Syrien Menschenrechtler prangern brutale Razzien an

In Syrien haben Sicherheitskräfte offenbar mindestens 13 Menschen getötet. Menschenrechtlern zufolge gab es Razzien in der Stadt Homs, Hubschrauber hätten über Wohnvierteln gekreist, Maschinengewehre seien zu hören gewesen.


Damaskus/Kairo - Die syrische Stadt Homs gilt als Hochburg des Widerstands gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad. Am Dienstag gingen Sicherheitskräfte Berichten zufolge dort erneut hart gegen Kritiker vor.

Bei Razzien in Homs und Umgebung sind nach Angaben von Oppositionellen mindestens 13 Menschen getötet worden. Augenzeugen berichteten von Hubschraubern, die am Morgen über den angegriffenen Wohnvierteln kreisten, und von Salven aus Maschinengewehren. In Homs starben zehn, in dem Ort al-Kusair an der Grenze zum Libanon drei Menschen, teilte die Organisation Lokales Koordinationskomitee Syrien mit.

Bereits am Wochenende waren in der Stadt 30 Menschen getötet worden, erklärte der Vorsitzende der in London ansässigen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Weil Syrien keine unabhängige Berichterstattung erlaubt, ist es schwierig, Angaben vor Ort zu prüfen.

Seit dem Beginn der Proteste gegen Assads Regime Mitte März kamen nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen landesweit mehr als 1300 Zivilisten ums Leben. Mehr als 10.000 Syrer flohen vor der Gewalt in die benachbarte Türkei und in den Libanon.

Die Europäische Union will nun den Druck gegen die Regierung in Damaskus auf internationaler Ebene verstärken. Die EU-Staaten sprächen mit einer Stimme und forderten Syrien erneut auf, die Repressalien gegen die Demonstranten im eigenen Land umgehend einzustellen, sagte Außenminister Guido Westerwelle am Montag in Brüssel. Er selbst pocht auf ein Eingreifen des Weltsicherheitsrates. "Wir sind der Überzeugung, dass dieses Verhalten der syrischen Regierung in keiner Weise akzeptabel ist und international verurteilt werden muss." In dem New Yorker Spitzengremium gebe es aber noch Widerstand. Russland und China treten seit längerem auf die Bremse.

Mehrere europäische Kollegen Westerwelles gehen in ihren Forderungen noch weiter. So meint der Schwede Carl Bildt, die Regierung müsse angesichts fortgesetzter Ausschreitungen gegen Demonstranten abtreten und ersetzt werden. "Das Regime ist am Ende. Es hat Glaubwürdigkeit und Legitimität verloren."

Der niederländische Minister Ben Knappen forderte neue Sanktionen gegen Damaskus - die aber erst einmal nicht geplant sind. Die EU hat bereits drei Sanktionsrunden beschlossen, die Assad, seine Vertrauten sowie Unternehmen betreffen - zuletzt im Juni.

kgp/dpa/AFP/dapd



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Tom-d, 19.07.2011
1. ®
Zitat von sysopIn Syrien haben Sicherheitskräfte offenbar mindestens 13 Menschen getötet. Menschenrechtlern zufolge gab es Razzien in der Stadt Homs, Hubschrauber hätten über Wohnvierteln gekreist, Maschinengewehre seien zu hören gewesen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,775284,00.html
Das problem sind Terroristen uns Islamisten, die aus Wohnhäusern und Krankenhäusern auf die Sicherheitskräfte schiessen. dadurch kommen auch leider unschuldige ums leben
alfredoneuman 19.07.2011
2. +
Zitat von Tom-dDas problem sind Terroristen uns Islamisten, die aus Wohnhäusern und Krankenhäusern auf die Sicherheitskräfte schiessen. dadurch kommen auch leider unschuldige ums leben
So etwas ähnliches behauptet das Assad-Regime auch. Allerdings spricht alles dafür, dass sie dreist lügen, sonst würden sie doch unabhängige Reporter ins Land lassen die solche Behauptungen nachprüfen könnten.
heinerz 19.07.2011
3. nicht ganz richtig
Zitat von alfredoneumanSo etwas ähnliches behauptet das Assad-Regime auch. Allerdings spricht alles dafür, dass sie dreist lügen, sonst würden sie doch unabhängige Reporter ins Land lassen die solche Behauptungen nachprüfen könnten.
Nein, das ist so nicht ganz richtig. Menschenrechtsgruppen hatten gestern noch gesagt, es habe sektirerische Gewalt in Homs gegeben. Erst seine 2 Alawiten entführt und umgebracht worden, danach seien zur Rache Sunniten umgebracht worden. So war es zum Beispiel auf Haaretz zu lesen. Der Gouverneur von Homs bestätigt das: Es habe diese sektirerische Gewalt gegeben, 11 Personen seien umgebracht worden und er werde alles tun, um die Mörder aufzugreifen (seine Erklärung kam im Fernsehen, in Syrien); wer sich dafür interessiert kann das auf Al Watan nachlesen
alfredoneuman 19.07.2011
4. **
Zitat von heinerzNein, das ist so nicht ganz richtig. Menschenrechtsgruppen hatten gestern noch gesagt, es habe sektirerische Gewalt in Homs gegeben. Erst seine 2 Alawiten entführt und umgebracht worden, danach seien zur Rache Sunniten umgebracht worden. So war es zum Beispiel auf Haaretz zu lesen. Der Gouverneur von Homs bestätigt das: Es habe diese sektirerische Gewalt gegeben, 11 Personen seien umgebracht worden und er werde alles tun, um die Mörder aufzugreifen (seine Erklärung kam im Fernsehen, in Syrien); wer sich dafür interessiert kann das auf Al Watan nachlesen
Aha. Und warum lässt das syrische Regime keine freie Berichterstattung im Lande zu?
heinerz 19.07.2011
5. Ausländische Journalisten
Zitat von alfredoneumanAha. Und warum lässt das syrische Regime keine freie Berichterstattung im Lande zu?
Um das gerade nochmal zu betonen: Der Gouverneur von Homs sagt im syrischen Fernsehen ziemlich das gleiche, was die israelische Zeitung Haaretz über die sektirerische Gewalt in Homs berichtet. Und ausländische Journalisten: Es gibt doch ausländische Journalisten in Syrien. Die New York Times sagt von sich, sie habe Journalisten vor Ort. Eine Deutsche Zeitung (Junge Welt) sagt von sich, sie habe eine Journalistin vor Ort. Es gibt auch aus anderen Ländern Journalisten in Syrien...
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