Bürgerkrieg in Syrien Die Tunnelbauer von Aleppo

Er arbeitet unter der Erde, er untergräbt die Stützpunkte von Assads Truppen, er jagt sie in die Luft. Rebellenchef Abu Assad ist der meistgesuchte Mann Aleppos.

REUTERS

Aleppo/Berlin - Vor dem Aufstand gegen das syrische Regime war er Schreiner, nun befehligt er die Gruppe der Tunnelgräber von Aleppo: Abu Assad, ein braungebrannter Mann mit schwarzen kurzen Haaren und Vollbart, ist wohl der meistgesuchte Mann Aleppos.

Am 8. Mai haben sie Baschar al-Assads Unterstützern einen schweren Schlag versetzt: Mit 25 Tonnen Sprengstoff jagten sie das Carlton-Hotel in die Luft, das den Assad-Truppen als Stützpunkt diente. In einem Video ist die gewaltige Explosion zu sehen.

Nun sprach Abu Assad erstmals mit Journalisten der britischen Zeitung "The Guardian". Der Anschlag, bei dem zwischen 30 und 50 Assad-Kämpfer ums Leben gekommen sein sollen, habe der Kampfmoral der Rebellen neuen Aufwind gegeben.

"Seitdem wollen die Männer mehr als zuvor kämpfen", sagte Abu Assad. Zuletzt waren die Rebellen in Aleppo von den Regimeunterstützern aus manchen Vierteln wieder zurückgedrängt worden.

Die Tunnelattacken treffen den Regime-kontrollierten Teil

Aleppo ist eine geteilte Stadt, seit im Sommer 2012 die Rebellen einzogen: Im Westen herrschen die Assad-Krieger, im Osten die Aufständischen. Beide Seiten führen um die Stadt einen Krieg, der auf Zivilisten keine Rücksicht nimmt.

Das Regime hat Kampfhubschrauber, Kampfjets und Scud-Raketen. Dagegen setzen die Rebellen auf Belagerungstaktiken wie aus dem Mittelalter. Durch ihre Tunnel können sie auch ohne Luftwaffe mitten im gegnerischen Gebiet zuschlagen.

"Wir haben noch einige Überraschungen für sie", kündigt Abu Assad an. Insgesamt habe er den Bau von neun Tunneln geleitet. Der Hoteltunnel war mit 107 Metern Länge und 33 Tagen Bauzeit noch einer der kleineren. Ein anderer sei monatelang gegraben worden und habe eine Länge von 860 Metern.

Schon die Kreuzritter gruben in Aleppo Tunnel

Die Attacke auf das Luxushotel zerstörte das aufwendig restaurierte 150 Jahre alte Gebäude. "Wenn man über den Schutz historischer Gebäude reden will, muss man sich auch anschauen, was sie auf dem Gewissen haben", sagt Abu Assad über die Assad-Soldaten: Der Markt von Aleppo, Unesco-Weltkulturerbe, existiert nicht mehr. Die Zitadelle aus dem 13. Jahrhundert wird von Soldaten als Stützpunkt verwendet wie schon von den Arabern gegen die anstürmenden Kreuzritter.

Auch die Tunneltaktik wurde damals schon angewandt. Als die Kreuzritter Aleppo einnehmen wollten, versuchten sie es ebenfalls mit dem sogenannten Unterminieren. Einer ihrer Anführer, Joscelin von Courtenay, Graf von Edessa, starb 1131 allerdings an den Folgen des Einsturzes eines Tunnels, den er bei der Belagerung einer kleinen Burg im Nordosten Aleppos graben ließ.

In der Stadt hat Abu Assad mit den Grabungen im Sommer 2013 angefangen. Er sei auf die Idee gekommen durch einen Palästinenser, der ihn besuchte. Im Gaza-Streifen nämlich dienen Tunnel seit Jahren dazu, Attacken vorzubereiten, sowie Lebensmittel und Waffen zu schmuggeln.

ras



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