Syrien Menschenrechtler beklagen mehr als hundert Tote an einem Tag

Die Lage in Syrien bleibt dramatisch: Nach Angaben von Aktivisten sind allein am Dienstag 111 Zivilisten von Sicherheitskräften getötet worden. Das Regime von Präsident Assad demonstriert seine Stärke mit Truppenübungen.


Damaskus - Im Nordwesten Syriens sind nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten allein am Dienstag mindestens 111 Zivilisten von Sicherheitskräften getötet worden. Wie die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch mitteilte, ereigneten sich die Vorfälle in dem Dorf Kafruwed in der Provinz Idlib.

Am Dienstag hatte die Organisation die Zahl der dort getöteten Zivilisten mit mindestens 37 angegeben. Die Beobachtungsstelle hatte aber erklärt, in dem Dorf sei ein Massaker zu befürchten, da es von Soldaten umstellt sei. Ebenfalls am Dienstag waren in der Provinz derselben Quelle zufolge Dutzende Soldaten, die zur Protestbewegung überlaufen wollten, getötet worden.

Entsetzen über Massaker an Zivilisten

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, verurteilte die "exzessive Gewaltanwendung durch das syrische Regime aufs Schärfste". Damaskus müsse die Gewalt gegen Deserteure und Demonstranten "umgehend einstellen". Die französische Regierung warf den syrischen Sicherheitskräften ein "beispielloses Blutbad" vor. Es müsse alles getan werden, um die "Todesspirale" zu stoppen.

Das syrische Staatsfernsehen zeigte unterdessen Bilder von Truppenübungen. Die Streitkräfte des Landes seien bereit, "jede Aggression, die den Feinden der Nation in den Sinn kommen könnte, zurückzuschlagen", hieß es.

Präsident Baschar al-Assad drohte auch Unterstützern der Aufständischen: Die Lieferung von Waffen, mit denen "terroristische Taten" begangen würden, könne einem neuen Gesetz zufolge mit dem Tode bestraft werden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana.

Beobachter sollen entsandt werden

Die Arabische Liga kündigte für Donnerstag die Entsendung einer zwölfköpfigen Gruppe von Beobachtern an. Das Team solle eine größer angelegte Beobachtungsmission vorbereiten und damit auf einen arabischen Plan zur Beendigung der Gewalt in Syrien hinarbeiten. Zum Leiter der Delegation wurde der stellvertretende Generalsekretär der Liga, Samir Saif al-Dschasal, ernannt.

Am Montag hatte Syrien nach wochenlangem Widerstand zugestimmt, eine solche Delegation ins Land zu lassen. Nach Angaben des Vorsitzenden der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, wird sich die Vorausdelegation aus Experten für Verwaltung, Finanzen und Menschenrechte zusammensetzen. Die eigentlichen Beobachter würden später in Zehnergruppen über das ganze Land verteilt arbeiten, hieß es. Arabi kündigte an, insgesamt etwa 500 Beobachter zu schicken.

Der Plan der Arabischen Liga sieht vor, dass sich die syrischen Streitkräfte mit ihren schweren Waffen aus den Straßen der Städte zurückziehen. Ferner sollen Gespräche mit der Opposition aufgenommen werden. Auch soll zunehmend ausländischen Journalisten sowie Vertretern von Menschenrechtsorganisationen Zutritt ins Land gewährt werden.

Seit neun Monaten hält in Syrien ein blutiger Aufstand gegen die Regierung an. Die Uno schätzt, dass bislang mindestens 5000 Menschen bei den Kämpfen getötet wurden.

anr/heb/AFP/dapd



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