Tote Zivilisten in Syrien Opposition fordert Stopp von US-Luftangriffen auf IS-Ziele

Bei Luftangriffen der Anti-IS-Koalition in Syrien starben Dutzende Zivilisten. Die syrische Opposition fordert nun, die Attacken auf Stellungen des "Islamischen Staats" auszusetzen.

Belagerte syrische Stadt Manbidsch
REUTERS

Belagerte syrische Stadt Manbidsch


Bei zwei Luftangriffen nahe der syrischen Stadt Manbidsch sollen Anfang der Woche mindestens 77 Zivilisten getötet worden sein - elf von ihnen waren noch Kinder. Die syrische Opposition fordert nun Konsequenzen: Die US-geführten Luftangriffe auf Stellungen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) sollten ausgesetzt werden, forderte der Präsident der Syrischen Nationalkoalition, Anas al-Abdah.

Derartige Vorfälle trieben den Terroristen neue Anhänger in die Arme, schrieb Abdah Weozer in einem Brief an die Staaten der Anti-IS-Koalition. Die Berichte müssten zunächst untersucht werden.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte von dem Zwischenfall berichtet. Sie greift auf ein Netz von Menschen vor Ort zurück und hat sich in der Vergangenheit als zuverlässig erwiesen.

Die Beobachtungsstelle berichtet ebenfalls, dass kurdische Kämpfer der IS-Miliz ein Ultimatum gesetzt hätten. Die Dschihadisten hätten 48 Stunden Zeit, die besetzten Gebiete in Manbidsch kampflos zu räumen. Das gehe aus einer Mitteilung der kurdisch geführten Demokratischen Kräfte Syriens (DFS) hervor, die von den USA unterstützt werden. Das Ultimatum solle das Leben von Zivilisten in der Stadt schützen.

Auch die vom Westen unterstützte Freie Syrische Armee, die gegen die Islamisten und die Regierung in Damaskus kämpft, verurteilte "schockierende Massaker" an Zivilisten. Die syrische Regierung warf den USA und Frankreich vor, ihre Bomben auf Zivilisten statt auf Terrorbanden abzuwerfen.

Die internationale Koalition unterstützt in Manbidsch Truppen unter Führung der Kurden. Diese hatten Ende Mai eine Offensive gestartet, um den IS aus der Stadt zu vertreiben. US-Verteidigungsminister Ash Carter erklärte am Mittwoch, die Angaben würden überprüft. Manbidsch ist für den IS strategisch wichtig, weil über die Stadt eine wichtige Nachschubroute aus der Türkei verläuft.

vks/vek/Reuters/dpa



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al3x4nd3r 21.07.2016
1.
Könnte da etwas dran sein? Nach den Terroranschlägen steht das Militär unter Druck, schnell Vergeltung zu üben, doch die Terroristen befinden sich in dicht besiedelten Gebieten. Es müssen Ergebnisse erzielt werden. Hat man die Toten absichtlich in Kauf genommen?
dasdondel 21.07.2016
2. was lange währt...
---Zitat--- Manbidsch ist für den IS strategisch wichtig, weil über die Stadt eine wichtige Nachschubroute aus der Türkei verläuft. ---Zitatende--- Vielen Dank, daß dies endlich einmal öffentlich gemacht wird. Interessant, daß es erst nach den Säuberungsaktionen passiert.
Mephisto Müller 21.07.2016
3. Mir kommen die Tränen...
...vor lachen wenn ich immer wieder von der "zuverlässigen" "Syrischen Beobachtungsgruppe für Menschenrechte" höre oder lese. Nochmal für alle: "Die SOHR wird von Rami Abdulrahman (auch "Rami Abdul Rahman" oder "Rami Abdelrahman" geschrieben), einem syrischstämmigen sunnitischen Muslim, der ein Bekleidungsgeschäft betreibt, von seinem Reihenhaus in Coventry in England aus betrieben.[1][2] Abdulrahman ist der einzige feste Mitarbeiter der Organisation und war laut dem russischen Staatsfernsehen RT das letzte Mal im Jahr 2000 persönlich in Syrien" Gut, dann bin ich jetzt die "Kongolesische Beobachtungsgruppe für Lachsfischen", war zwar nie im Kongo, kann auch nicht angeln, wohne dafür aber weit weg und das sollte als Qualifikation alle mal reichen... Und ja, Luftangriffe bringen es nicht. Hoffentlich wird demnächst massiv mit Bodentruppen durch den nahen osten marschiert. dann wäre da in 1-2 Monaten Ruhe in der Wüste, wenn sich Russland, die USA und Europa wenigsten einmal zusammen tun könnten um die Sache da unten zu beenden ..
brosswag 21.07.2016
4. hundsgemeine Strategie?
Die Staatsführung liegt noch in den Händen der syrischen Regierung unter Assad. Putin hat alle moderaten Kräfte dazu aufgerufen in Verhandlungen zu einer für alle akzeptablem Einigung zu kommen. Will die FSA unbedingt die Herrschaft in Syrien bekommen so ist es mir eine Frage in wie weit die Säkularität des syrischen Bürgers garantiert ist und bleibt. Assad will das Resultat einer Wahl akzeptieren in der das Volk ihn weiterhin will oder nicht mehr will. Will die FSA das nicht, sondern um jeden Preis den Putsch Assads so nehme ich an, dass sie das den Amis versprochen haben der sie bis dato unterstützt. Das wäre dann wieder die hundsgemeine Diplomatie der USA: "Teile und herrsche". Was man von Russland so nicht kennt. Doch gilt das Misstrauen immerzu den Russen und nicht den Amis und das ist reichlich seltsam.
oi_le 21.07.2016
5. Wie passt das ins Bild?
Ich dachte nur Assad und die Russen töten Zivilisten? Wo bleibt der Aufschrei unserer Wertegemeinschaft!?
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