Geplanter US-Truppenabzug Syrische Kurden bitten Assad um Hilfe gegen die Türkei

Kurden im Norden Syriens fürchten nach dem Truppenabzug der Amerikaner das türkische Militär. Jetzt wenden sie sich an Diktator Assad.
Kurdische Kämpfer in Syrien

Kurdische Kämpfer in Syrien

Foto: Rodi Said/ REUTERS

Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Syrien haben die Regierung von Staatschef Baschar al-Assad um Beistand bei der erwarteten türkischen Militäroffensive gebeten. Die YPG rief die Regierung in Damaskus auf, Truppen in die von ihnen kontrollierten Gebiete im Norden Syriens zu verlegen.

Nach dem von US-Präsident Donald Trump angekündigten Truppenabzug hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gedroht, die YPG aus der Region zu vertreiben. Ankara fürchtet, dass die kurdischen Milizionäre im Nordosten Syriens einen unabhängigen Proto-Staat errichten, der zum Vorbild für die Kurden in der Türkei werden könnte.

In der Nacht zu Heiligabend hatte laut Medienberichten ein erster Konvoi mit Panzern und Granatwerfern den türkischen Grenzort Kilis erreicht. Ankara verlegte die Truppen nur wenige Tage, nachdem die USA mit dem Abzug ihrer eigenen Soldaten begonnen hatten.

Die YPG kämpfen im Norden Syriens insbesondere gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) und wurden dabei bisher von den USA unterstützt. Trump sieht den IS jedoch als weitgehend besiegt an.

Foto: SPIEGEL ONLINE

Der Generalstab der syrischen Armee verkündete am Freitagvormittag nun, dass Einheiten der Regierungstruppen in die nördliche Stadt Manbidsch eingerückt seien und die syrische Flagge in der Stadt gehisst hätten. Der Schritt sei eine Reaktion auf die Bitte der lokalen Verwaltung. Nach Auskunft von Augenzeugen verhandeln die Regierungstruppen und der Militärrat, der Manbidsch derzeit regiert, darüber, zu welchen Bedingungen die Regierungstruppen den kurdischen Kämpfern in der Stadt helfen.

Rückkehr nach mehr als sechs Jahren

Es ist das erste Mal seit sechseinhalb Jahren, dass Kräfte des syrischen Regimes in die Stadt zurückkehren. Im Juli 2012 hatte ein lokales Rebellenbündnis die Regierungstruppen aus Manbidsch vertrieben. Damals war der Ort eine der ersten Großstädte Syriens, in denen Assad die Kontrolle verlor.

Im Januar 2014 nahm der IS Manbidsch ein. Im August 2016 eroberten die "Syrischen Demokratischen Kräfte" (SDF) - ein von kurdischen Kämpfern dominiertes Militärbündnis - Manbidsch zurück. Die Türkei fordert seitdem, dass sich die Kurden aus dem Ort zurückziehen, und droht mit einer Militäroffensive. Die Türkei sieht die YPG als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit als Terrororganisation.

Laut Augenzeugen halten sich derzeit noch sowohl kurdische Kämpfer als auch US-Truppen und französische Soldaten in Manbidsch auf. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will anders als US-Präsident Trump an dem Einsatz seiner rund 200 Spezialkräfte vorerst festhalten. Das Einrücken der syrischen Regierungstruppen dürfte jedoch den Druck auf Macron erhöhen, die Mission zu beenden.

kev/syd/AFP/Reuters