Attacken in Syrien Mehr als 20 Menschen sterben bei Bombenanschlägen 

Eine Serie blutiger Attentate hat Syrien erschüttert. In der Protesthochburg Idlib starben 20 Menschen, die meisten von ihnen Sicherheitskräfte. Das Regime machte "Terroristen" verantwortlich, die Opposition beschuldigt dagegen die Schergen der Assad-Regierung.

Aufnahmen des syrischen Staatsfernsehens: Schwere Attacke in Idlib
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Aufnahmen des syrischen Staatsfernsehens: Schwere Attacke in Idlib


Damaskus - Offiziell gilt zwar ein Waffenstillstand, doch von Ruhe ist Syrien noch immer weit entfernt. Bei schweren Explosionen im Nordwesten des Landes hat es am Montag zahlreiche Tote und Verletzte gegeben. Wie die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, wurden in der Protesthochburg Idlib Gebäude der Sicherheitskräfte attackiert und mehr als 20 Menschen getötet. Das Staatsfernsehen sprach von acht Toten und Dutzenden Verletzten. "Terroristen" seien für die Anschläge verantwortlich, hieß es.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle waren die meisten Todesopfer in Idlib Sicherheitskräfte. Das Staatsfernsehen berichtete, unter den Toten seien auch Zivilisten. Aufnahmen vom Anschlagsort zeigten Blutflecken und Leichenteile an einem beschädigten Traktor, zerstörte Wohnhäuser und aufgebrachte Bewohner, die in Sprechchören den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad unterstützten.

Einer der beiden Sprengsätze sei in der Nähe des Gebäudes des Geheimdienstes der Luftwaffe detoniert, hieß es. Die zweite Bombe explodierte den Angaben zufolge in der Nähe des Sitzes des Militärsicherheitsdienstes.

Aktivisten beschuldigen Assad

Einige Aktivisten behaupteten, das Regime von Präsident Baschar al-Assad sei für die Anschläge verantwortlich. Die Sprengsätze seien unweit eines Hotels detoniert, in dem Mitglieder der Uno-Beobachtermission untergebracht gewesen seien.

Eine weitere Explosion, die vermutlich von einer Autobombe ausgelöst wurde, ereignete sich nach Angaben der Beobachtungsstelle in der Nähe der Hauptstadt Damaskus. Zur Zahl der Toten und Verletzten lagen zunächst keine Angaben vor.

In Damaskus selbst wurden laut einem Bericht des Staatsfernsehens in der Nacht zum Montag das Gebäude der syrischen Zentralbank und eine Polizeipatrouille angegriffen. Die Polizisten wurden demnach vor einem Krankenhaus von einer "bewaffneten Terrorbande" attackiert.

Dabei seien vier Beamte verletzt worden. Die Zentralbank wurde dem Bericht zufolge von drei bewaffneten Männern angegriffen, die aus einem Fahrzeug mit Raketenwerfern auf das Gebäude schossen. Das Fernsehen zeigte Bilder von der beschädigten Fassade.

Viele Tote und Verletzte - trotz Waffenruhe

Trotz einer offiziell geltenden Waffenruhe waren in Syrien am Wochenende nach Angaben der Opposition erneut 70 Menschen getötet worden, darunter mehr als 40 Zivilisten. Insgesamt wurden seit Beginn der Massenproteste gegen Assad vor mehr als einem Jahr nach Oppositionsangaben mehr als 11.000 Menschen getötet.

Am Sonntag traf der norwegische Generalmajor Robert Mood, der die Uno-Beobachtermission zur Überwachung der Waffenruhe leitet, in Damaskus ein. Er forderte alle an dem Konflikt beteiligten Seiten zu einem Ende der Gewalt auf.

jok/dapd

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