Der Krieg und seine Folgen Millionen Syrer fürchten sich vor dem Winter

Mehr als fünf Millionen Menschen innerhalb Syriens sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Sie leiden unter Belagerung, Vertreibung, Gewalt und Hunger. Und jetzt kommt auch noch der Winter.

Badra/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

In Syrien setzt der Winter ein. Schon Ende der Woche sollen die Nachttemperaturen in Damaskus und Aleppo unter den Gefrierpunkt fallen, so sagen es Meteorologen voraus. Damit bekommen Millionen Syrer zu Krieg und Hunger einen weiteren Gegner dazu: die Kälte.

Hunderttausende Menschen in Syrien leben derzeit in Ruinen oder Notunterkünften, in denen sie kaum vor Nässe und Kälte geschützt sind. Das Uno-Kinderhilfswerk Unicef warnt eindringlich vor den Folgen. "Zur Kriegs-Katastrophe darf nicht noch eine Winter-Katastrophe hinzukommen", sagt Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland. Das Hilfswerk will deshalb in den nächsten Wochen rund 700.000 Kinder in dem Bürgerkriegsland mit warmer Winterkleidung und Decken versorgen.

Doch dass diese Lieferungen alle Bedürftigen erreichen, ist unwahrscheinlich. Nach Unicef-Angaben leben derzeit 200.000 Kinder in belagerten Gebieten, die zum Teil seit Jahren kaum noch Hilfe von außen erreicht.

Besonders dramatisch ist die Situation in Ost-Ghuta. Dieses dichtbesiedelte Gebiet am Stadtrand von Damaskus ist seit 2013 wegen Kämpfen und Belagerung weitgehend von Hilfe abgeschnitten. Das Assad-Regime und verbündete Milizen haben das Gebiet umzingelt, die syrische Luftwaffe schießt es seit Monaten sturmreif. In Ost-Ghuta sind einer neuen Unicef-Untersuchung zufolge fast zwölf Prozent der Kleinkinder unter fünf Jahren akut mangelernährt - im Januar dieses Jahres waren es rund zwei Prozent.

In Ost-Ghuta sind insgesamt zwischen 350.000 und 400.000 Menschen eingeschlossen. Das Regime lässt nur sporadisch Uno-Konvois hinein. Die Hilfslieferungen, die in den vergangenen beiden Monaten in die belagerten Vororte von Damaskus gelangten, reichten gerade einmal für 68.000 Menschen.

Kaum besser sieht die Lage in dem Ort Hula in der Provinz Homs aus. Auch dieses Gebiet belagert das Assad-Regime seit fünf Jahren. In diesem Winter droht das Brennholz auszugehen, weil es nicht mehr genug Bäume gibt. "Wenn das Holz ausgeht, haben wir nur noch unsere Kleidung und Gottes Hilfe", sagte Mohammed Burq, Feuerholzverkäufer in Hula dem arabischen Nachrichtensender Al Jazeera.

Ähnliches gilt in den Gebieten, die das syrische Regime zurückerobert hat. "In Aleppo kann von echter Sicherheit für Kinder und Familien keine Rede sein", heißt es im Unicef-Situationsbericht für Syrien, der am Dienstag vorgestellt wurde. Rund 5000 Menschen leben im Flüchtlingslager Jibreen am östlichen Stadtrand auf einem Gelände mit nicht fertig gestellten Fabrikhallen. "Kälte und Feuchtigkeit kriechen in die Rohbauten ohne Fenster und Türen", heißt es in dem Unicef-Bericht. "Die Familien, die alles verloren haben, wissen nicht, wie sie ihre Kinder warmhalten sollen."

Lesen Sie hier, warum der Krieg in Syrien noch lange nicht vorbei ist.

syd



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