

Die Vereinten Nationen beklagen Gräuel in Aleppo. Das Assad-Regime setzt laut dem Sonderbeauftragten de Mistura Brandbomben ein. Es gebe auch Berichte über den Einsatz von bunkerbrechenden Waffen.

Zerstörter Bus in Aleppo
AFP

Zerstörter Bus in Aleppo


Die Lage in Aleppo ist katastrophal. Wie verheerend die Luftangriffe auf die besetzte Stadt sind, hat nun der Uno-Sonderbeauftragte für den Syrienkonflikt, Staffan de Mistura, geschildert. "Wir haben Berichte, Videos und Bilder von gemeldeten Brandbombeneinsätzen gesehen, die so gewaltige Feuerbälle erzeugen, dass sie die pechschwarze Dunkelheit in Ost-Aleppo erleuchten, als ob es Tag wäre", heißt es in dem Bericht von de Mistura an den Uno-Sicherheitsrat.

Die genaue Zahl der meist nächtlichen Luftangriffe könne man nicht ermitteln, schreibt er weiter: "Wir hörten die Worte 'nie dagewesen', sowohl bei der Anzahl als auch dem Umfang und Typ der Bombenangriffe."

Zudem sei von bunkerbrechenden Bomben die Rede, es gebe Bilder von Erdkratern, die viel größer als bei früheren Bombenangriffen seien. Sollten sich die Berichte bestätigen, "läuft das auf Kriegsverbrechen hinaus", so de Mistura. "Zivilisten überall in der Stadt müssen sich fragen, wo auf Erden sie in dieser gequälten Stadt noch sicher sein können."

In den vergangenen Tagen hatten das syrische Regime und seine Alliierten die bislang schwersten Angriffe auf die Rebellengebiete in Aleppo gestartet. In der besetzten Stadt und dem Umland wurden mehr als 230 Zivilisten getötet.

Aleppo ist die letzte verbliebene Großstadt in Syrien, in der Rebellen noch größere Gebiete kontrollieren. Mindestens 250.000 Menschen harren im belagerten Ostteil der Stadt trotz widrigster Lebensumstände aus. Insgesamt sollen zwei Millionen Menschen von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten sein.

Russland und die USA streiten über Schuld an der Eskalation

Bei einer Sondersitzung des Sicherheitsrats am Sonntag machten sich Russland und der Westen gegenseitig für die Eskalation der Gewalt verantwortlich. "Was Russland fördert und unterstützt, ist nicht Terrorbekämpfung, es ist Barbarei", sagte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power. Statt nach Frieden zu streben, führten "Russland und Assad" Krieg.

Der russische Uno-Botschafter Witali Tschurkin wies die Vorwürfe scharf zurück: ""Frieden nach Syrien zu bringen, ist inzwischen fast unmöglich", entgegnete Tschurkin. Tschurkin beschuldigte Washington "nicht ausreichend Einfluss auf die mit ihnen verbündeten Gruppen auszuüben" und damit seine Verpflichtungen für die Waffenruhe nicht zu erfüllen.

De Mistura appellierte an die USA und Russland, dem gebrochenen Waffenstillstandsabkommen noch eine Chance zu geben. "Als naiver Uno-Vertreter hoffe ich, daran glauben zu dürfen, dass ihre Zusagen ernst gemeint waren", sagte er.

SPIEGEL TV Magazin

cte/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.