Uno-Bericht Kriegsparteien in Syrien setzen gezielt sexuelle Gewalt ein

Der Bürgerkrieg in Syrien geht in sein achtes Jahr. Die Uno hat deshalb einen Bericht vorgelegt. Und der zeigt, wie Vergewaltigungen als Waffe eingesetzt werden - vor allem durch die Regierungstruppen.
Ost-Ghuta

Ost-Ghuta

Foto: AMER ALMOHIBANY/ AFP

Sowohl die Truppen des syrischen Regimes als auch der Oppositionellen haben sexuelle Gewalt gezielt gegen die gegnerische Kriegspartei eingesetzt. Das geht aus einem umfassenden Bericht der Uno hervor, der von den Nachrichtenagenturen Reuters und AFP zitiert wird.

Die Regierungstruppen und alliierte Milizen vergewaltigten demnach "systematisch" Frauen, Mädchen und Männer oder nötigten sie sexuell. Das seien Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sagten die Uno-Ermittler.

Sexuelle Gewalt werde eingesetzt, "um Geständnisse zu erzwingen, Informationen zu erlangen, als Bestrafung, und auch um oppositionelle Gemeinschaften zu terrorisieren", heißt es in dem Bericht. Die Opfer leiden demnach unter Scham, Depression, Inkontinenz, Impotenz, Fehlgeburten und der Zurückweisung durch ihre Familien.

Der Menschenrechtsrat der Uno bei der Vorstellung des Berichts

Der Menschenrechtsrat der Uno bei der Vorstellung des Berichts

Foto: FABRICE COFFRINI/ AFP

Die Opposition habe ebenfalls sexuelle Gewalt und Folter eingesetzt - im Gegensatz zu den Regierungstruppen allerdings "beträchtlich seltener". Hier fanden die Ermittler "keine Beweise für eine systematische Anwendung" von sexueller und geschlechterbasierter Gewalt. Es gebe derartige Vorfälle aber gerade im Zusammenhang mit Vergeltungsangriffen.

Die Untersuchungskommission der Uno erstellte den 29 Seiten langen Bericht auf Grundlage von 454 Interviews mit Überlebenden, Verwandten, Augenzeugen, Überläufern, Anwälten und medizinischen Angestellten.

Vergewaltigungen an Kontrollpunkten und in Haftanstalten

Der Bürgerkrieg in Syrien geht am Donnerstag bereits in sein achtes Jahr. Schon früh während des Konflikts hätten Regierungstruppen Zivilisten beider Geschlechter während Hausdurchsuchungen und Bodenoperationen vergewaltigt, heißt es in dem Uno-Bericht. Später seien Vergewaltigungen auch an Kontrollpunkten und in Haftanstalten vorgekommen. Das jüngste bekannte Opfer sei ein neun Jahre altes Mädchen.

"Die Vergewaltigung von Frauen und Mädchen wurde in 20 politischen und militärischen Niederlassungen des Geheimdiensts der Regierung dokumentiert", heißt es in dem Report. In 15 Niederlassungen sei es zu Vergewaltigungen von Männern und Jungen gekommen.

Die unabhängigen Experten, die den Bericht angeführt von Paulo Pinheiro zusammengestellt haben, hatten schon seit 2011 vertrauliche Listen von Verdächtigen zusammengestellt. In dem neuesten Report nannten sie keine individuellen Täter, sagten aber, sie hätten "zahlreiche" Fälle von Vergewaltigen durch hochrangige Offiziere dokumentiert.

Außerdem beinhaltet der Report auch Verbrechen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Diese und andere bewaffnete extremistische Gruppen hätten Frauen, Männer und Kinder, denen Ehebruch vorgeworfen wurde, exekutiert. Außerdem zwangen sie Mädchen zur Heirat und verfolgten Homosexuelle.

aev/Reuters
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