Syrien-Krise Russland entsendet Kriegsschiffe ins östliche Mittelmeer

Russlands Regierung verstärkt mitten in der Syrien-Krise die Militärpräsenz im Ost-Mittelmeer. Zwei Schiffe sollen zusätzlich in die Region entsendet werden. Auch mehrere amerikanische Kriegsschiffe befinden sich bereits dort.
Russisches Kriegsschiff "Admiral Pantelejew": Verstärkung im Mittelmeer

Russisches Kriegsschiff "Admiral Pantelejew": Verstärkung im Mittelmeer

Foto: Pavlos Vrionides/ AP

Moskau - Die Regierung von Wladimir Putin demonstriert Stärke im Mittelmeer. Die Nachrichtenagentur Interfax meldet, Moskau werde weitere Kriegsschiffe ins östliche Mittelmeer schicken. Ein auf den Kampf gegen U-Boote spezialisiertes Schiff werde "in den nächsten Tagen" die bereits vorhandenen Einsatzkräfte verstärken, sagte ein Vertreter des russischen Generalstabs. Später werde ein Schiff mit einer Raketenabschussvorrichtung folgen.

Die "bekannte Lage" mache eine Anpassung der Seestreitkräfte nötig, so der Generalstabsvertreter. Gemeint ist die Krise um das Bürgerkriegsland Syrien. Hunderte Menschen starben vergangene Woche bei einem Giftgasanschlag, der Angriff hat die Weltöffentlichkeit erschüttert. Viele westliche Länder machen das Regime von Baschar al-Assad verantwortlich. Großbritannien und die USA bereiten jetzt einen Militärschlag vor.

Im Mittelmeer sind mehrere US-Kriegsschiffe unterwegs, von denen aus Raketenangriffe auf Ziele im Anrainerstaat Syrien möglich wären. Die britische Armee rüstet ebenfalls auf und hat sechs Kampfflugzeuge vom Typ Typhoon auf ihre Luftwaffenbasis auf der Insel Zypern verlegt. Es handele sich laut Verteidigungsministerium um eine "reine Vorsichtsmaßnahme, um die britischen Interessen zu schützen".

Russland als Verbündeter Assads lehnt ein militärisches Vorgehen ab. Als ständiges Mitglied im Weltsicherheitsrat kann Moskau Uno-Resolutionen blockieren - so wird wohl auch der von Großbritannien eingebrachte Entwurf scheitern, in dem ein militärisches Vorgehen gegen das Assad-Regime gefordert wird.

Auch Vetomacht China warnt vor einem Militärschlag. "Eine externe militärische Einmischung ist gegen die Absicht der Uno-Charta und die grundsätzlichen Prinzipien der internationalen Beziehungen", sagte Außenminister Wang Yi. Die USA und Großbritannien wollen notfalls aber auch ohne Mandat der Vereinten Nationen angreifen.

Ergebnisse der Uno-Inspektoren frühestens Samstag

Uno-Waffeninspektoren untersuchen derzeit den Tatort des Giftgasanschlags nahe Damaskus. Ihre Ermittlungen dauern noch bis mindestens Freitag. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen können sehr bedeutsam werden, lassen sie doch Rückschlüsse zu, ob Assads Truppen oder die Rebellen die Chemiewaffen eingesetzt werden. Washington und London wollen den Uno-Bericht nun abwarten, bevor sie militärisch eingreifen.

Auch Russlands Präsident Putin hat den Einsatz von Chemiewaffen im syrischen Bürgerkrieg "von welcher Seite auch immer" als inakzeptabel bezeichnet, er beharrt aber auf einer politischen Lösung. Der russische Vizeaußenminister Gennadi Gatilow bekräftigte, ein mögliches militärisches Eingreifen des Westens in Syrien wäre eine "unverhohlene Kampfansage" an die Uno-Charta und verstoße auch gegen "andere internationale Rechtsnormen".

Viele begreifen daher die geplante Schiffsverlegung im Mittelmeer als Säbelrasseln von Seiten Russlands. Die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti meldet allerdings mit Berufung auf die Marine, die Entsendungen stünden in keinem Zusammenhang mit dem internationalen Disput über Syrien. Es handle sich um eine "geplanten Austausch" von Armeekräften, habe ein ranghohes Mitglied der Marineführung gesagt.

Doch auch die türkische Armee bereitet sich laut Presseberichten auf mögliche Vergeltungsaktionen nach den erwarteten US-Angriffen auf Regierungseinrichtungen in Syrien vor. In der Provinz Hatay an der Grenze zu Syrien seien Luftabwehrraketen in Stellung gebracht worden, berichten mehrere Zeitungen. Die türkische Luftwaffenbasis in Diyarbakir, rund hundert Kilometer nördlich der Grenze, wurde demnach um 20 zusätzliche Kampfjets verstärkt. Die zivilen Behörden in der Grenzregion bereiten den Berichten zufolge die Behandlung von Giftgasopfern vor.

kgp/Reuters/AFP