Luftraum über Syrien US-Jet muss russischem Kampfflieger ausweichen

Über Syrien sind sich Kampfflugzeuge aus Russland und Amerika so nah gekommen, dass die US-Maschine ausweichen musste. Offiziell ist von "mindestens einem Zwischenfall" die Rede.
Russischer Kampfflieger in Syrien: "Sichere Trennung"

Russischer Kampfflieger in Syrien: "Sichere Trennung"

Foto: REUTERS/Ministry of Defence of the Russian Federation

Bei ihren Luftangriffen in Syrien haben offenbar zwei US-Flugzeuge ihren Einsatz abgebrochen, weil sie russischen Kampffliegern ausweichen mussten. Das berichtet ein Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums in Washington, der namentlich nicht genannt werden wollte. Seinen Angaben zufolge waren zwei F-16-Kampfflugzeuge der US-Armee betroffen: Sie hätten ihre Route ändern müssen, um nicht zu nah an russische Flieger zu kommen. "Sie haben ihr vorgesehenes Ziel nicht angreifen können", sagte der Ministeriumsmitarbeiter.

Pentagon-Sprecher und Marine-Kapitän Jeff Davis sagte, in "mindestens einem Fall" habe ein US-Kampfflugzeug seinen Kurs geändert, um eine "sichere Trennung" von russischen Maschinen zu gewährleisten. Wie nah die Flugzeuge sich kamen oder wann und wie oft es bisher zu solchen Ausweichmanövern kam, sagte Davis nicht.

Russland hatte in der vergangenen Woche mit Luftangriffen in Syrien begonnen. Die Regierung in Moskau will damit die Streitkräfte seines Verbündeten Baschar al-Assad unterstützen. Die von den USA angeführte Koalition wiederum greift bereits seit Monaten in Syrien und auch im Irak Stellungen des IS an.

Stand: 4. Oktober 2015

Stand: 4. Oktober 2015

Foto: SPIEGEL ONLINE

Beide Seiten haben Absprachen bestätigt, die Kollisionen im syrischem Luftraum verhindern sollen. US-Verteidigungsminister Ashton Carter stellte aber am Mittwoch klar, dass es sich dabei nicht um eine Zusammenarbeit handle. "Wir haben keiner Kooperation mit Russland zugestimmt", sagte er in Rom. Moskau verfolge in Syrien "die falsche Strategie" und beschieße Ziele, an denen sich keine IS-Kämpfer aufhielten.

Laut einem Sprecher des Außenministeriums gelten mehr als 90 Prozent der bisher von den USA registrierten russischen Luftangriffe in Syrien nicht dem IS oder Terroristen, die mit al-Qaida verbündet sind. Die Luftschläge seien weitgehend gegen Oppositionsgruppen gerichtet, die eine bessere Zukunft für Syrien wollten und die gegen einen Verbleib des Assad-Regimes seien, sagte John Kirby.

Am Mittwoch setzte Russland eigenen Angaben zufolge Kriegsschiffe im Kaspischen Meer ein, um Ziele in Syrien zu beschießen. Von vier Schiffen seien insgesamt 26 Raketen abgefeuert worden, Ziel seien Stellungen des IS gewesen. Syrische Regierungstruppen und ihre Verbündeten starteten zudem laut einem Bericht von Aktivisten eine Bodenoffensive gegen Rebellen .

In Brüssel beraten am Donnerstag die Verteidigungsminister der Nato-Staaten über die Ereignisse im Nahen Osten. Ein Thema dürften die russischen Luftangriffe auf Ziele in Syrien sein.

aar/AFP/dpa
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