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Syrienkrieg in Ost-Ghuta Waffenruhe für die "Hölle auf Erden" vorerst gescheitert

Seit Tagen fallen Bomben im syrischen Rebellengebiet Ost-Ghuta, Hunderte sind gestorben. Ein Anlauf für eine Waffenruhe ist nun gescheitert. Das mit Assad verbündete Russland gibt den Aufständischen die Schuld.

"Hölle auf Erden" nennt Uno-Generalsekretär António Guterres das syrische Ost-Ghuta, den seit Tagen vom Regime des syrischen Machthabers Baschar al-Assad intensiv bombardierten Rebellenvorort der Hauptstadt Damaskus.

Der Versuch, für die Widerstandsenklave eine Feuerpause zu erreichen, ist derweil gescheitert. Frühestens in zwölf Stunden ist dafür ein neuer Anlauf geplant.

Russland teilte mit, Verhandlungen über eine friedliche Lösung des Konflikts in der Region seien am Mittwoch ergebnislos geblieben. Die Rebellen hätten russische Appelle, den Widerstand einzustellen und die Waffen zu strecken, nicht befolgt, erklärte das russische Militär.

"Im Osten Ghutas entsteht eine kritische humanitäre und sozioökonomische Situation", hieß es weiter. Ursache der "Situation", die nach Ansicht der Uno und westlicher Beobachter vielmehr eine humanitäre Katastrophe darstellt, ist eine intensive Bomben-Kampagne des von Russland gestützten Regimes des Machthabers Assad.

Schweden und Kuwait bereiten eine Resolution vor

Bei den Bombardements sind in Ost-Ghuta allein in dieser Woche nach Uno-Angaben mindestens 346 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 850 weitere wurden unter Trümmern verschüttet und verletzt.

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Angriffe auf Ost-Ghuta: Aleppo 2.0

Foto: HAMZA AL-AJWEH/ AFP

Selbst appellierte Russland nicht an die Assad-Regierung, die Angriffe auf das Gebiet mit geschätzt mehr als 300.000 eingeschlossenen Zivilisten einzustellen. Vielmehr möchte Russland im Rahmen des Uno-Sicherheitsrats am Donnerstagabend (12 Uhr Ortszeit in New York) über die Lage in Ost-Ghuta reden.

"Das ist notwendig angesichts der Sorgen, die wir heute gehört haben", sagte der russische Uno-Botschafter Wassili Nebensja am Mittwoch. Dabei könnten alle Seiten ihre Standpunkte vortragen, sagte er der Agentur Tass zufolge. Weitere Mitglieder des Sicherheitsrats unterstützten während einer Sitzung am Mittwoch den Vorschlag.

Schweden und Kuwait bereiteten indes eine Resolution für die Sicherheitsratssitzung vor, die eine 30-tägige Feuerpause für Syrien fordert. Ob darüber abgestimmt wird, ist noch unklar. Für den Fall kündigten US-Botschafterin Nikki Haley und der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian die Zustimmung ihrer Länder an. Eine Zustimmung Russlands gilt als ungewiss. Paris forderte zudem, es müsse ein robuster Überwachungsmechanismus geschaffen werden, um sicherzustellen, dass eine Waffenruhe tatsächlich umgesetzt und respektiert wird.

Am Mittwochabend hatte der Uno-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, wie sein Chef Guterres mit scharfen Worten die Gewalt gegen die syrische Rebellenhochburg Ost-Ghuta kritisiert. "Stoppt die ungeheuerliche Vernichtung in Ost-Ghuta", sagte er am Mittwoch in Genf.

Schlacht um Ost-Ghuta - Die Bilder des Krieges:

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cht/dpa/Reuters/AP