Syrienkonflikt "Einige unserer Partner haben einfach Grütze im Kopf"

Russlands Präsident Putin hat sich über die USA beschwert: Washington gebe im Syrienkonflikt wichtige Infos nicht heraus - werfe Moskau aber eine falsche Zielauswahl vor. Er spricht von "Grütze im Kopf".
Präsident Putin: Kritik an den USA

Präsident Putin: Kritik an den USA

Foto: AP/ RIA-Novosti/ Kremel

Die russische Luftwaffe fliegt weiter Angriffe in Syrien - gleichzeitig fordert Präsident Wladimir Putin in Moskau eine politische Lösung für das Bürgerkriegsland. Allerdings sieht er bei den USA mangelnde Kooperationsbereitschaft. "Ich glaube, einige unserer Partner haben einfach Grütze im Kopf", sagte Putin am Dienstag.

Der Präsident berichtete, Russland habe die USA zunächst um eine Liste von Angriffszielen gebeten. Dies hätten die USA abgelehnt. "Dann haben wir noch mal nachgedacht und eine andere Frage gestellt: Dann sagt uns, wo wir nicht angreifen sollen." Auch darauf habe Moskau keine Antwort aus Washington erhalten.

"Wenn wir nicht nur einfach schießen oder Raketentreffer landen wollen, sondern eine politische Lösung finden wollen, dann sollten wir die Kräfte innerhalb des Landes zur Zusammenarbeit mit anderen Kräften auf dem Territorium Syriens bringen", sagte Putin. Dazu solle jede ausländische Macht auf diejenigen Syrer einwirken, auf die sie Einfluss habe.

Militärs beider Länder hatten sich bei einer Videokonferenz am Sonntag nur über Maßnahmen geeinigt, um Zwischenfälle im Luftraum über Syrien zu vermeiden. Eine US-geführte Koalition fliegt seit 2014 Luftangriffe gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien.

Erst am Samstag hatte es nach US-Angaben einen Zwischenfall gegeben: Russische und US-Kampfflugzeuge kamen sich dabei bis auf Sichtweite nahe. Die Flugzeuge seien bei dem Vorfall nur wenige Meilen voneinander entfernt gewesen, sagte ein Sprecher des US-Militärs am Dienstag. Die Flugzeug-Besatzungen auf beiden Seiten hätten professionell reagiert. Der Vorfall mache jedoch deutlich, wie wichtig gemeinsame Sicherheitsvorschriften seien.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow empfing am Dienstag den Uno-Sondergesandten für Syrien, Staffan de Mistura. Russland fliegt seit Ende September Luftangriffe in Syrien, um nach eigener Darstellung den IS zurückzudrängen. Nach Berichten des russischen Verteidigungsministeriums zerstörten Kampfflugzeuge Munitionslager und Nachschubwege des IS. Die USA und andere Staaten kritisieren, dass Russlands Luftwaffe weniger den IS, als vielmehr andere Regimegegner angreift, um den syrischen Machthaber Baschar al-Assad zu stützen.

Machtverhältnisse in Syrien (Stand: 4. Oktober 2015)

Machtverhältnisse in Syrien (Stand: 4. Oktober 2015)

Foto: SPIEGEL ONLINE
ler/dpa/AFP