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Syrienkrieg: Inferno in Idlib

Foto: Syrian Civil Defense White Helmets/ AP

Eskalation im syrischen Idlib Kampfjets gegen Kornfelder - Assads verbrannte Erde

35 zerbombte Schulen, 300 tote Zivilisten, 300.000 Flüchtlinge: Diktator Assad und Verbündete schießen die Rebellenprovinz Idlib sturmreif. Donald Trump beklagt sich zwar via Twitter - unternimmt aber nichts.

Das iranische Regime hatte einen regelrechten Pendelverkehr eingerichtet: Innerhalb von zehn Tagen flog ein Transport-Jumbojet drei Mal von Teheran zur syrischen Luftwaffenbasis T-4, zuletzt am Samstag. Offenbar mit Nachschub für die von Iran unterstützten Milizen in Syrien und im Libanon.

Nachdem die Boeing 747 zum dritten Mal von dem Armeestützpunkt in der syrischen Wüste abgehoben war, dauerte es noch gut 24 Stunden, bis dort mehrere israelische Raketen einschlugen. Bei dem Angriff am Sonntagabend wurden nach Angaben der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana ein Soldat getötet und zwei weitere verletzt. Ein Munitionsdepot sei zerstört worden. Die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte spricht von fünf Toten und mehreren Schwerverletzten.

Es war nicht der erste israelische Angriff auf die Basis zwischen Homs und Palmyra. Im Februar und im April 2018 hatte Israel schon mehrfach T4 bombardiert.

Syrien und Russland brechen humanitäres Völkerrecht

Das syrische Regime hat die wiederholten israelischen Attacken bislang unbeantwortet gelassen. Das zeigt, dass es durchaus möglich ist, militärisch gegen das Regime von Baschar al-Assad vorzugehen.

Und ein entschlossenes internationales Einschreiten wäre durchaus angebracht. Schließlich führt der Diktator seit gut einem Monat einen rücksichtslosen Feldzug gegen die Provinz Idlib, die letzte Rebellenhochburg in Syrien. Die Zahlen sind erschütternd. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden seit Beginn der Offensive im April:

  • mehr als 300 Zivilisten getötet
  • mehr als 300.000 Menschen vertrieben
  • mindestens 35 Schulen, 24 Gesundheitseinrichtungen und vier Flüchtlingscamps bombardiert.
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Syrienkrieg: Inferno in Idlib

Foto: Syrian Civil Defense White Helmets/ AP

Die Uno hatte die Koordinaten der Krankenhäuser vorab an die Regierungen in Damaskus und Moskau übermittelt, um einen versehentlichen Beschuss zu verhindern. Doch wie schon zuvor in Aleppo oder Ost-Ghuta haben syrisches und russisches Militär auch in Idlib zuerst ganz gezielt zivile Einrichtungen angegriffen, um die Bevölkerung zu demoralisieren. Diese Attacken sind eklatante Verletzungen des humanitären Völkerrechts, werden aber weder geahndet noch verhindert.

Daran dürfte auch Donald Trumps Tweet aus der Nacht zum Montag wenig ändern. Er habe gehört, dass "Russland, Syrien und in einem geringeren Ausmaß Iran" in Idlib viele unschuldige Zivilisten töteten. "Die Welt schaut auf dieses Gemetzel", schrieb Trump. "Was ist der Sinn, was soll euch das bringen? STOP!"

Der US-Präsident bringt es unfreiwillig auf den Punkt: Die Welt schaut dem Gemetzel in Syrien seit acht Jahren zu. USA und Verbündete belassen es bei Appellen an Assad, den Krieg gegen sein eigenes Volk zu beenden. Alle diese Forderungen hat der Diktator bislang beständig ignoriert - ohne Konsequenzen.

Auch diesmal lässt Trump offen, was er zu tun gedenkt, wenn Assad und seine Verbündeten ihren Feldzug auf Idlib, wie zu erwarten ist, nicht stoppen. Vor knapp zwei Wochen hatte das US-Außenministerium lediglich mitgeteilt, "dass die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten schnell und angemessen reagieren werden, wenn das Assad-Regime Chemiewaffen einsetzt". Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Regierung in Damaskus keine Vergeltungsschläge fürchten muss, solange sie Zivilisten mit konventionellen Waffen tötet.

Gezielte Angriffe auf Getreidefelder

Dabei hat ein groß angelegter Vormarsch am Boden noch gar nicht begonnen. Bislang sind die syrische Armee und verbündete Milizen nur punktuell auf das Rebellengebiet vorgerückt. Stattdessen versuchen russische und syrische Luftwaffe zunächst, das feindliche Territorium sturmreif zu schießen. Wladimir Putin und Assad rechtfertigen ihr Vorgehen damit, dass Idlib eine Terroristenhochburg sei. In der Tat wird die Provinz hauptsächlich von der Dschihadistenmiliz HTS kontrolliert, bislang richten sich die Luftangriffe aber vor allem gegen zivile Ziele.

Die Hubschrauber und Kampfjets greifen längst nicht mehr nur Gebäude an: Sie beschießen auch gezielt Getreidefelder in der Provinz. Hunderte Hektar Ackerland sind in den vergangenen Wochen in Flammen aufgegangen. Ziel ist es offenbar, die Ernte zu zerstören und so den Menschen dort die Lebensgrundlage zu entziehen.

Das Assad-Regime hinterlässt keine verbrannte Erde. Es schafft die verbrannte Erde schon vor seinem Feldzug.

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