Syrien Militär besetzt Grenzgebiet zur Türkei

Syriens Diktator Assad verschärft sein Vorgehen gegen Aufständische weiter.  Hunderte Soldaten sind in eine Gebirgsregion nahe der türkischen Grenze vorgedrungen. Mit schwerem Geschütz stürmten sie mehrere Dörfer. Scharf reagierte Damaskus auf die Angriffe aus der Arabischen Liga.

Präsident Assad: Kritik der Arabischen Liga zurückgewiesen
DPA

Präsident Assad: Kritik der Arabischen Liga zurückgewiesen


Amman - Das syrische Militär hat eine neue Offensive gegen pro-demokratische Demonstranten und Deserteure gestartet. Soldaten stürmten am Mittwoch eine Gebirgsregion nahe der türkischen Grenze. Örtliche Aktivisten berichten von Hunderten Bewaffneten, die mit gepanzerten Fahrzeugen in die Region Jabal al-Sawija vorgestoßen seien. Sie hätten mindestens zehn Städte und Dörfer besetzt, wahllos mit Maschinengewehren gefeuert und Kommunikationswege abgeschnitten.

Nach Angaben der in London ansässigen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte drangen die bewaffneten Einheiten am Morgen in die Dörfer Ablin, Baliun, Marajan, Ihsem und Al Rami ein. Die Verbindungsstraßen zwischen den Dörfern seien unterbrochen und Kontrollposten eingerichtet worden. Die Sicherheitskräfte hätten überdies mehrere Menschen festgenommen. Oppositionelle haben für Donnerstag zu Demonstrationen in den betroffenen Ortschaften aufgerufen.

In einem Vorort von Damaskus sollen syrische Truppen mit Tränengas auf Trauergäste bei der Beerdigung eines getöteten Bürgerrechtlers geschossen haben. Wie der Aktivist Mustafa Osso vom Netzwerk Local Coordination Committee am Mittwoch mitteilte, ereignete sich der Vorfall am Dienstagabend. Kurz zuvor hatten US-Botschafter Robert Ford und andere Diplomaten, die der Familie von Ghajath Mattar ihr Beileid ausgesprochen hatten, die Trauerfeier verlassen. Es sei niemand verletzt worden.

Syrien ist in der Arabischen Liga, dem Zusammenschluss von 22 Staaten der Region, zunehmend isoliert. Die Kritik der Organisation am Vorgehen gegen die Protestbewegung tat Syriens Botschafter in Kairo, Jussif Ahmed, als "feindselig" und "nicht konstruktiv" ab. Dies berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana. Die Außenminister der Arabischen Liga hatten am Vortag in Kairo die Führung in Damaskus aufgefordert, das Blutvergießen im Lande unverzüglich zu beenden.

Auch der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte die Politik von Präsident Baschar al-Assad bei einem Besuch in Kairo scharf verurteilt. "Diese Führung geht mit Gewehrkugeln gegen das eigene Volk vor", hatte Erdogan am Dienstagabend in einer stürmisch gefeierten Rede im Opernhaus von Kairo erklärt. In einem ägyptischen Zeitungs-Interview hatte er zuvor vor einem Bürgerkrieg in Syrien gewarnt.

Das Regime des syrischen Präsidenten versucht seit sechs Monaten, mit Gewalt eine Oppositionsbewegung zu unterdrücken. Dabei wurden bisher rund 2600 Menschen getötet.

ler/Reuters/dapd/AFP/dpa

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Zavi85 14.09.2011
1. .
Sollte Assad so weiter machen steuert er wirklich noch auf einen selbst verschuldeten Aufstand zu. Und dann gibt es wieder Kritik wenn von aussen Hilfe für die Bevölkerung kommt. Was soll man bei einem solchen Mann noch als Druckmittel einseetzen? Die bisherigen Sanktionsdrohungen waren für ihn ja eher ein Witz.
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