Syrische Staatsmedien Offenbar mehr als hundert Menschen durch Giftgas in Aleppo verletzt

Syrische oppositionelle Kämpfer sollen die Stadt Aleppo mit Chemiewaffen angegriffen haben - viele Menschen wurden dabei verletzt. Die Rebellen weisen die Vorwürfe zurück.


Syrische Staatsmedien und das russische Verteidigungsministerium haben Rebellen vorgeworfen, mehrere Raketen mit Chlorgas auf die Großstadt Aleppo abgefeuert zu haben. Bei dem Beschuss von drei Orten in der nordsyrischen Stadt seien den Staatsmedien zufolge 107 Menschen verletzt worden. Sie litten unter teils schweren Atemproblemen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana mit Verweis auf Krankenhausinformationen aus der Stadt.

Es habe sich um einen Angriff von "Terroristen" gehandelt. Die Agentur verbreitete zudem Fotos und Videos, die zeigen sollen, wie zahlreiche Menschen mit Atemproblemen in Krankenhäusern behandelt werden.

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, dass der Angriff aus der entmilitarisierten Pufferzone der benachbarten Provinz Idlib erfolgt sei, die von der islamistischen Nusra-Front kontrolliert werde.

Russland werde mit der Türkei über den Vorfall sprechen. Diese hatten sich zur Überwachung der Einhaltung der Waffenruhe durch die Rebellen in dem Gebiet verpflichtet.

Rebellen bezeichnen Anschuldigungen als "erfunden"

Russland und die Türkei hatten sich im September auf die Einrichtung einer 15 bis 20 Kilometer breiten Pufferzone verständigt, aus der alle schweren Waffen sowie islamistische Kämpfer abgezogen werden müssen. Mit der Vereinbarung war eine Militäroffensive der mit Russland verbündeten syrischen Armee in der dicht besiedelten Region Idlib abgewendet worden.

Syrische Rebellen in der Umgebung wiesen die Anschuldigungen als "erfunden" zurück. Es handele sich um "Lügen, die dazu dienen sollen, die Verbrechen des Regimes gegen die syrische Bevölkerung zu überdecken", sagte ein Sprecher der Nationalen Befreiungsfront, eines Bündnisses mehrerer Rebellengruppen.

Als Reaktion auf den mutmaßlichen Giftgasangriff attackierten Kampfflugzeuge Rebellenstellungen zwischen Aleppo und Idlib. Die russische Luftwaffe habe die Stellungen der Terroristen bombardiert, von denen aus Aleppo beschossen worden sei, sagte ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums am Sonntag der Agentur Tass zufolge.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von heftigen Explosionen westlich und südlich der Großstadt. Angaben über Opfer gab es zunächst nicht.

cop/Reuters/dpa



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