Syrischer Terrorchef Golani Ein Phantom meldet sich zu Wort

Abu Mohammed al-Golani gilt als mächtiger Kriegsherr in Syrien. Nun hat der Chef der radikal-islamistischen Nusra-Front dem TV-Sender al-Dschasira sein erstes Interview gegeben. Wieder verhüllte er dabei sein Gesicht, legte aber seine Scharia-Pläne für das Land offen.

AFP

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Doha - Taisir Aluni hat als Reporter schon einiges mitgemacht. Er berichtete jahrelang für al-Dschasira aus Afghanistan, dort interviewte er im Oktober 2001 Qaida-Chef Osama Bin Laden. Während des Irak-Kriegs berichtete Aluni aus Bagdad. 2005 verurteilte ihn ein Gericht in Madrid zu sieben Jahren Haft, weil er als Geldkurier für al-Qaida tätig gewesen sein soll. Anfang 2012 hob der Europäische Gerichtshof den Schuldspruch auf, Aluni wurde freigelassen.

Inzwischen arbeitet der Journalist wieder für al-Dschasira. Und zwölf Jahre nach seinem Gespräch mit Bin Laden sorgt Aluni wieder durch ein Interview mit einem Terrorführer für Aufsehen. Als erster Reporter überhaupt hat er mit Abu Mohammed al-Golani, dem mysteriösen Chef der syrischen Nusra-Front gesprochen. Al-Dschasira hat am späten Mittwochabend Ausschnitte des Interviews ausgestrahlt.

Das Treffen fand an einem geheimen Ort in Syrien statt, und die Umstände der Zusammenkunft haben selbst bei Aluni nachhaltigen Eindruck hinterlassen. "Die Sicherheitsvorkehrungen waren viel strenger als damals bei Bin Laden", sagte der Reporter. Während des Interviews verbarg Golani aus Angst um seine Sicherheit das Gesicht. Die Kamera zeigt ihn nur von hinten, lediglich seine Hände sind unverhüllt.

Wer ist Golani?

Auch die wahre Identität des Mannes liegt im Dunkeln. Der Name, den er sich selbst gegeben hat, soll nahelegen, dass er von den israelisch besetzten Golanhöhen stammt. Doch es ist nicht einmal sicher, dass Golani Syrer ist. Vermutlich schloss er sich um 2005 herum der al-Qaida im Irak unter der Führung von Abu Mussab al-Sarkawi an.

Aus dieser Gruppe heraus hat sich offenbar um den Jahreswechsel 2011/2012 herum die Gruppe mit dem Namen "Dschabhat al-Nusra li Ahl al-Scham", zu Deutsch etwa "Rettungsfront für das Volk der Levante" gebildet. Inzwischen wird sie von den USA und den Vereinten Nationen als Terrororganisation eingestuft.

Die ersten Anschläge, zu denen sich die Nusra-Front bekannte, zielten auf streng gesicherte Einrichtungen der syrischen Geheim- und Sicherheitsdienste. Weil diese Angriffe kaum ohne Insiderwissen hätten durchgeführt werden können, halten sich bis heute Gerüchte, sie seien vom Regime inszeniert worden.

Inzwischen hat Golanis Truppe mehrere tausend Mann unter Waffen - auch wenn in den vergangenen Monaten zahlreiche ausländische Kämpfer zur rivalisierenden Gruppe "Islamischer Staat im Irak und Syrien" übergelaufen sind. Und obwohl er nur aus dem Untergrund heraus agieren kann, gibt sich Golani siegessicher: "Die Schlacht ist so gut wie vorbei. Wir haben 70 Prozent erobert. Der Sieg ist nah", sagte er im Interview mit al-Dschasira. "Es ist nur noch eine Frage von Tagen."

Diese Einschätzung ist reines Wunschdenken - trotzdem hat Golani schon konkrete Pläne für ein Syrien nach dem Sturz von Diktator Baschar al-Assad. "Natürlich wird das Land auf Grundlage der islamischen Scharia regiert, auf Basis der Gesetze Gottes", verkündete Golani.

Keine Verhandlungen mit dem Assad-Regime

In den Orten des Landes, die derzeit unter die Kontrolle der Nusra-Front geraten sind, haben die Islamisten bereits ihre Vorstellungen von Ordnung und gerechter Herrschaft umgesetzt. Frauen dürfen nur noch vollverschleiert auf die Straße, Tabak und Musik wurden verboten. Syrische Muslime, die sich nicht daran halten, werden öffentlich ausgepeitscht, bei schlimmeren Vergehen werden sie kurzerhand zu Ungläubigen erklärt und hingerichtet.

Zumindest diese "Takfir" genannte Praxis will der Nusra-Chef künftig eindämmen: "Wir verurteilen all jene aufs Schärfste, die einzelne Menschen oder ganze Personengruppen pauschal zu Ungläubigen erklären", sagte Golani. "Wir betrachten die syrische Gesellschaft im Großen und Ganzen als muslimisch."

Eine Verhandlungslösung für den Machtkampf in Syrien schließt der militante Islamistenführer aus. "Wir lehnen jedes Ergebnis der Konferenz von Genf ab. Die Leute, die daran teilnehmen, repräsentieren nicht die Menschen, die sich geopfert haben und deren Blut vergossen wurde", sagte Golani.

Die Friedenskonferenz von Genf soll am 22. Januar kommenden Jahres beginnen. Vertreter des Assad-Regimes und der syrischen Opposition sollen bei dem Treffen über die Bildung einer Übergangsregierung beraten. Die Erfolgsaussichten des Treffens sind gering - wegen der Unnachgiebigkeit Assads und der Radikalität von Männern wie Golani.

insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
Öhrny 19.12.2013
1. Im...
Zitat von sysopAFPAbu Mohammed al-Golani gilt als mächtiger Kriegsherr in Syrien. Nun hat der Chef der radikal-islamistischen Nusra-Front dem TV-Sender al-Dschasira sein erstes Interview gegeben. Wieder verhüllte er dabei sein Gesicht, legte aber seine Scharia-Pläne für das Land offen. Syrien: Nusra-Chef Golani spricht mit Taisir Aluni von al-Dschasira - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-nusra-chef-golani-spricht-mit-taisir-aluni-von-al-dschasira-a-940049.html)
...Großen und Ganzen ist Syrien islamisch, sagt er. Der verklausulierte Hinweis: Die verbliebenen Christen kann man töten. Vielleicht haben die Amis noch Drohne übrig.
sybaris 19.12.2013
2. optional
Nun - möchte der Westen immer noch, daß Assad gestürzt wird? Der "syrische Frühling" wie naiv die Europäer wieder einmal waren. Und vor allem noch mehr "syrische Flüchtlinge" aufnehmen - da sind niiieeemals islamische Extremisten darunter - niiieee!!!
paulroberts 19.12.2013
3. hallloo
Zitat von Öhrny...Großen und Ganzen ist Syrien islamisch, sagt er. Der verklausulierte Hinweis: Die verbliebenen Christen kann man töten. Vielleicht haben die Amis noch Drohne übrig.
die amis unterstützen diese leute-und merkel und konsorten auch.
syracusa 19.12.2013
4.
Zitat von sybarisNun - möchte der Westen immer noch, daß Assad gestürzt wird? Der "syrische Frühling" wie naiv die Europäer wieder einmal waren. Und vor allem noch mehr "syrische Flüchtlinge" aufnehmen - da sind niiieeemals islamische Extremisten darunter - niiieee!!!
Aber natürlich! Dass einige oder mittlerweile sogar die Mehrheit der Gegner Assads Terroristen sind, macht Assad ja nicht zu einem Heiligen. Wir stehen auf der Seite der Menschen- und Bürgerrechte. Damit sind wir genauso Gegner Assads wie Gegner der fundamentalistischen Terroristen.
DenkZweiMalNach 19.12.2013
5. Westen weiss, was er tut,
nur soll das das Volk nicht erfahren. Der Westen - sprich USA und EU hinterher - hat schon in Afghanistan Extremisten mit Waffen ausgerüstet. Heute wieder in Syrien. Man kann eben gut auskommen mit bestechlichen Erzkonservativen wie in Saudi Arabien. Wen interessieren da ein paar tote oder vertriebene Christen?
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