USA und Russland im Syrien-Konflikt Sie telefonieren wieder miteinander

Moskaus Planspiele im Syrien-Krieg bringen Bewegung in die internationalen Beziehungen: Erstmals seit der Ukrainekrise hat Pentagon-Chef Carter mit seinem russischen Kollegen Schoigu telefoniert - immerhin 50 Minuten.

Russlands Verteidigungsminister Shoigu: 50 Minuten am Telefon
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Russlands Verteidigungsminister Shoigu: 50 Minuten am Telefon


Zwischen Russland und den USA zeichnet sich eine Abstimmung ihrer Militärstrategien im syrischen Bürgerkrieg ab. Der amerikanische Verteidigungsminister Ashton Carter vereinbarte am Freitag in einem Telefonat mit seinem russischen Kollegen Sergej Schoigu, Maßnahmen zur Lösung des Konflikts sowie den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) näher zu erörtern. Moskau hatte nach Angaben von US-Außenminister John Kerry derartige bilaterale Militärgespräche vorgeschlagen.

Das "konstruktive" Telefonat habe rund 50 Minuten gedauert, teilte das Pentagon mit. Russlands Verteidigungsministerium erklärte laut der Nachrichtenagentur RIA, bei den meisten Themen hätten sich gemeinsame Interessen gezeigt. Es war der erste direkte Kontakt auf militärischer Ebene zwischen Washington und Moskau seit mehr als einem Jahr. Die USA hatten den Dialog im März 2014 wegen der Ukrainekrise eingefroren.

Russland hatte am Freitag nicht ausgeschlossen, mit Bodentruppen auf der Seite von Baschar al-Assad in den Bürgerkrieg einzugreifen. Moskau unterstützt den Diktator mit Waffenlieferungen. Die syrischen Regierungstruppen sind seit Ausbruch der Aufstände 2011 zunehmend in der Defensive. Syriens Außenminister Walid al-Muallim erklärte jüngst, sollten russische Truppen nötig sein, werde man sie anfordern.

Islamisten attackieren Schiiten-Orte

Die USA lehnen die russische Unterstützung Assads aber ab. Sie hatten sich zuletzt aber offen für militärtaktische Gespräche mit Moskau gezeigt. Ein russischer Beitrag zum Kampf gegen den IS würde begrüßt, hieß es aus Washington. Auch Deutschland vertritt diese Linie. "Wir würden uns wünschen, dass Russland sich in einem abgestimmten Format auch am Kampf gegen den IS beteiligt", erklärte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts.

Die USA bekämpfen den IS in Syrien und im Irak mit Luftangriffen, schließen den Einsatz von Bodentruppen aber aus. Eine Zusammenarbeit mit Assad lehnen die USA ab. Nachhaltige Erfolge hat der US-Einsatz bislang kaum gebracht. Obwohl kurdische Milizen Geländegewinne im Norden des Landes erzielten, bleibt der IS die dominierende Kraft neben den Truppen Assads.

Islamistische Rebellen sollen am Freitag zwei schiitische Ortschaften in der von sunnitischen Milizen dominierten syrischen Provinz Idlib schwer unter Feuer haben. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, brachten die Angreifer mindestens fünf mit Sprengstoff bestückte Fahrzeuge zur Explosion und schossen mehr als 370 Mörsergranaten auf die Dörfer Fuaa und Kafraja. Über mögliche Opfer war zunächst nichts bekannt. Die beiden seit Monaten belagerten Dörfer sind die einzigen Orte in der Region, die noch unter Kontrolle der syrischen Regierung sind.

als/dpa/Reuters

insgesamt 40 Beiträge
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geboren1969 18.09.2015
1. Das ist sehr zu begrüßen!
Es spricht nichts dagegen Russland wieder mitzunehmen bei solch wichtigen Entscheidungen. Mann kann die Probleme der Welt schlecht ohne Russland und China lösen. Freut mich, dass man wieder miteinander spricht.
joG 18.09.2015
2. Die Russen lenken schön ab....
....von der Ukraine mit der neuerlichen Initiative ihren Diktator in Syrien zu retten vor der Türkei, den Amerikanern, den Arabern, der Oposition, den Kurden und der ISIS. Dass die ISIS eine genau so gefährliche Organisation ist als Russland und etwas schlimmer ist als Assad, macht die Sache nicht gemütlich. Es ist aber auch kein Grund vor Russland einknicken
susannebanse 18.09.2015
3. Der nächste große Player auf dem Schlachtfeld.
Die russische Einsicht, notfalls Bodentruppen auf syrischen Boden zu entsenden, verwundert nicht. Dem IS ist meiner Meinung nach nur durch ein gemeinsames Vorgehen der UN-Stimmberechtigten bei zu kommen. Einerseits eine Chance, um die festgefahrene Situation zu entspannen, anderseits ist diese festgefahrene Situation selbst gleichzeitig auch Last. Es wird sich zeigen, ob OST und WEST daran interessiert sind, eigene Vorstellungen und Ressentiments zurück zu stellen und gemeinsame Interessen in den Vordergrund zu fokussieren. Vielleicht wird sich auch Europa eines besseren besinnen und eigene Interessen entwickeln. Es wäre eine Chance, zwischen den Stühlen einen eigenen zu platzieren und endlich eine Politik für das europäische Volk zu betreiben- nicht wie ein billiger Vasall Trans pazifischer Gehorsamkeit. Aber dennoch, oder grade wegen dieser einmaligen Chance, Vorsicht ist auf allen Seiten geboten. Nichts käme dem IS gelegener als eine uneinige Allianz, die sich selbst politisch zerfrisst. Hier ist weder USA-Bashing noch Russenphobie gefragt. Sondern nur sachlich nüchterne Vorgehensweise und Cleverness. Damit wieder Friede einkehrt. In Europa. dem nahen Osten und vor allem auch in Afrika. Allein mir fehlt der Glaube daran, denn wie schrieb schon einst der große "Seher" Nostradamus: "Die Wüste wird brennen...".
slartibartfass2 18.09.2015
4. Endlich!
Ja, das wurde auch langsam mal Zeit. Jetzt, wo die USA merken, dass sie die russische Militärbasis dort nicht weg bekommen, sondern nun noch eine zweite hinzu gekommen ist, ist für die USA der von ihnen provozierte Bürgerkrieg sinnlos geworden (außer, dass man viele Waffen verkaufen kann). Die Russen haben - aus ihrer Sicht - alles richtig gemacht. Sind sie jetzt in der Welt als mögliche 'Friedensbringer' in aller Munde.
lutzhunger 18.09.2015
5. Komisch
Europa zeigt gerade, das man ein Problem, welches mit einer jahrelangen Vorhaltezeit auf sie zu kommt, nicht in den Griff bekommt. Russland, was nach Lesart der dt. Meinungsindustrie durch die weltweiten Embargos völlig am Boden ist, versucht das Problem selbst in die Hand nimmt, da es vermeiden will, das der IS sich von Süden in die von bunten Revolutionen gestärkten Ländern Fuss fasst und so ein russisches Problem wird. Und dann spricht man sich auch noch mit den USA ab, den Dreh versteht wohl in Europa kein Herrscher mehr, auch wenn man die innere Wärme von Obama im verlängerten Dickdarm geniesst. Ja und Russland, welches ja mit Schimpf und Schande aus Transnistrien, der Krim, Tscheschenien vertrieben wurde, will besser sein, wie das so in Kabul, Libien und Irak erfogreiche amerikanische Herr, Marine und Flugstreitkräfte. Da lachen doch schon die Rebellen. Kurz, ich habe wohl die falschen Medien konsumiert.
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