Syrien Menschenrechtler beklagen mehrere Tote bei neuen Protesten

Syriens Regime setzt weiter auf Gewalt: Sicherheitskräfte haben nach Angaben von Menschenrechtlern in der Stadt Homs auf einen Demonstrationszug geschossen und dabei mehrere Menschen getötet. Es soll Dutzende Verletzte geben. Der Aufstand gegen Präsident Assad geht weiter.


Damaskus/Kairo - In der syrischen Stadt Homs sind Tausende auf den Straßen. "Wir wollen dich stürzen", rufen die Gegner von Präsident Baschar al-Assad. Die Menschen trauern um mehrere Tote, die in der Nacht zu Montag von Sicherheitskräften erschossen wurden. Menschenrechtler sprechen von 8 bis 14 getöteten Demonstranten, Dutzende sollen verletzt sein.

Der Vorfall habe sich ereignet, nachdem ein in Gewahrsam genommener Stammesanführer ums Leben gekommen sei, sagte ein Aktivist der Nachrichtenagentur Reuters. "Homs kocht." Zahlreiche Zivilisten seien in der vergangenen Nacht in mehreren Stadtteilen auf die Straßen gezogen, "und es wurde kaltblütig auf sie geschossen".

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana erschossen "bewaffnete Kriminelle" in Talbisa bei Homs am Rande einer Kundgebung einen Polizisten, während weitere elf Beamte dabei verletzt wurden. Auch in früheren Fällen hatten die regimenahen Medien über Gewalt von "Kriminellen" berichtet, über deren Identität aber nichts bekannt wurde. Nach Ansicht von Aktivisten steckt das Regime selbst hinter diesen Aktivitäten, um den Eindruck eines Chaos zu erzeugen und damit die Protestbewegung zu diskreditieren.

Syrien ist ein autoritär gelenkter Staat, in dem seit 1963 der Ausnahmezustand gilt. Geheimdienste und andere Sicherheitsorgane können Bürger willkürlich verhaften. Folter und Misshandlung in der Haft werden nicht geahndet.

Offiziell hatte Syrien am Sonntag den 65. Jahrestag der Erringung der Unabhängigkeit gefeiert. Präsident Baschar al-Assad hatte am Samstag die Aufhebung des Ausnahmezustands binnen weniger Tage sowie politische Reformen angekündigt. Über den Inhalt der in Aussicht gestellten Gesetze für Presse, Demonstrationen und politische Parteien sagte er allerdings nichts.

Die von den erfolgreichen Revolten in Tunesien und Ägypten inspirierten Proteste in Syrien gehen inzwischen in die fünfte Woche. Die Demonstranten fordern mehr Freiheiten. Menschenrechtsgruppen zufolge starben insgesamt bereits mehr als 200 Menschen, Hunderte wurden festgenommen.

anr/dpa/Reuters

insgesamt 6 Beiträge
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nachdenklich1 18.04.2011
1. Na wer steckt dahinter?
Wer steckt wohl dahinter? http://derstandard.at/1302745496879/USA-wollen-Regime-destabilisieren
Doctor Feelgood 18.04.2011
2. Und wenn der Spiegel etwas genauer berichten würde...
...so würden wir lesen können, daß die Unruhen in Syrien von den USA mit fionanziert werden. Denn das kann inzwischen problemlos im Netz recherchiert werden. Interessant ist, daß solche "Revolutionäre", die sich auch gern vom Ausland sponsorn lassen, offenbar immer wieder die Verluste von unbeteiligten Menschenleben billigend in Kauf nehmen - dies läßt sich nämlich bestens propagandistisch vermarkten, nicht wahr?
ok-info 18.04.2011
3. Wo bitte -
mal ganz abgesehen von den bösen Syrern - kann ich hauptberuflicher "Menschenrechtler" werden ? Wer bezahlt mich, und wieviel pro Monat ? Muß man dazu Philosophie und Ius oder was eigentlich studieren ? Genügt es, wenn man einfach "linksliberal" (ein sehr verdächtiger Begriff heutzutage) ist und ein paar leute bei der Presse kennt ? Echte Interessefrage, danke. Menschenrechtler, das hat doch echt Klasse.
Willie, 18.04.2011
4. -
Zitat von Doctor Feelgood...so würden wir lesen können, daß die Unruhen in Syrien von den USA mit fionanziert werden. Denn das kann inzwischen problemlos im Netz recherchiert werden. Interessant ist, daß solche "Revolutionäre", die sich auch gern vom Ausland sponsorn lassen, offenbar immer wieder die Verluste von unbeteiligten Menschenleben billigend in Kauf nehmen - dies läßt sich nämlich bestens propagandistisch vermarkten, nicht wahr?
Wo genau?
alfredoneuman 18.04.2011
5. -
Zitat von nachdenklich1Wer steckt wohl dahinter? http://derstandard.at/1302745496879/USA-wollen-Regime-destabilisieren
Angeblich hat die USA seit 2006 die syrische Opposition mit 6 Mio.$ unterstützt. Das ist lächerlich wenig, reicht ja nicht einmal um den Schleudersitz einer F16 zu bezahlen. Finde, man sollte ein Spendenaufruf starten und mit dem Geld die Gegner des syrischen Drecksregimes unter die Armee greifen, jetzt wo die Amis schwächeln.
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