Syrische Provinz Idlib Mindestens 15 Tote bei Luftangriff auf Flüchtlingslager

Die Bombe tötete eine Mutter und ihr ungeborenes Baby und enthauptete ein Kleinkind: Beobachter machen Russland für einen verheerenden Luftangriff in der syrischen Provinz Idlib verantwortlich.

Zivilretter in syrischer Stadt Haas: Massaker am Freitag
Abdullah Hammam / AFP

Zivilretter in syrischer Stadt Haas: Massaker am Freitag


Bei einem Luftangriff in der nordsyrischen Provinz Idlib sind nach Angaben von Rettungskräften und Aktivisten mindestens 15 Zivilisten getötet worden, unter ihnen mehrere Kinder. Außerdem seien rund 30 Menschen verletzt worden. Die Bomben seien in einem Gebäude in der Kleinstadt Haas eingeschlagen, in dem Flüchtlinge aus anderen Landesteilen Zuflucht gesucht hätten.

Videoaufnahmen aus dem Ort zeigen Bilder des Schreckens: Zu sehen ist, wie Helfer ein Kleinkind aus den Trümmern ziehen, dem durch den Angriff der Kopf zerfetzt wurde. Zu sehen ist auch ein lebloser Fötus, der noch an der Nabelschnur seiner ebenfalls getöteten Mutter hängt.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die mit Hilfe von Augenzeugen im Land Angriffe und Kriegsverbrechen in Syrien dokumentiert, machte das russische Militär für das Massaker verantwortlich. Eine Bestätigung von anderer Seite gibt es dafür bislang nicht.

Der Luftschlag vom Freitag war der bisher verheerendste Angriff auf Idlib seit Ende einer dreitägigen Waffenruhe Anfang August. In der vergangenen Woche haben die syrische Armee und verbündete Milizen mit Hilfe russischer Luftangriffe ihre Bodenoffensive auf die letzte Rebellenbastion deutlich beschleunigt. Die Truppen von Diktator Baschar al-Assad stehen kurz vor der Einnahme der Stadt Chan Scheichun, in der das Regime im April 2017 Giftgas eingesetzt hatte.

Frankreich forderte als Reaktion auf den Luftangriff auf Haas eine sofortige Waffenruhe.

Seit Beginn der Militäroffensive in Idlib sind dort rund 3500 Menschen getötet worden. Knapp 500.000 Menschen sind innerhalb der Provinz vor den Kämpfen geflüchtet - zumeist in Richtung der geschlossenen türkischen Grenze. Uno-Nothilfekoordinator Mark Lowcock warnt seit Monaten: "In Idlib droht die schlimmste humanitäre Katastrophe des Jahrhunderts."

syd/Reuters/dpa/AFP

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