Bruch der Waffenruhe in Syrien Mehrere Tote bei Luftangriffen in Aleppo

In Genf sollen das syrische Regime und die Rebellen über Frieden verhandeln. Doch die Gespräche werden von neuen Kämpfen überschattet: Jets bombardieren Aleppo, mindestens zehn Menschen starben.

Zerstörter Markt in Aleppo (Archivbild)
AFP

Zerstörter Markt in Aleppo (Archivbild)


Auf dem Papier gilt in Syrien noch immer die Waffenruhe, in Genf sollen Regime und Rebellen über einen Friedensprozess verhandeln. Doch die Realität im Bürgerkriegsgebiet sieht anders aus: Bei Luftangriffen sind in der umkämpften Stadt Aleppo mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen.

Kampfjets des Regimes und Russlands hätten am Freitag mehrere von Rebellen kontrollierte Wohnviertel bombardiert, berichtete ein Aktivist, der sich in der Stadt aufhält. Weitere Aktivisten bestätigten die Angriffe. Die Großstadt ist zwischen Regimetruppen und verschiedenen Rebellengruppen heftig umkämpft.

Die Kämpfe gefährden den weiteren Verlauf der Gespräche in Genf. US-Präsident Barack Obama sagte am Donnerstag, die Feuerpause leide unter einer "enormen Belastung". Die Opposition macht dafür die Regierung verantwortlich. Aus Protest gegen den Bruch der Waffenruhe kündigte sie ihre Abreise von den derzeit in Genf stattfindenden Friedensverhandlungen an. "Die Waffenruhe ist tot", sagte ein Mitglied der Delegation.

Der Uno-Sonderbeauftragte für Syrien, Staffan de Mistura, hatte für Freitag Zwischenbilanz zum Stand der Gespräche angekündigt. Diplomaten rechneten damit, dass erneut eine Pause eingelegt wird.

In den vergangenen Tagen hatte die Gewalt im Norden Syriens insgesamt wieder zugenommen. Auch in der nordöstlichen Stadt Kamischli kam es zu Gefechten. Einheiten von Machthaber Baschar al-Assad beschossen am Freitag kurdisch kontrollierte Gebiete. Nach Angaben kurdischer Medien und der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden mehrere Menschen getötet, beide Seiten hätten außerdem Gefangene genommen.

Im Nordosten hatte zuletzt eine relative Stabilität zwischen Regime und Kurden geherrscht. Die YPG, ein Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, und ihre Verbündeten kontrollieren weite Gebiete im Norden Syriens und gelten als wichtigster Partner des Westens im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat".

brk/dpa/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.