Umkämpfte Stadt in Syrien Letzte Botschaften aus Aleppo

Die Rebellen stehen laut Beobachtern in Aleppo kurz vor der Niederlage: Journalisten und Zivilisten veröffentlichen Videos aus dem Krisengebiet - es sind Hilferufe an die Welt.
Explosionen in Aleppo

Explosionen in Aleppo

Foto: Stringer/ dpa

"Wir wollten Freiheit. Nicht mehr. Aber diese Welt mag keine Freiheit." Immer wieder schaut sich der Mann im Kapuzenpulli um, als er diese Worte in die Kamera sagt. Er ringt mit sich, nicht in Tränen auszubrechen. Im Hintergrund ist ein Schuss zu hören. Das Video hat der Mann auf seinem Twitteraccount veröffentlicht. Dort nennt er sich Mr. Alhamdo und ist nach eigenen Angaben Lehrer, Aktivist und Reporter. Er berichtet aus Aleppo.

Wer sich unter dem Hashtag #Aleppo durch die Twitternachrichten scrollt, findet Dutzende solcher Videos. Ob es sich bei allen um authentische Aufnahmen handelt, ist nicht immer zweifelsfrei zu klären. Die Videos und Tweets, die in diesem Artikel verwendet werden, gelten nach unseren Recherchen als glaubhaft.

Mr. Alhamdo hat das Video mit den Worten "last call from Aleppo" versehen. Die Assad-Truppen befinden sich auf dem Vormarsch, der Widerstand der Rebellen scheint gebrochen. Andere tun es ihm auf Twitter gleich. Es sind die letzten Botschaften von Zivilisten, Journalisten und Aktivisten aus der umkämpften syrischen Stadt. Letzte Botschaften, weil sie nicht wissen, was mit ihnen passiert, wenn die Regierungstruppen die noch verbliebenden Rebellengebiete einnehmen. Es sind Hilferufe, Nachrichten an die Familie und Worte der Enttäuschung - wie bei Mr. Alhamdo.

"Glaubt nicht mehr, was euch die Vereinten Nationen und die Internationale Gemeinschaft sagen. Sie sind einverstanden mit dem, was hier passiert. Dass wir getötet werden", sagt Mr. Alhamdo in seinem Video. In einigen Tweets zuvor schreibt er: "Bitte rettet das Leben meiner Tochter und anderer. Das ist ein Aufruf eines Vaters."

SPIEGEL ONLINE
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Auch Lina Shamy wendet sich über Twitter an die Öffentlichkeit: "Das könnte mein letztes Video sein", sagt die junge Frau am Anfang der Aufnahme. Sie bezeichnet sich selbst als Teil der syrischen Revolution. "Wir sind hier einem Genozid ausgesetzt", sagt sie und ruft die Menschen auf: "Geht nicht schlafen, ihr könnt etwas tun." Unter den Tweet setzt sie den Hashtag #saveAleppo. Das Video wurde vielfach retweetet, etwa von der Hilfsorganisation der Syrischen Weißhelme, die in diesem Jahr den Alternativen Nobelpreis erhält.

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Über 245.000 Menschen folgen der siebenjährigen Bana aus Aleppo auf Twitter. Sie nutzt das Tool erst seit einigen Monaten gemeinsam mit ihrer Mutter, berichtet aus dem umkämpften Osten der Stadt. In ihrem neuesten Beitrag schreibt sie: "Ich bin Bana, ich bin sieben Jahre alt. Das ist mein letzter Moment, in dem ich lebe oder sterbe. Bana".

Schon einige Stunden zuvor schrieb sie: "Mein Vater ist verletzt worden. Ich weine."

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Kurz nachdem der Journalist Zouhir al-Shimale mit seiner Videoaufnahme beginnt, ist das Geräusch eines Fliegers zu hören, gefolgt von einer Explosion. "Es herrscht das totale Chaos im Osten von Aleppo", sagt er. Es gebe eine Vielzahl von Angriffen, die Menschen verließen den Osten der Stadt, einige würden aber auch bleiben, so der Journalist.

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Immer wieder sind Einschläge und Explosionen im Hintergrund zu hören, als er in die Kamera spricht. Es gebe keine Krankenhäuser und demnach keine Hilfe für die Zivilisten. "Die Toten liegen in den Straßen."

mho
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