Syrien Mörsergranate tötet zehn Zivilisten

Bei Granatbeschuss in einem syrischen Dorf sind erneut Menschen gestorben, darunter offenbar Frauen und Kinder. Auch in anderen Teilen des Landes kam es erneut zu Gefechten zwischen Regierungssoldaten und Deserteuren, auch dabei soll es wieder Tote gegeben haben.

Uno-Fahrzeug in Damaskus: Brüchige Waffenruhe
REUTERS

Uno-Fahrzeug in Damaskus: Brüchige Waffenruhe


Damaskus - Fast drei Wochen nach dem offiziellen Beginn der Waffenruhe in Syrien werden die Verstöße immer offensichtlicher: Bei einem Raketenangriff der syrischen Armee auf ein Dorf in der Rebellenprovinz Idlib wurden nach Oppositionsangaben am Dienstag zehn Zivilisten getötet. Am Montag gab es zahlreiche Tote bei Anschlägen auf Gebäude der Sicherheitskräfte in der Stadt Idlib, die Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon scharf verurteilte.

Wie die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, griff die Armee im Morgengrauen das Dorf Maschmaschan in der Nähe von Dschisr al-Schugur an. Neun der Todesopfer gehörten demnach derselben Familie an. Sie starben, als eine Mörsergranate in ihr Haus einschlug.

Auf einem ins Internet gestellten Video war ein Mann zu sehen, der in ein Krankenhaus stürmt und dabei ruft: "Filmt mich, filmt mich". Während er seine Finger abzählt, berichtet er, dass bei dem Angriff seine Mutter, seine Schwester, zwei Brüder und ein Neffe getötet worden seien. "Das ist mein Sohn", sagte er und deutete auf einen bandagierten und offenbar verwundeten Jungen.

In der Provinz Deir Essor im Nordosten Syriens wurden den Angaben zufolge zwölf Regierungssoldaten bei Gefechten mit Deserteuren getötet. Am Rande der Kämpfe in der Region Busaira starb demnach auch ein Zivilist. In Katna bei Damaskus sei ein 80-jähriger Mann durch Schüsse aus einem Kleinbus getötet worden.

Montag: Angriffe auf Geheimdienst-Gebäude

Am Montag wurden in der Stadt Idlib Gebäude der Sicherheitskräfte attackiert. Nach Angaben der Beobachtungsstelle gab es am Morgen zwei heftige Explosionen - eine in einer Basis des Luftwaffengeheimdienstes, die andere in einem Gebäude des Militärgeheimdienstes. Stunden später erschütterte eine dritte Explosion das Universitätsviertel. Dabei seien insgesamt mehr als 20 Menschen getötet worden, die meisten von ihnen Mitglieder der Sicherheitskräfte.

Das syrische Staatsfernsehen sprach von neun Toten und etwa hundert Verletzten. In der Hauptstadt Damaskus wurde laut einem Bericht des Staatsfernsehens am Montag das Gebäude der syrischen Zentralbank sowie eine Polizeipatrouille angegriffen. Die Polizisten wurden demnach vor einem Krankenhaus von einer "bewaffneten Terrorbande" attackiert. Dabei seien vier Beamte verletzt worden. Die Zentralbank wurde demnach von drei Männern mit Raketenwerfern angegriffen. Das Fernsehen zeigte Bilder von der beschädigten Fassade.

Uno-Generalsekretär Ban verurteilte die Anschläge in Idlib und einen Selbstmordanschlag in Damaskus am Freitag. Obwohl sich die Lage in Regionen, wo bereits Uno-Beobachter stationiert seien, verbessert habe, sei er "tief besorgt" über die anhaltende Gewalt, erklärte sein Sprecher in New York. Er forderte alle Seiten auf, die Gewalt zu beenden und mit den Uno-Beobachtern zusammenzuarbeiten.

Derzeit befinden sich 30 Beobachter der Vereinten Nationen zur Überwachung der Waffenruhe in Syrien, die offiziell seit dem 12. April gilt. Ihre Zahl soll in den kommenden Tagen verdoppelt und später auf 300 aufgestockt werden. Am Sonntag war der norwegische General Robert Mood, der die Beobachtermission leitet, in Damaskus eingetroffen. Auch er forderte ein Ende der Gewalt. Seit Beginn der Massenproteste gegen Assad vor mehr als einem Jahr sind nach Oppositionsangaben mehr als 11.000 Menschen getötet worden.

cis/AFP/AP

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